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Die 45-Jährigen kommen

14.06.2006

Bis 2016 stellt Europas Tourismus 23,8 Mio. Jobs und 12% des europäischen BIP. Spätestens ab 2010 wird das Gros der europäischen Urlauber über 45 Jahre alt sein.

Der Tourismus bleibt der Hoffnungsträger für globales Wachstum: Geschätzte 850 Millionen Menschen werden heuer weltweit auf Auslandsreisen sein. Davon wird alleine für Europa mit bis zu 845 Millionen Ankünften gerechnet. Das Ausgabenvolumen für Geschäfts- und Businessreisen wird sich in diesem Jahr auf bis zu 907 Mrd. Euro belaufen. „Ein Grund optimistisch in die Zukunft zu blicken“, so TUI-Geschäftsführer Frenzel. „Trotz Terror und Krisen hält das Wachstum im touristischen Geschäft unvermindert an“, erklärte der TUI-Chef bei einer Veranstaltung über den Tourismus als Wachstumsindustrie. Das globale Wachstum betrage rund 4 Prozent pro Jahr. Zwar habe der 11. September 2001 den Reisemarkt geprägt und die Tourismusindustrie gezwungen, finanziell und strategisch neu zu kalkulieren. Aber globale Ereignisse wie Kriege, SARS oder Tsunami würden mittlerweile als allgemeines Lebensrisiko begriffen. Mobilität sei nämlich ein unabdingbarer Bestandteil von Freiheit und Demokratie.
Bei Urlaubsreisen wird am wenigsten gespart
Die künftige demographische Entwicklung werde jedoch die Kundenstruktur nachhaltiger verändern, so Frenzel. Die Weichen müssen jetzt gestellt werden, um eine der größten Herausforderungen für die Zukunft nicht zu verschlafen. Schließlich werde spätestens ab 2010 das Gros der europäischen Urlauber über 45 Jahre alt sein.
Keine Seniorenreisen
Die Qualitätskriterien und Hotelstandards der 50plus Hotels Österreich, gemeinsam mit ihren Partnerbetrieben in Südtirol und Deutschland, wurden beispielsweise durch laufende Schulungen, durch neue Sport-, Freizeit- und Wellnessangebote sowie Highlights aus Küche und Keller bereichert. Hermann Paschinger von 50plus Hotels: „Das ‚plus‘ steht nicht für 50 und älter, sondern für Qualität und Service. Hierbei ist besonders zu berücksichtigen, dass sich der Lebensstil in den letzten beiden Jahrzehnten dynamisch entwickelt hat.“
Abschied vom Jugendkult
Der Urlaub wird in Zukunft als Gesamterlebnis gesehen werden, und daher, so Mag. Peter Zellmann vom Institut für Freizeit- und Tourismusforschung, bedarf es der Bedürfniserfassung und nicht mehr der Marktforschung. „Das Denken in Zielgruppen ist vorbei, wir müssen unsere Gäste in Erlebnisgruppen einteilen, denn der Gast, egal welchen Alters, möchte eine Vielfalt an Angeboten vor Ort. Der Urlauber möchte heute golfen, morgen wandern und übermorgen faulenzen. Dienstleister und speziell die Tourismusanbieter werden sich demnächst nicht nur vom Jugendkult in der Werbung verabschieden müssen. Sie werden auch zu berücksichtigen haben, dass es die älteren Menschen sein werden, die darüber bestimmen, was als Qualität zu gelten hat, und die jüngeren Urlauber werden sich deren Qualitätsempfinden zunehmend anschließen“, ist Zellmann überzeugt.
Jobmotor Tourismus
Von der Tourismusindustrie als Jobmotor würde nicht nur der europäische Raum profitieren, sondern auch die angrenzenden Mittelmeerstaaten wie Tunesien oder Ägypten. Im Jahr 2006 arbeitet bereits jeder 8. in der Reiseindustrie- bzw. in den Zubringer-Branchen. In zehn Jahren rechnet man mit 23,8 Millionen Beschäftigten in Europa. Für die Mittelmeer-Anrainerstaaten sei die Rechnung aufzumachen, dass eine Million zusätzlicher Gäste 200.000 Jobs nach sich ziehe.
Das private und öffentliche Investitionsvolumen in der Reise­industrie liege derzeit bei 194 Mrd. Euro, Tendenz steigend. Auch der Anteil der Touristik-Industrie am europäischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) liege Schätzungen zufolge 2006 bei 10,9 Prozent und soll sich bis 2016 auf 12 Prozent erhöhen.
Dachmarke Europa
WKÖ-Präsident Christoph Leitl forderte die Europäische Kommission dazu auf, gemeinsam mit den nationalen Tourismus-Organisationen eine „Dachmarke Europa“ zu entwickeln. Europa könne so europäische Dienstleistungen in alle Welt exportieren und einen höheren Anteil an der globalen Entwicklung erreichen. „Mehr als zehn Prozent der Wirtschaftsleistung und der Arbeitsplätze in Europa werden vom Tourismus geschaffen“, so Leitl über die Bedeutung des Sektors. Eine „Dachmarke Europa“ würde dem Tourismus neue Impulse geben.

Tourismus der Zukunft
Geschätzte 850 Millionen Menschen werden heuer weltweit auf Auslandsreisen sein. Davon wird alleine für Europa mit bis zu 845 Millionen Ankünften gerechnet.
Das globale Wachstum beträgt rund 4 Prozent pro Jahr.
Mobilität ist ein unabdingbarer Bestandteil von Freiheit und Demokratie.
Spätestens ab 2010 wird das Gros der europäischen Urlauber über 45 Jahre alt sein. Sie werden darüber bestimmen, was als Qualität zu gelten hat, und die jüngeren Urlauber werden sich deren Qualitätsempfinden zunehmend anschließen.
Im Jahr 2006 arbeitet bereits jeder 8. in der Reiseindustrie- bzw. in den Zubringer-Branchen. In zehn Jahren rechnet man mit 23,8 Millionen Beschäftigten in Europa. Der Anteil der Touristik-Industrie am europäischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) liege Schätzungen zufolge 2006 bei 10,9 Prozent und soll sich bis 2016 auf 12 Prozent erhöhen.
WKÖ-Präsident Christoph Leitl fordert die Europäische Kommission dazu auf, eine „Dachmarke Europa“ zu entwickeln, mit der Europa dann in aller Welt werben kann.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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