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Des Ministers Motto: Stärken stärken

04.11.2010

„Lebensminister“ Nikolaus Berlakovich zieht im Vorfeld der ÖGZ-Gala im Interview Bilanz über die Genuss Region Österreich und erzählt, wie es mit dem Projekt weitergeht.

„Besonders wichtig ist mir eine funktionierende Zusammenarbeit mit Landwirtschaft, Gastronomie, Gewerbe, Tourismus und Handel“, sagt Minister Niki Berlakovich über Perspektiven zur Genuss Region Österreich

ÖGZ: Herr Minister Berlakovich, bei der Generalversammlung im Frühjahr war die Evaluierung der Genuss Regionen ein entscheidender Programmpunkt. Als zentrales Kriterium wurde Qualität deklariert. Vor diesem Hintergrund sei u. a. auch eine Reduzierung der Anzahl der Genuss Regionen möglich. Wie weit ist diese Evaluierung voran gekommen?
Niki Berlakovich:
Im Sinne eines optimalen Qualitätsmanagements befinden wir uns natürlich laufend im Prozess der Evaluierung. Wir beobachten vor allem, wie sich die Genuss Regionen entwickelt haben und wo noch Potenzial ist. Besonders wichtig ist mir eine funktionierende Zusammenarbeit mit Landwirtschaft, Gastronomie, Gewerbe, Tourismus und Handel. Deshalb werden diese Kooperationen auf mögliche neue Perspektiven hin untersucht.

ÖGZ: Gab es Konsequenzen?
Berlakovich:
Es geht darum, ständig zu lernen und Dinge zu optimieren. Mein Ziel ist es, in der jetzigen Phase die bestehenden Genuss Regionen zu festigen. Die 113 Regionen bieten Produkte, die unsere kulinarische Landschaft in all ihrer Vielfalt aus frischen, regionalen und saisonalen Lebensmitteln in höchster Qualität widerspiegelt. Diese breite Produktpalette ist nicht nur ein Vorteil für die Bäuerinnen und Bauern und die Regionen. Dadurch entsteht letztlich ja auch für die Konsumentinnen und Konsumenten ein vielfältiges, umfangreiches Angebot an gesunden, qualitativ hochwertigen Lebensmitteln.

ÖGZ: Welche Stärken schreiben Sie den Genussregionen zu?
Berlakovich:
Die Herkunft von Lebensmitteln ist neben Qualität, Frische und dem Gesundheitsaspekt für die Konsumentinnen und Konsumenten besonders wichtig.
Aus der jüngsten Lebensmittelstudie wissen wir, dass sie auf regionale Kennzeichnung Wert legen und dass „Regionalität“ immer wichtiger wird. Die Menschen wollen authentische Produkte und fordern verständlicherweise Information über deren Herkunft und Verarbeitung. Daher kommen wir diesem Wunsch und diesem Auftrag nach.

ÖGZ: Welche Schwächen sind zu beseitigen?
Berlakovich:
Mein Motto ist „Stärken stärken“. Es ist uns mit der Initiative GENUSS REGION ÖSTERREICH gelungen, regionale Spezialitäten wieder stärker ins Bewusstsein der Konsumenten zu rücken und die Wertschöpfung in den Regionen zu steigern. Wir können den Tisch der Österreicherinnen und Österreicher mit gesunden, sicheren Lebensmitteln decken, was in heutigen Zeiten ja nicht überall selbstverständlich ist. Außerdem tragen wir damit zum Erhalt von bäuerlichen Betrieben ebenso bei wie zum Erhalt unserer Kulturlandschaft. Mit diesen Erfolgen vor Augen ist es ein absolutes Muss, diese Strategie auch künftig mit voller Kraft fortzuführen.

