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Die Evolution des Arachon

04.08.2004

Das neue "Chateau Horitschon" hat regionale Wurzeln - und kennt dabei keine Grenzen.

Es ist jetzt auch schon wieder fast zehn Jahre her, dass sich die Protagonisten des erfolgreichsten heimischen Markenrotweins im Premiumsegment zum ersten Mal trafen. Wie das damals war, schildert Franz Xaver Pichler, Wachauer Urgestein, so: "Manfred Tement und ich kannten uns schon länger und waren in Bad Tatzmannsdorf bei einer Weinpräsentation. Beim Aufbau kam ein quirliger, betriebsamer, kompakter Mann auf mich zu und gab mir sozusagen Anweisungen. Wer will mir da etwas anschaffen, dachte ich mir und war erstaunt. Ich fragte Manfred, wer das ist, und er erzählte mir von Tibor Szemes, einem Weinhändler. Das auch noch, dachte ich, aber als wir uns am Abend näher kennen lernten, dachte ich mir, um mit einem Wort von Tibor zu sprechen: Der ist ja gar net so verkehrt. Also kurz gesagt, wir waren uns bald sympathisch, und am nächsten Tag bei einem Ausflug nach Lutzmannsburg kamen wir beim Anblick einiger großartiger Lagen, die zum Teil verwildert waren, so ins Sinnieren. Hier sollte man einen großen, österreichischen Rotwein machen, darüber waren wir uns einig, ebenso wie über die Tatsache, dass der Blaufränkisch das Rückgrat dieses Weins bilden sollte. Wir kamen aber bald darauf, dass das in dieser Gegend einen enormen, vielleicht zu großen Aufwand bedeuten würde. Also kamen wir bald auf Horitschon, wo wir in Kellermeister Josef Pusch einen kongenialen Partner fanden, der unsere Ideen auch umsetzen kann. Ich persönlich trinke ja lieber Rotwein, den vertrage ich besser. Am Anfang unserer Zusammenarbeit war es schwer, die Mitglieder der "Vereinten Winzer" von unseren Qualitätsmaßnahmen zu überzeugen. Aber was 1996 noch für völlig verrückt gehalten wurde, ist heute ganz normal. Das Projekt Arachon hat im ganzen Weinbauort Horitschon zu einem neuen Qualitätsdenken beigetragen".

Eichen und Säulen

Manfred Tement, der auf dem Grat seiner "Haus- und Hof-Riede" Zieregg bereits Erfahrungen mit einer Weinkellerei auf der Höhe der Zeit sammeln konnte, beschreibt seinen Zugang und seine Eindrücke: "Ich habe schon 1985 einen Rotwein nach internationalem Stil herstellen wollen. Das war ein Cabernet mit 11,5 %, den ich im kleinen Fass, damals noch aus steirischer Eiche, ausgebaut habe, ohne Malolaktik. Sehr haltbar, aber kein wirkliches Trinkvergnügen. Inzwischen habe ich auch in der Steiermark bewiesen, dass ich nicht nur großartige Weißweine erzeugen kann. 1996 machte unser Projekt Arachon wohl vor allem deshalb auch so viel Aufsehen, weil sich mit F. X. und mir zwei "Weißweinwinzer", ein "Négociant-Elèveur" und eine Genossenschaft dem Rotweinthema gemeinsam widmeten. Es war uns drei bald klar, dass unser Projekt auf der Basis von idealem Traubenmaterial aus dem Mittelburgenland starten sollte. Anfangs haben wir noch sehr stark auf den Cabernet Sauvignon als Würzwein gesetzt, dessen Anteil inzwischen immer mehr von Blaufränkisch und Merlot ersetzt wird. Über den Namen unseres Weins gab es allerdings lange keine Einigung. Dann beriefen wir eine Sitzung ein, die einen bindenden Ausgang haben sollte. Das Ergebnis war eine typisch österreichische Lösung: Mit Arachon, Evolution und T.FX.T hatten wir drei Namen, die noch heute auf dem Etikett zu finden sind. Weil der alte Name Horitschons, Arachon, wörtlich "Drei Eichen" bedeutet, passte das natürlich überhaupt am besten zu unserem Roten aus dem Barrique. Als Tibor Szemes, der dritte in unserem Bunde, im Frühjahr 2001 völlig unerwartet gestorben ist, war das auch für Arachon ein schwerer Rückschlag, aber dann dachten wir uns, was Tibor gesagt hätte: Von so etwas lassen wir uns nicht aufhalten. In diesem Sinne, in seinem Sinn führt Illa Szemes heute auch die Öffentlichkeits- und Verkaufsarbeit weiter durch."

