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Der Wirt ist Kaiser bei den Tagestouristen

18.04.2018

Erstmals wurde das Reiseverhalten von Tagestouristen detailliert untersucht. Die Ergebnisse von Niederösterreich sind nun publik. Die Gastronomie profitiert am meisten. Rückschlüsse auf andere Regionen sind möglich.

Erstmals liegen detaillierte Ergebnisse über den Tagestourismus in NÖ vor.

Was bringen eigentlich Tagesausflügler der Tourismusbranche? Gute Frage, die bislang nur unzureichend evaluiert wurde.  Nun gibt eine umfassende Kundenbefragung aus Niederösterreich Aufschluss. Grundlage waren Interviews mit Gästen aus den wichtigsten Zielmärkten Wien, Niederösterreich und Oberösterreich. Und das Ergebnis ist durchaus beeindruckend: Rund 60 Prozent der Wertschöpfung im niederösterreichischen Tourismus bringen die Tagesausflüge, das sind 1,4 Milliarden Euro. 

Weiter heißt das, dass fast 40 Millionen Tagesausflüge in Niederösterreich getätigt werden. Der Sommer liegt hier tendenziell vor dem Winter, in der Sommersaison 2017 fanden rund 16 Millionen Ausflüge nach oder in Niederösterreich statt. Denn, was man jetzt auch weiß: Die Niederösterreicher bevorzugen beim Ausflugmachen ihr eigenes Bundesland: 57 Prozent des Ausflugsbudgets der Niederösterreicher wenden sie zuhause auf. Was heißt das für die Vermarktung?

Effekte der NÖ-Card

Die von der Niederösterreich Werbung breit vermarktete NÖ-Card zeigt offensichtlich positive Effekte. Mit der Karte werden Eintritte zu unterschiedlichen Touristen-Attraktionen angeboten. Der Studienautor Klaus Grabler vom Marktforschungsinstitut ­Manova: „Die NÖ-Card sorgt dafür, dass mehr Ausflüge nach Niederösterreich gehen, weil die Leute natürlich auf die Kosten schauen“ und fügt entscheidend hinzu, dass NÖ-Card-Besitzer aber keineswegs als „Sparefroh“ gesehen werden können. „Die Ausgaben liegen etwa im Durchschnitt aller Tagestouristen.“ 

Insgesamt gibt jeder Gast im Durchschnitt 35,6 Euro aus. Zudem kann Christoph Madl, der Geschäftsführer der Niederösterreich Werbung, aus den erhobenen Daten schließen, dass rund 20.000 zusätzliche Nächtigungen aus dem Tagestourismus kommen. Wenn es länger wird oder wenn man doch das zweite Glas Wein bestellt, entschließen sich eben viele, dann doch über Nacht zu bleiben. 

Wirte sind „Ausflugs-Kaiser“

Hauptprofiteure der Tagesausflüge sind ganz klar die Gastronomiebetriebe. „Die Wirte sind die Ausflugstourismus-Kaiser“, sagt die Tourismuslandesrätin Petra Bohuslav. Von den 35,6 Euro Gesamtausgaben pro Tag landen letztlich zwölf Euro in den Gaststätten. Das sind übers Jahr gerechnet 12,4 Millionen Umsatz. Für Gastronomen sind die Tagestouristen somit eine sehr bedeutende Zielgruppe, über die man bislang allzu wenig wusste. Nur wenn sie im Reisebus kommen, geben sie sich zu erkennen. In der Befragung fand man nun heraus, dass Leute, die oft Tagestouren unternehmen, im Schnitt auch auf ein höheres Einkommen zugreifen können, wie Studienautor Klaus Grabler im Gespräch mit der ÖGZ erklärt. 

Doch was sind eigentlich die Motive für Tagestouristen? Hauptgrund sind Familienbesuche mit 31 Prozent. Hier profitiert laut Studie die Gastronomie am stärksten. Klar, mit den Verwandten geht man eben gerne essen. Daneben zählen vor allem Sport, Natur und Kultur zu den Hauptgründen für einen Ausflug nach Niederösterreich (siehe Grafik). 

Tourismuschef Madl: „Auf Sport, Natur und Kultur liegt natürlich auch der Schwerpunkt der Vermarktung.“ Es gehe darum, die Angebote von beispielsweise Kultur und Kulinarik zu kombinieren. Das scheint wichtig, weil die Studie zeigt: Gutes Essen ist fast immer ein entscheidender Faktor für Ausflügler. 

Die Top-Destination bei den Tagesausflüglern ist die Region Wienerwald mit 9,3 Millionen Besuchen gefolgt vom Donauraum (siehe Grafik). 

Oberösterreich folgt

Die Ergebnisse der Studie zum Tagesausflugstourismus bringen erstmals Licht in das sonst wenig betrachtete Thema, dass dennoch in einigen Regionen zum größten Teil der touristischen Wertschöpfung beiträgt. Gespannt darf man nach Oberösterreich blicken, wo Studienautor Grabler mit dem gleichen Forschungsdesign das Ausflugsverhalten der dortigen Ausflugstouristen erhob. Die detaillierten Ergebnisse werden von Oberösterreich Tourismus erst im Juni präsentiert. 

Die ÖGZ erfuhr bislang, dass die durchschnittlichen Tagesausgaben dort mit 41,5 Euro doch deutlich über dem ­Niveau in Niederösterreich liegen, die Gesamtwertschöpfung aus Tagestouristen aber mit rund einer Milliarde Euro hinter NÖ liegt. 

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