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Die Aufholjagd beginnt

24.04.2014

Nach einem guten Start bremste das frühlingshafte Wetter den Wintertourismus ein. Im Sommer hat Tirol aber noch Luft noch oben.

Mit der Bikeschaukel Tirol, Bergwandern & Kulinarik und Klettern für Familien setzt Tirol drei wesentliche Sommer-Schwerpunkte. v.l n.r. Josef Margreiter, LH Günther Platter und Harald Ultsch

Text: Barbara Egger

"Den späten Ostertermin möchte ich nicht strapazieren“, kommentierte Tirols Landeshauptmann Günther Platter das etwas ernüchternde Ergebnis der führenden Winterdestination Österreichs. „Aber die frühlingshaften Temperaturen waren schon ausschlaggebend und machten den Münchner Biergarten erstrebenswerter als Skifahren in den Bergen“, fand Platter schließlich doch einen Schuldigen. Doch Tirols oberster Tourismusreferent wollte letztlich auch nichts beschönigen: „An die vorigen Rekordwinter können wir nicht anschließen. Die jetzige Bilanz lässt sich nicht schönreden.“
Tatsächlich verbuchte Tirol in der bisherigen Wintersaison von November 2013 bis März 2014 (Ostern 2014 nicht mit eingerechnet) 23,2 Mio. Nächtigungen und 4,8 Mio. Ankünfte. „Direkte Vergleiche zur Rekordsaison vom Vorjahr mit dem Ostertermin im März bringen naturgemäß deutliche Einbußen“, erläuterte Josef Margreiter. In Zahlen ausgedrückt handelt es sich um ein Minus bei den Nächtigungen von 5,9% und bei den Ankünften von  4,3 %. Der Chef der Tirol Werbung bemühte dazu ältere Statistiken und relativierte das rückläufige Ergebnis folgendermaßen: „Bei Vergleichen mit Saisonen mit Osterterminen im April liegen wir mit der aktuellen Winterstatistik auf Platz zwei bei den Nächtigungen und bei den Ankünften an erster Stelle“, so Margreiter. „Wir sind Innovations- und Qualitätsführer im Winter, daher lasse ich mir das Wintergeschäft nicht schlechtreden. Wir sind im November und Dezember gut gestartet. Der zweiwärmste Winter aller Zeiten geht auch an ein Wintersportland wie Tirol nicht spurlos vorüber.“

Alles roger, also? Nicht ganz. Ohne Beschneiung sähe das diesjährige Winterergebnis noch viel schlechter aus. „Die Beschneiung hat die Bilanz gerettet“, betonte Landeshauptmann Platter und relativierte dann aber ebenfalls: „Der Winter wurde aufgrund der Rahmenbedingungen gut gemeistert.“ Und überhaupt solle man lieber die Nächtigungszahlen im Dorf lassen und von der Wertschöpfung sprechen. „Die ist viel wichtiger“, so Platter. In Zahlen beträgt diese laut Margreiter bei einem Winterumsatz von vier Mrd. Euro runde 50 %, also zwei Mrd. Euro. Schön und gut. Doch werde zumindest ein Teil der Wertschöpfung von den zunehmenden Kosten aufgefressen bei derzeit stagnierenden Umsätzen, kritisierte Harald Ultsch. Tirols Spartenobmann rechnete vor: „Österreich hat bei den Arbeitskosten enorme Belastungen bei den Lohnnebenkosten und bei der kalten Progression. Auf den Tiroler Tourismus heruntergerechnet sind das 55 Mio. Euro. Das entspricht dem Budget der Österreich Werbung“, so der Spartenobmann. „Es braucht eine Trendwende“, forderte Ultsch.

Erhalte ein Mitarbeiter eine Lohnerhöhung von 100 Euro brutto bezahle der Arbeitgeber 130 Euro, der Mitarbeiter bekommt 50 Euro. Alle diese Dinge würden darin münden, dass die Branche sehr vorsichtig geworden sei bei den Investitionen. „Investiert wird bei den gewerblichen Ferienwohnungen“, so Ultsch. Der Grund: Diese verzeichnen die meisten Zuwächse. Eine Entwicklung, die die Sparte als (noch) nicht besorgniserregend kommentieren will. Zudem ortet eine Umfrage unter den Tiroler Beherbergungsbetrieben allerortens Zufriedenheit: Ein Viertel der Befragten ist mit der vergangenen Wintersaison sehr, weitere 60 % zufrieden. Ebenfalls 60 % sind mit der Buchungslage für die kommende Sommersaison zufrieden. Hinsichtlich der Umsatzerwartung für die kommende Sommersaison geht die Hälfte der Befragten davon aus, das Vorjahresergebnis halten zu können und ebenso wollen die Hälfte der Betriebe wieder gleich viel investieren wie im Vorjahr.

Für den Sommer heißt daher die Devise seitens des Landes und der Tirol Werbung: Volle Kraft voraus. „Wir werden eine Aufholjagd starten, so dass wir doch noch zu einem guten Gesamtergebnis kommen“, so LH Günther Platter. Untermauern wolle man dies mit drei gesetzten Sommer-Schwerpunkten. Und zwar mit der Bikeschaukel Tirol (Tirol auf 660 km mit dem Rad und mit Hilfe von Seilbahnen durchqueren), mit Klettern für Familien und der Tiroler Genusszone (Bergwandern in Verbindung mit Kulinarik). Damit sollen wenigstens die Sommerergebnisse 2013 erreicht und im günstigen Falle leicht gesteigert werden. Wenn es da nicht mögliche Störfaktoren gäbe. Margreiter nannte die Fußball-WM, den Ferienkorridor in Deutschland (hat heuer deutlich weniger Ferientage) und die Schweiz, die mit einer millionenschweren Kampagne auffahre, um für Urlaub im eigenen Land zu werben. Da heißt es dagegenhalten und selbst im eigenen Land zu urlauben.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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