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Die andere Bilanz

13.01.2011

ÖHT bietet der Hotellerie im Rahmen der TOP-Tourismus-Aktion einen Zinssatz von 0,5 Prozent. Die Unternehmen der Tourismus- und Freizeitbranche haben sich als sehr krisenresistent erwiesen, wie die Maßzahlen der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank GmbH. zeigen.

Dr. Franz Hartl (l.) und Mag. Wolfgang Kleemann unterzeichneten die Aufstockung der Refinanzierung um 110 Millionen Euro durch die EIB

Die Auslastung der Betriebe ist trotz der Wirtschaftskrise mit 180 Vollbelegstagen gleich geblieben, doch der durchschnittlich erzielte Nächtigungserlös (inklusive Steuern und Abgaben) ist von 59 Euro auf 62 Euro leicht gestiegen. Der Cashflow vor Zinsen pro verfügbarem Gästezimmer stieg in der Vier- und Fünf-Sterne-Hotellerie von 7.400 Euro im Jahr 2008 auf 7.797 Euro im Jahr 2009. „Betrachtet man die wirtschaftliche Entwicklung der Hotellerie seit Beginn dieses Jahrzehnts, so ist kurz zusammengefasst festzustellen: Die Unternehmen sind größer geworden, durchwegs besser ausgelastet und erzielen im Durchschnitt einen Umsatz, der – auch preisbereinigt – deutlich über der Inflationsrate liegt“, meint der Geschäftsführer der ÖHT Dr. Franz Hartl. Während allerdings Umsatz und Fremdkapital mit dem Tempo Schritt halten konnten, blieben die Erträge zurück.

Der Grund dafür liegt in enormen Steigerungen von einzelnen Aufwands­positionen, die deutlich überdurchschnittlich gestiegen sind und nicht in vollem Umfang in den Preisen weitergegeben werden konnten. „Die Betriebe haben nicht nur ein Prozent, sondern 4,5 Prozent des Umsatzes in die Werbeschlacht der elektronischen Medien geworfen. Weiters wurden Personal und Energie teurer. Ein Ansteigen der Finanzierungskosten wird in Zukunft unvermeidlich sein“, weiß Hartl und ergänzt: „Statt der Kreditvergabegebühr wird die Stabilitätsabgabe eingeführt, die sowohl direkt von der Bilanzsumme als auch von der Tätigkeit in bestimmten Geschäftsfeldern entrichtet werden muss.“ Die stark fremdkapitallastige Tourismuswirtschaft benötigt Finanzmittel mit langen Laufzeiten, und diese werden zusätzlich mit mittlerweile üblichen Liquiditätsaufschlägen belastet. Die strengen Vorschriften des Basel-II-Abkommens bringen für die Finanzierung in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft keine neuen Schrecken, die über Basel II hinausgehen. Basel III wird gegenüber Basel II aber die Kreditkosten neuerlich erhöhen.

Dennoch blickt die ÖHT zuversichtlich in das Tourismusjahr 2011, da die bestehenden guten Kontakte zwischen dem BM für Wirtschaft Dr. Reinhold Mitterlehner und der ÖHT zur Europäischen Investitionsbank (EIB) zu einer neuerlichen Aufstockung der Refinanzierung durch die EIB um weitere 110 Millionen Euro auf nunmehr 250 Millionen Euro geführt haben. Diese Mittel werden im Rahmen der TOP-Tourismus-Aktion mit Zinsenzuschüssen aus dem Budget gestützt; und so kann die ÖHT – abhängig von Ratingeinstufungen und Sicherheiten – äußerst günstige Kredite mit einem Zinssatz von etwa 0,5 Prozent jährlich anbieten.

Erneuerungsinvestitionen
Dank guter Ertragslage und niedriger Zinsen hat die Tourismusbranche eine rege Investitionstätigkeit entfaltet, um auf dem hochkompetitiven internationalen Tourismusmarkt konkurrenzfähig zu bleiben. So wird allein das in der Hotellerie getätigte Investitionsvolumen auch im Jahr 2010 auf rund drei Milliarden Euro geschätzt. „Die Hotellerie hat gelernt, effizient zu investieren und von reinen Schönheitsinvestitionen, wie vergoldeten Armaturen, Abstand zu nehmen. Es werden nun vermehrt Betriebsgrößen optimiert. Hotels mit 80 Zimmern stocken um zehn auf, benötigen dafür kein zusätzliches Personal – und die Mehreinnahmen werden im Cashflow direkt wirksam. Deutlich rückläufig sind die Investitionen in Wellnesseinrichtungen, die in den vergangenen Jahren realisiert wurden. Weiters investiert wird in die Qualitätsverbesserung: Der verkürzte Produktlebenszyklus touristischer Produkte zwingt die Branche öfter zu Erneuerungsinvestitionen und fordert Innovationen“, weiß ÖHT-GF Mag. Wolfgang Kleemann.

Im Vergleich zu anderen Branchen und zur Gesamtwirtschaft zeigt sich, dass der Tourismus 2010 wesentlich stärker investiert hat. „Möglich war dies durch den Einsatz von zinsgünstigem Fremdkapital, das in großem Maße über die ÖHT zur Verfügung gestellt wurde. Durch ERP-Kredite, Haftungen oder TOP-Tourismus-Förderungen, unterstützt durch die ÖHT, konnten Bauvorhaben in Höhe von 830 Millionen Euro realisiert werden“, so Kleemann.

Text: Irene Stelzmüller

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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