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Auf dem Podium fanden Vorträge und Diskussionen statt – hier gerade zum Thema „Mitarbeiter der Zukunft“.

Die Branche muss sich an die Jungen anpassen

20.05.2014

Ein Hauptthema am 58. Kongress der BÖG war die Ausbildung von Lehrlingen im Tourismus. Da liege leider vieles im Argen
 

Text: Gerhard Reiter

Die Gastronomieberaterin Alexandra Truppe berichtete von zunehmenden Klagen der Betriebe, wonach immer mehr Lehrlinge nicht einmal mehr über die Grundkompetenzen Lesen und Schreiben verfügen würden. Sie forderte ein flexibleres Ausbildungssystem in der Gastronomie und schlug unter anderem die Begleitung von Lehrlingen durch einen externen Partner im ersten Lehrjahr vor.

Eva Bertsch – sie ist seit 25 Jahren als „Headhunterin" tätig und auf die Suche von Führungskräften in der Hotellerie spezialisiert – widersprach Truppes Einschätzung. Noch nie habe es so viele gut ausgebildete junge Leute gegeben wie heute. Aber: „Die Einstellung der jungen Menschen zum Beruf hat sich sehr stark geändert. Freizeit, Pflege des Freundeskreises und Familie sind ihnen heute enorm wichtig." Bertsch schlug eine um ein Jahr verkürzte Lehre für AHS-Absolventen vor. „Die jungen Menschen könnten sich dann bei Interesse nach einer Lehre zum Beispiel an einer einschlägigen Fachhochschule weiterqualifizieren", sagte Bertsch.

Vor Lehre Schnuppermonat
Helmut Hinterleitner, seit fast 20 Jahren Obmann des Fachverbandes Gastronomie in der Wirtschaftskammer und in dieser Funktion Vertreter von rund 60.000 Gastronomiebetrieben, verwies auf einen Modellversuch in Kärnten: „Seit kurzem bieten wir jungen Leuten dort die Möglichkeit einer einmonatigen Schulung vor Beginn der eigentlichen Lehre. So bekommen sie zum einen ein gewisses Grundwissen vermittelt und auch schon eine erste Einschätzung davon, was sie in der Lehre erwartet. Von den bisherigen Absolventen eines derartigen Schnuppermonats hat bisher noch kein Einziger die nachfolgende Lehre abgebrochen.

Lernen und Bildung wichtig
Georg Grawatsch – er hat eine Online-Recruiting-Jobplattform aufgebaut – betonte ebenfalls die geänderte Einstellung der Jungen zum Beruf: „Wir haben es heute mit einer ‚Generation Why‘ zu tun. Die jungen Leute hinterfragen die Rahmenbedingungen für den Job heute stärker, und da hat der Tourismus Aufholbedarf. So sind zum Beispiel die Jobbeschreibungen in der Branche oft relativ schlecht."

Anne Schüller, Bestsellerautorin und Businesscoach großer Unternehmen im gesamten deutschsprachigen Raum, forderte ebenfalls, die Rahmenbedingungen stärker auf Junge auszurichten: „Noch immer gehen viele Unternehmer mit der Einstellung heran: Man muss erst einmal den Willen der Jungen brechen, damit sie spuren lernen. Aber das ist Management von vorgestern. Vielmehr muss man jungen Leuten heute die Möglichkeit geben, auch in Häppchen zu lernen. Es geht darum, ihre Begeisterung und Motivation für den gewählten Beruf zu fördern. Einer der größten Fehler ist dabei auch der Umstand, dass Führungskräfte viel zu wenig loben", kritisierte Schüller.

Dem schloss sich auch der Leiter des Arbeitsmarktservice (AMS), Johannes Kopf, an: „Das Problem sind nicht die Jugendlichen, sondern das Problem ist die Gesellschaft. Natürlich kann ein bildungsfernes Elternhaus, in dem auch die Eltern maximal über einen Pflichtschulabschluss verfügen, einem jungen Menschen nicht die gleichen Chancen bieten. Das AMS versucht hier, schlechter gebildete Lehrlinge verstärkt in Lehrwerkstätten auszubilden. Immerhin die Hälfte von ihnen schafft dann nach einem Jahr den Einstieg in einem ‚normalen‘ Lehrbetrieb." Abschließend richtete der AMS-Chef einen warnenden Appell an die Politik: „Wir dürfen die Chancen unserer Kinder nicht durch noch mehr Versäumnisse in der Bildungspolitik vertun."

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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