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Die beschworene Krise

16.06.2016

1960 bis 1969: Kredite, Personalmangel und Steuern. Apropos Steuern: In Wien sterben Konzertcafés und -restaurants, auch weil die Belastungen nicht mehr zu stemmen sind.

1960

Jänner, zu wenige Vergnügungsbetriebe in Wien: Der Leiter der Österreichischen Fremdenverkehrswerbung referiert in einer Rede zum 60-jährigen Bestehens des Konzertlokalbesitzerverbandes (KLBV): „Bemängelt werden in diesem Zusammenhang von den ausländischen Besuchern das Fehlen von Lokalen, die die Wiener Operettenmusik und das Wiener Lied pflegen. Vermisst werden ferner die früher in Wien sehr häufigen kleinen Wiener Weinstuben mit intimer Musik und beschränkter Tanzfläche, und vermisst werden von vielen jüngeren ausländischen Besuchern Tanzmöglichkeiten in Wien, wobei der Umstand, dass im Sommer nur ein einziges Tanzlokal, nämlich der Volksgarten, diesem Wunsch nachkommt, Erstaunen hervorgerufen hat. Ähnliches gilt für den Winter.“

November 1960 Wiedereinführung der Schaumweinsteuer? „Wir können also zusammenfassend dazu feststellen, dass die Wiedereinführung der Schaumweinsteuer nicht nur, was die Höhe ihres Aufkommens, sondern auch, was den Sektkonsum selbst betrifft, sehr problematisch ist und sich leicht ins Gegenteil verkehren kann. Der Konsument besitzt genügend Möglichkeiten, um auf andere Getränke auszuweichen.“ (Anmerkung: Hätten wir diesen Text schon früher gefunden, hätten wir ihn 1:1 bei der Wiedereinführung der Sektsteuer 2014 übernehmen können …)

1961

Große Diskussion anlässlich Einführung der 0,8 Promille-Grenze: Leitartikel: „Kommt es zur Prohibition in Österreich?“, „So viel trinkt der Österreicher nicht!“ Alkoholkonsum ist Hauptthema in Tageszeitungen. Alkoholtest noch nicht anwendbar. In Weinländern wird mehr getrunken. „Österreicher schon bei 0,8 Promille betrunken?“ In Westdeutschland 1,5, in der Schweiz 1,2 Promille. „Promille-Grenze hat Auswirkungen auf den Fremdenverkehr!“

Juni 1961 Abdruck des Briefes eines Hoteliers an die Kammer über die „Folgen der gewerkschaftlichen Arbeitsmarktpolitik“: Er muss bis auf Weiteres wegen Personalmangels seine Gaststätte schließen: „Der Arbeitskräftemangel ist so katastrophal und entmutigend, daß man als Unternehmer jede Lust verliert.“

1963

März,  (Zu viel) Schnee schadet dem Fremdenverkehr. Ganz Europa von Schneedecke überzogen – wozu verreisen? Kälte, Grippewelle …

1965

April,  Wien: Gibt es noch eine Stadt der Musik? – Wegen steuerlicher Maßnahmen sterben Konzertcafés und -restaurants aus.

1967

Sommer, „Schwerste Bedenken gegen Mehrwertsteuer. Gefährdet die Konkurrenzfähigkeit des österreichischen Fremdenverkehrs.“ Diese Diskussion dauert schon mehrere Jahre. „Die Gäste fallen nicht mehr vom Himmel. Die internationale Konkurrenz wird immer stärker.“ Komfort heißt die Parole. Ständige Investitionen erforderlich.

1968

Frühjahr, Aufruf zur Großkundgebung gegen Gastgewerbesteuer und Alkoholsteuer.

September 1968 „Frankreichkrise“ (Studentendemos im Mai) hat negative Auswirkungen auf Fremdenverkehr: 80 % weniger Touristen in Frankreich, Restaurants in Paris leer.

Herbst 1968 ÖGZ veröffentlicht ein „Manifest über die mehr als ernste Lage im österreichischen Fremdenverkehr“. Darin steht: „Österreichs Wohlstand verdankt sein Wachstum nachweislich vor allem den Leistungen der österreichischen Fremdenverkehrswirtschaft.“

Oktober 1968 Wirtschaftskammerpräsident Sallinger schreibt in ÖGZ: „40-Stunden-Woche gefährdet Fremdenverkehr.“  

1969

November,  Droht Österreich und vor allem Wien eine US-Hotelbauwelle? Nach Tchibo nun auch Eduscho nach Österreich. Tchibo will Kaffeeausschank legalisieren.

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