ÖGZ: Die Genuss Region Österreich ist ein EU-gefördertes Projekt. Wie geht es nach dem Auslaufen des aktuellen Förderzeitraums weiter?
Berlakovich:
Die Marke GENUSS REGION ÖSTERREICH hat mittlerweile einen Bekanntheitsgrad von 40 Prozent, hat also in kurzer Zeit eine Spitzenposition eingenommen. Derzeit stehen wir mitten in den Verhandlungen zum nächsten Finanzrahmen der EU von 2014 bis 2020, dabei geht es um sehr viel Geld. Auch wenn insgesamt Kürzungen im Raum stehen, werden wir erfolgreiche Projekte weiterführen und gegebenenfalls auch mit angepassten Budgets unsere Ziele erreichen.

ÖGZ: Haben die vorgesehenen Budgetsparmaßnahmen Auswirkungen auf die Genuss Regionen?
Berlakovich:
Über die GRM investiert das Lebensministerium für die Genuss Regionen zur Bearbeitung der definierten Aktionsfelder etwa 3,2 Mio Euro (2010), das sind rd. 28.300,– Euro pro Genuss Region. Kürzungen nach dem Gießkannenprinzip schaffen jedoch für den österreichischen Agrarsektor sicher keine neuen Perspektiven. Da es bei der GENUSS REGION um die wichtigen Lebensgrundlagen Boden, Luft, Wasser und Nahrungsmittel geht, bin ich sicher, dass es alle unsere Anstrengungen – auch finanzieller Art – lohnt, wenn wir diese Initiative weiterführen.

ÖGZ: Im Herbst 2010 wird zum dritten Mal der Genuss Wirt des Jahres gekürt. Welche Rolle spielen die Wirte heute im Konzept der Genuss Region Österreich?
Berlakovich:
Die Gastronomie ist einer der stärksten Partner der GENUSS REGION ÖSTERREICH. Die Konsumentinnen und Konsumenten wollen, auch wenn sie auswärts essen, nicht auf regionale und qualitativ hochwertige Lebensmittel verzichten. Mittlerweile gibt es über 1.200 Genuss Wirte die dem Trend zu mehr Regionalität folgen, somit einen wesentlichen Beitrag für attraktive und zukunftsorientierte Regionen leisten und das ganze Jahr Produkte aus der GENUSS REGION ÖSTERREICH auf der Speisekarte haben. Seit rund zwei Jahren gibt es passend zu den Jahreszeiten auch die GenussWochen, wo die Genuss Wirte ihre Gäste mit speziellen saisonalen Genüssen verwöhnen.

ÖGZ: Vor einem Jahr haben Sie die Beseitigung von Doppelgleisigkeiten zwischen GenussRegionen Marketing und AMA, insbesondere beim Agieren rund um die Gastronomie, in Aussicht gestellt.
Berlakovich:
Die Genuss Wirte und die AMA-Gastrozertifizierung sind zwei Gastronomiesysteme, die sich ergänzen. Die GRM hat mit ihrem Gastrosystem einen fulminanten Start hingelegt und arbeitet bereits mit über 1.200 Wirten in ganz Österreich zusammen. Daher sollten die AMA Marketing und die GRM in diesem Bereich in Zukunft auch enger zusammenarbeiten.

ÖGZ: Welche Überlegungen gibt es von Ihrer Seite für eine übergreifende verstärkte Zusammenarbeit mit Österreichs Gastronomieverbänden?
Berlakovich:
Ein solcher Schulterschluss wird gerade angestrebt. Gemeinsame Aktivitäten sollen über die geplante „Arbeitsgemeinschaft Regionale Qualität in der Gastronomie“ erfolgen.

Dabei handelt es sich um den geplanten Zusammenschluss von GenussRegionen Marketing, BÖG, der Kulinarischen Initiative Österreich (KIÖ), WKO und der Agrarmarkt Austria mit dem Zweck, alle Gastronomiepartner unter ein Dach zu bringen, die Gastronomie in derselben Angelegenheit nur einmal zu kontaktieren und die Branchenanliegen in gemeinsamen Förderungsanträgen zu bündeln. (Anmerkung d. Red.)

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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