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Moritz Kschwendt möchte Hoteldirektor werden.

Der Traum der Lehrlinge

03.11.2016

Auf der Gala der Staatsmeister in Tourismusberufen traf die ÖGZ Lehrlinge, die dort früher gewonnen haben, und fragte sie, was aus ihnen geworden ist

ulia Heilig hat sich mit einer mobilen Bar selbstständig gemacht.

Moritz Kschwendt war der erste österreichische HGA-Staatsmeister, der je bei den EuroSkills angetreten ist. Thomas Penz vom Innsbrucker Hotel The Penz reüssierte 2014 als Koch in der Teamwertung bei den EuroSkills, holte Gold und ist heute Trainer des Tiroler Teams. Thomas Schäffer aus der Steiermark trat sowohl bei den EuroSkills als auch bei den WorldSkills an und holte Gold, Silber und Bronze. Mit 26 hat er ein Lokal übernommen. Julia Heilig trat ebenfalls bei den Euro- und WorldSkills an und betreibt heute als Jungunternehmerin eine mobile Bar für Events. Die diesjährige Siegerin bei HGA, Johanna Straube, verlässt ihren Lehrbetrieb Schloss Mönchstein in Salzburg, wo sie sehr unterstützt wurde – die Chefin war auch mit zur Gala gekommen –,
um Eventmanagement zu studieren.

Karriere mit Lehre

Moritz Kschwendt ist so etwas wie das Musterbeispiel eines Lehrlings, der es mit der richtigen Einstellung schnell zu etwas bringen kann. Der junge Mann wurde 2013 Staatsmeister HGA. Seine Lehre absolvierte er im Hotel Mercure in Salzburg. Dann wagte er sich als erster Österreicher in HGA zu den EuroSkills. Was ihn dort erwartete: „Der Wettbewerb war auf Englisch, die mündliche Ausdrucksweise war entscheidend, es drehte sich alles um Kommunikation“, erinnert er sich. Für ihn offenbar kein allzu großes Problem, er holte eine Bronzemedaille. Danach arbeitete er zunächst zwei Jahre weiter in seinem Lehrbetrieb. „Ich hatte einen tollen Chef, der hat mich weiterhin sehr gefördert.“ Kschwendt bekam früh Einblicke ins Management, schon während der Lehrzeit. 
Dann leistete er seinen Zivildienst und arbeitete ein Jahr im Sales des Salzburger Hotels Castellani. Jetzt geht er in ein Golfresort nach Florida – hauptsächlich, um sein Englisch zu perfektionieren und seine sonstigen Skills auszubauen.

Er wird dort als Kellner arbeiten, der Verdienst ist ihm nicht so wichtig. „Das wird erst wichtig, wenn ich wieder nach Österreich zurückkehre.“ Er möchte in den USA Kultur und Sprache kennenlernen. Den Job hat ihm eine Agentur vermittelt. Aber Kschwendt hat bisher ohnehin immer jeden Job bekommen, für den er sich beworben hat. „Man muss willig sein zu lernen und Engagement zeigen“, sagt er. Und beides strahlt er unübersehbar aus. Sein Ziel ist es, Hoteldirektor zu werden, das wollte er schon im ersten Lehrjahr. Und dafür braucht man seiner Meinung und Erfahrung nach keine Matura und auch kein Studium. Viel wichtiger sei es, Erfahrungen zu sammeln, aus der Praxis zu wissen, warum etwas nicht klappt. Managementskills könne  man nebenbei lernen, das sauge man on the job ohnehin auf. Er hat im Hotel schon alles gemacht – inklusive Housekeeping: „Zwanzig Minuten für ein Zimmer: Das ist ein Knochenjob! In der Zeit habe ich gerade mal das Bett geschafft.“  Ein künftiger Hoteldirektor, der weiß, wie man Betten macht: keine schlechten Voraussetzungen.

In die Selbstständigkeit

Julia Heilig hat einen anderen Weg gewählt: Sie wurde 2010 Staatsmeisterin im Service, trat 2011 bei den WorldSkills und 2012 bei den Euro
Skills an. Wurde Sechste beziehungsweise Fünfte und holte Silber mit dem Team Küche. Danach ging sie ein halbes Jahr in die Schweiz, danach ins neu eröffnete Hotel Palais Hansen Kempinski in Wien. Dort arbeitete sie in der Bar Henri Lou, danach wurde sie von ihrem ehemaligen Lehrbetrieb, dem Vienna Marriott, gefragt, ob sie nicht deren Bar leiten wolle. Das tat sie zwei Jahre. Der Job taugte ihr, es lief sogar „besser als erwartet“. „Doch ich wollte meine eigene Chefin sein.“ So entstand die Idee mit einer zwei Meter breiten mobilen Bar, mit der sie auf Events auftaucht: Mix-Bar, the liquid kitchen by Julia. Sie bietet Cocktail-Kurse an und baut für Lebensmittelunternehmen deren Produkte in neue Cocktailrezepturen ein. Es läuft gut, sie hat ihren Schritt in die Selbstständigkeit nicht bereut.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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