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Der Schlüssel zur Preisfindung

12.07.2012

In der Deckungsbeitragsrechung werden Erlöse und Kosten gegenübergestellt. Wie der Name schon sagt, trägt der Deckungsbeitrag zur Deckung der fixen Kosten bei.

Mag. Rudolf Siart

In der Deckungsbeitragsrechnung werden daher Leistungen (Erlöse) und Kosten einander gegenübergestellt. Wichtig ist dabei, dass in einem ersten Schritt einer bestimmten Leistung nur jene Kosten gegenübergestellt werden, die durch die Leistungserstellung unmittelbar verursacht werden. Der Deckungsbeitrag zeigt also, wie viel vom Umsatz nach Berücksichtigung der variablen Kosten zur Abdeckung der Fixkosten übrig bleibt.

Der Deckungsbeitrag ist somit ein Beitrag zur Abdeckung der fixen Kosten und letztlich des Betriebsergebnisses:
Verkaufserlöse (Umsatz) 
– variable Kosten 
= Deckungsbeitrag (DB) 

Beispiel: Der Deckungsbeitrag eines hergestellten und verkauften Produkts ergibt sich aus dem Nettoerlös (ohne Umsatzsteuer), der beim Verkauf des Produkts erzielt wird (Annahme: € 10,–), und den Kosten für die Herstellung und den Verkauf (Annahme: € 6,–) dieses Produkts:
10,00 Erlös netto 
– 6,00 verursachte Kosten netto (zurechenbare oder variable Kosten)
= 4,00 Deckungsbeitrag (DB)

Der Deckungsbeitrag von € 4,– sagt aus, dass die fixen Kosten in der Höhe dieses Betrages abgedeckt werden können und das Betriebsergebnis durch jedes hergestellte und verkaufte Produkt um € 4,– verbessert wird.

Der Deckungsbeitrag hilft also, die fixen Kosten abzudecken. Erzielen Sie nur einen Deckungsbeitrag von € 2,–, dann werden eben nur € 2,– der Fixkosten abgedeckt. Es kommt darauf an, wie viele Ihrer Produkte Sie zu welchen Deckungsbeiträgen verkaufen, um die fixen Kosten, aber auch den von Ihnen kalkulierten Gewinn abzudecken.

Betrachten Sie es vom Markt her – ziehen Sie vom erreichbaren Marktpreis die variablen Kosten ab und sehen Sie so, ob das eine oder andere Produkt mehr Sinn macht.

In Engpasssituationen der Leistungskapazität (Produktion) entscheiden Sie sich für das Produkt, das einen höheren Deckungsbeitrag bringt. In Zeiten schlechter Auslastung finden Sie so den Preis, der auch Sinn macht, weil er eben zumindest einen Teil der fixen Kosten tragen hilft.

Denken Sie aber daran, dass Sie sich Ihre Preis- und Kundenstruktur nicht zusammenhauen.

Deckungsbeitragsrechnung als Entscheidungshilfe
Häufig stellt sich die Frage, welcher Umsatz erzielt werden muss, um die variablen Kosten und die Fixkosten hereinzubringen sowie beispielsweise auch einen Kredit bedienen zu können und Gewinn zu erzielen.

Beispiel: Es wurde ein Kredit in der Höhe von € 10.000,– auf 5 Jahre aufgenommen, wobei die Verzinsung 6 % pro Jahr und die jährliche Kreditrückzahlung € 2.000,– beträgt.

Nun stellt sich die Frage welcher Umsatz erzielt werden muss, um – abgesehen von den Fixkosten in Höhe von € 5.800,– – die zusätzlichen „Kosten“ (Belastungen, Kreditrückzahlung, Kreditzinsen) decken zu können und ausreichend Gewinn zu machen:
5.800,00 Fixe Kosten
+ 2.250,00 Gewinn
+ 2.000,00 Kreditrückzahlung p. a.
+ 600,00 Zinsen 6 % im ersten Jahr
= 10.650,00 notwendiger DB

Da zusätzlich die Kreditrückzahlung und die Zinsen gedeckt werden müssen, muss sich der Deckungsbeitrag von € 8.050,– (Fixkosten und Gewinn) auf € 10.650,– erhöhen.

Als nächster Schritt wird der Anteil der variablen Kosten am Umsatz ausgerechnet: Bei einem Umsatz von € 10,– haben wir angenommene variable Kosten von € 7,20.

Variable Kosten x 100 / Umsatz ergibt hier 7,2 x 100 / 10 = 72 %
Die variablen Kosten betragen also 72 % vom Umsatz.
Dann wird der Anteil des Deckungsbeitrages am Umsatz errechnet:
Der Deckungsbetrag beträgt 28 % vom Umsatz.
Umsatz 10,00
– variable Kosten 7,20
= Deckungsbeitrag 2,80

In Prozent heißt das:
DB x 100 / Umsatz, also 2,8 x 100 / 10 = 28 %
Jetzt kann man den notwendigen neuen Umsatz errechnen, der nötig ist, um nach Abzug der variablen Kosten die fixen Kosten, den Gewinn und die Kreditbelastung abzudecken. Sie rechnen aus, was bei einem Deckungsbeitrag von 28% eben 100% entspricht. (100% = Umsatz)
Notwendiger Umsatz:  10.650,00 x 100 / 28 = 38.036,00
Der notwendige Umsatz, um fixe Kosten, Gewinn und Kreditraten sowie Zinsen zu verdienen, beträgt € 38.036,–. Anders ausgedrückt: Um einen DB von € 10.650,– zu erwirtschaften, muss ein Umsatz von € 38.036,– erreicht werden.

Die entscheidende Frage lautet: Ist der Umsatz zu erreichen? Die Ertragsteuern (Einkommen-, Körperschaft-) dürfen bei entsprechender Gewinnhöhe auch nicht vergessen werden, auch die Entnahmen nicht. Denn von irgendetwas muss man ja leben.

Mag. Rudolf Siart ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, Siart + Team, 1160 Wien, Enenkelstr. 26, Tel.: 01/493 13 99, siart@siart.at, www.siart.at
Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch „Unternehmer Know-how“, erschienen im dbv-Verlag, ISBN: 978-3-7041-0531-8, € 26,40

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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