Lesen und verstehen

Die Trauben für Arachon und a´Kira werden heute von rund 30 (der insgesamt ca. 500 Mitglieder bei den Vereinten Winzern) Winzerfamilien produziert: Es hat sich herumgesprochen, dass sich der größere Aufwand doch lohnt. Zeitlich beträgt der Mehraufwand etwa 25 - 30 % und betrifft vor allem Laubarbeit, Ausdünnen und selektive Lese. Bei einem Hektar-Ertrag von maximal 6.000 Kilogramm erzielen die Arachon-Partner ein um 35 - 100 % höheres Einkommen pro Hektar. Auch die Weinanlage müssen den Ansprüchen der "Drei Regisseure" genügen: Zweigelt- und Blaufränkischstöcke müssen mindestens 25-30 Jahre alt sein, bei Cabernet Sauvignon und Merlot beträgt das Mindestalter 10-15 Jahre. Nur die besten Lagen des Ortes - Hochäcker, Kirchholz, Gfanger und Dürrau - sind zugelassen. Um maximale Reife mit höherer Aromatik zu erreichen, weden die Trauben meist erst zwei bis drei Wochen nach der Haupternte im Gebiet gelesen. Dieses Zuwarten belastet die Nerven der Winzerfamilien wie der Regisseure jedes Jahr, denn der Ertrag eines Jahrgangs steht auf dem Spiel, wenn ein ungünstiger Witterungswechsel eintritt. Zwar findet jedes Monat eine Zusammenkunft von Manfred Tement, F. X. Pichler und Illa Szemes statt, auch um die Weingärten zu kontrollieren, doch mittlerweile sind die Vorgaben bei den Winzern zur Selbstverständlichkeit geworden.
Auch mit einem weiteren T. FX. T. Produkt konnten die "Regisseure" punkten - der "DOM" in Kooperation mit der Sektkellerei Schlumberger wurde sofort ein großer Erfolg.
Schon länger gibt es den Arachon-Tresterbrand, der von Schnaps- und Essig-Guru Alois Gölles aus den Pressrückständen der feinen Rotweintrauben gebrannt wird. "Warum ich das mache, hat mehrere Gründe: Freundschaft zu den dreien, und Feindschaft zu sinnlosen Produkten. Mit dem Arachon Brand haben wir ein hochwertiges, kulinarisch relevantes Produkt geschaffen, das gerne bestellt wird. Man kann sich ja schwer vorstellen, nach dem Kaffee einen Hagebuttenbrand zu bestellen, eine Grappa hingegen schon. Ist es auch und gerade der Unterschied zwischen italienischen Grappe und hochwertigen heimischen Trebernen, die ich herausarbeite," erzählt Gölles von der Philosophie hinter dem Arachon-Tresterbrand.

Ausbauen und reifen

Nach den Vorgaben von Kellermeister Josef Pusch wurde das "Innenleben" konzipiert, die ästhetische Hülle, die Wahl der Proportionen, Farben und Materialien wurde den Architekten Wilhelm Holzbauer und Dieter Irresberger überlassen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Funktionell und schön "wächst" das "A" der prägnanten Sandsteinfassade aus den Horitschoner Weinbergen: Der neue Arachon-Reifekeller ist eine echte "Landmark" auf geworden. Die Vergärung fand und findet weiter in den Anlagen der nahe gelegenen "Vereinten Winzer" statt. Die Vinifizierung stellt für das Unternehmen der Vereinten Winzer weiterhin kein Problem dar: Arachon und a´Kira machen kaum mehr als 5 % der Gesamtmenge aus, die in der genossenschaftlichen Kellerei verarbeitet wird. Hingegen verlangt die optimale Reifung nach mehr Raum: Auf 3.400 m2 verbauter Fläche kann die Zukunft für Arachon kommen. Den Architekten Holzbauer und Irresberger, selbst große Weinliebhaber und Designer von Weingläsern, ist ein Bauwerk gelungen, das ihre eigene Leidenschaft widerspiegelt: "Das Lieblingsthema in der Architektur ist im Wandel begriffen. Zuerst waren es die Theater, dann die Museen, jetzt sind es die "Wine-Estates", erklärt Prof. Holzbauer. Diese Liebe zum Thema merkt man eben – Horitschon hat mit dieser „Winery“ ein neues Wein-Ausflugsziel.

Kosten und genießen

Für die Vertreter der Medien wurden bei der offiziellen Eröffnung alle acht bisherigen Jahrgänge des Arachon verkostet. Alle Weine präsentierten sich bemerkenswert frisch und kraftvoll; einzig der erste Arachon 1996 zeigt zarte Alterstöne. Den ´97er etwa stellte Manfred Tement aus seinem Privatkeller zur Verfügung. Besonders herausragend waren 1997, 1999 und 2002. (17+). 2003 (Fassprobe) erweist sich als dichtes, noch verschlossenes Konzentrat; auch 1998 und 2001 (16 +) überzeugen mit einer etwas feineren Stilistik und ergeben ganz besonders köstliche Speisenbegleiter.

Walter Tucek

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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