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Die Causa Querfeld: voll auf die Fresse

04.06.2020

Der Wiener Großgastronom Berndt Querfeld hat ausgesprochen, was viele Kolleginnen und Kollegen denken: Es fließt kein Geld. Die Regierung lässt uns im Stich. Dafür musste er viel Kritik und Häme einstecken. Weil er gegen die Message Control verstoßen hat.

Da meckert der Richtige, dachten viele, als sie den Artikel im „Standard“ am Wochenende lasen. Ausgerechnet der Landtmann-Chef Berndt Querfeld, Erbe eines Wiener Kaffeehausimperiums, das er seit Jahren stramm auf touristischen Mainstream bürstet. Der Erste, der fürs Leitungswasser Geld verlangte. Der Letzte, der verstanden hat, worum es beim Third Wave Coffee geht. Der wohl immer noch glaubt, Flat White oder Cold Brew sei unwienerisches Teufelszeug.

Ausgerechnet der regt sich auf, dass er kein Geld vom Staat bekommt. Dass die Gäste ausbleiben. Also vor allem seine.

Wenn er weniger narzisstisch nur über sich selbst gejammert hätte, hätte man ihm auch lieber zugehört.

Querfeld hat recht

Denn er hat ja recht mit seiner Kritik! Dass die Regierung viel verspricht, was sie nicht hält. Dass das versprochene Geld nicht bei den Unternehmern ankommt. Nicht nur in der Gastronomie.  Und er ist sicher nicht der Einzige, dessen Lokale leer bleiben. Weil die Leute Angst haben. Weil ihnen das Geld fehlt. Dafür können die Gastronomen nichts.

Wehe, wer jetzt keinen Gastgarten hat. Wehe, wenn das Wetter so wechselhaft bleibt. Wehe, wenn man nicht die Kraft findet, sich jetzt neu zu erfinden.

Er hat das Richtige gesagt. Und einen wunden Punkt getroffen. Dafür bekommt er von unserer Regierung eines auf die Fresse. Von seinen eigenen Parteigenossen. Der ehemalige Obmann der Wiener Kaffeesieder, die viel für seine Kollegen getan hat.

Weil Querfeld eher ein Schwarzer als ein Türkiser ist. Weil er gegen die Message Control verstoßen hat. Weil Querfeld ein Querkopf ist. Deshalb steckt das Tourismusministerium an die Presse durch, was Querfeld angeblich an „Zuwendungen“ erhalten hat, um ihn als „Betrüger“ zu „entlarven“. Deshalb verbreitet der ÖVP-Abgeordnete Martin Engelberg auf Facebook Unterstellungen gegen Querfeld.

Jetzt springen ihm die Kolleginnen und Kollegen bei. Die auch entweder wenig oder gar nichts (außer Kurzarbeitszahlungen, die aber auch noch nicht immer angekommen sind) erhalten haben. Und die Berndt Querfeld für einen Vollprofi halten. Was er ist. Man muss ihn nicht mögen, man muss sein Gastrokonzept nicht schätzen. Aber man muss ihm beispringen, wenn er jetzt auf die Fresse kriegt. Von denen, denen er auf die Fresse gegeben hat. Zu recht. Endlich.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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