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Die Intention der Kunden bestimmt die Hauptleistung

08.09.2011

Steuerberater Rudolf Siart gibt Tipps für die Aufteilung der Umsatzsteuer bei Pauschalpreisen (Teil 1)

„Das Umsatzsteuerrecht schreibt grundsätzlich die Besteuerung der einzelnen Leistungen vor.“ | Mag. Rudolf Siart

Gastwirte, Hoteliers und Fastfoodketten, aber auch Unternehmen aus anderen Gewerbebereichen locken regelmäßig Konsumenten mit Pauschalangeboten und All-inclusive-Paketen. Diese enthalten üblicherweise verschiedenste Leistungen, die grundsätzlich unterschiedlichen Umsatzsteuersätzen oder Befreiungen unterliegen oder gar in verschiedenen Ländern der Umsatzsteuer unterliegen. Während die Sachlage etwa bei Pauschalpreisen für Zimmer mit Frühstück als längst gelöst gilt (hier wird einheitlich von einer 10 % umsatzsteuerpflichtigen Leistung ausgegangen), können andere Leistungspakete wie etwa Busreisen (10 %), bei denen Begrüßungsgetränke (20 %) im Preis inkludiert sind oder auch „gratis“ gereicht werden oder im Rahmen von Seminaren oft Snacks (10 %) und Pausengetränke (20 %) im Preis enthalten sind, nur nach grundsätzlichen Überlegungen beurteilt werden.
 
Das Umsatzsteuerrecht schreibt grundsätzlich die Besteuerung dieser einzelnen Leistungen vor, was eine oftmals mühsame Detailprüfung der einzelnen Leistungen, die in einem Pauschalpaket stecken, zur Folge hat.
Unterlassen kann eine derartige Aufteilung der Leistungen dann werden, wenn es sich um Neben­leistungen handelt, die verglichen mit der Hauptleistung untergeordnet sind und diese nur ergänzen bzw. verbessern – wenn also das Gesamtpaket als „einheitliche Leistung“ angesehen werden kann. Bei einheitlichen Leistungen bestimmt der Steuersatz der Hauptleistung die umsatzsteuerliche Behandlung des gesamten Pakets. Die Abgabe von Speisen und Getränken an Teilnehmer im Rahmen von Seminarveranstaltungen ist hierfür ein Beispiel.

Der Zusammenhang macht’s
Kurz: Speisen und Getränke werden somit je nach dem Zusammenhang, in dem sie eingenommen werden, unterschiedlich besteuert. Grundsätzlich mit 20% besteuerte Getränke „verursachen“ etwa im Rahmen von Beherbergungsleis­tungen (Frühstücksgetränke) nur 10 % Umsatzsteuer, während etwa grundsätzlich mit 10 % zu versteuernde Speisen, wenn diese – wie der Verwaltungsgerichtshof im Jahr 2009 erkannte – etwa in einem Swingerclub im Rahmen eines All-inclusiv-Eintrittspreises konsumiert werden, mit 20% abpauschaliert werden (VwGH 2006/13/0150 vom 24.3.2009). Dies zeigt deutlich: Die überwiegende Intention der Kunden hinter der Annahme von Pauschalpaketen bestimmt die Hauptleistung und degradiert andere Leistungen zu Nebenleis­tungen. So weit, so gut. Was aber tun, wenn keine einheitliche Leistung vorliegt und aus dem Bündel an selbstständigen Teilleistungen innerhalb des Pauschalangebots keine Hauptleistung überwiegt?  In diesen Fällen ist umsatzsteuerrechtlich eine sachgerechte Aufteilung des Entgelts auf die unterschiedlich zu besteuernden Leistungen durchzuführen. Eine solche Aufteilung kann auf zwei verschiedene Arten erfolgen:

Aufteilung möglich
Werden beispielsweise die in einem Tagesmenü dargebotenen Leistungen (Suppe, Hauptgericht, Dessert, Getränk) auch einzeln angeboten, kann der Pauschalpreis im Verhältnis der Einzelverkaufspreise aufgeteilt werden. Betragen etwa die Summe der Einzelpreise der Speisen € 16,– sowie der Einzelpreis des Getränks € 4,– und werden diese Bestandteile im Pauschalangebot vergünstigt um € 12,– angeboten, ist folgende Aufteilung möglich: Diese Methode wird seitens der Finanzverwaltung bevorzugt, da die Aufteilung anhand der Verkaufspreise aus den Speisen- bzw. Getränkekarten jederzeit leicht nachvollziehbar ist. Teil 2 lesen Sie in der nächsten Ausgabe der ÖGZ.

Mag. Rudolf Siart ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, Siart + Team Treuhand GmbH, 1160 Wien, Enenkelstr. 26, Tel.: 01/493 13 99, siart@siart.at, www.siart.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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