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Für seine Collagen verwendet Martino Zanetti Kaffeesäcke. Seine Liebe zu Kunst und Kultur pflegt er aber auch durch eine Kooperation mit dem Peggy-Guggenheim-Museum in Venedig und anderen Kultur-Sponsorings.

Die Kunst des Erfolgs

26.02.2016

Porträt: Der italienische Mäzen und Künstler Martino Zanetti röstet auch Kaffee. Die Marke Hausbrandt exportiert er in 70 Länder der Welt.

 

Promi-Auflauf in der italienischen Botschaft. Die Wände der Räumlichkeiten des Palais Metternich schmücken großformatige farbintensive Bilder. Martino Zanetti, nicht mehr ganz so junger Spross einer italienischen Kaffeerösterdynastie, stellt hier einige seiner Werke aus. Es geht aber auch ein bisschen um Promotion für seine Kaffeemarke „Hausbrandt“. Im Gespräch mit der ÖGZ macht der 72-Jährige aus seinem Herzen keine Mördergrube. Die Malerei sei sein Leben, die habe er studiert, und nichts anderes wollte er machen. Jahrelang habe er mit einer Gruppe abstrakter Künstler in Mailand, Padua und Venedig gearbeitet. Doch dann sei er dem Ruf des Vaters gefolgt und ins Kaffeegeschäft eingestiegen.

 
Vater Virginio war einer der ersten großen Importeure von Kaffeebohnen, seinem Bruder Mario gehört die Rösterei Moccarabia, seinem zweiten Bruder Massimo die zweitgrößte Rösterei Italiens, Segafredo. Martinos unternehmerische Tätigkeit ist zunächst darauf ausgerichtet, Selektionen von Gourmet-Kaffee zu kreieren. Nach jahrelanger Aufbauarbeit erwirbt er im Jahr 1988 die renommierte Hausbrandt-Rösterei, die 1892 von Hermann Ernest Hausbrandt, einem Grazer Offizier der k. u. k. Handelsmarine, in Triest gegründet worden war. Unter dem neuen Eigentümer läuft aber zunächst nicht alles nach Plan.

Jahrelanger Rechtsstreit

Um die Marke Hausbrandt ranken sich zahlreiche Geschichten, die wir im Vorfeld des Interviews recherchiert haben: Ein Verwandter von H. E.
Hausbrandt besaß in Salzburg eine Drogerie mit angeschlossener Kleinrösterei, die sich ebenfalls des Markennamens Hausbrandt bediente. Dieser kleine Laden ging in den Besitz des Salzburger Unternehmers Hans Wetsch († 2010) über, der sich daraufhin die Marke Hausbrandt für den österreichischen Markt sicherte. 1995 wurde dieses Unternehmen vom Tiroler Großhändler Leopold Wedl erworben, der seinerseits in Bozen die Kaffeemarke „Testa Rossa“ gründete und unter diesem Namen erfolgreich Kaffee ver- und Café-Bars betreibt. Weniger Freude hatte Wedl mit der Marke Hausbrandt. „Nach einem acht Jahre dauernden Rechtsstreit haben wir die Markenrechte 2003 an Zanetti abgetreten“, erzählt Leopold Wedl jun. Im Übrigen gibt es einen Urenkel von H. E. Hausbrandt, der ebenfalls im Kaffeegeschäft ist: Alessandro Hausbrandt darf seinen berühmten Namen dafür nicht (mehr) verwenden. Auch in diesem Fall gab es einen Prozess. Die Tradition seiner Vorfahren setzt Alessandro Hausbrandt heute mit „Antica Tostatura Triestina“, kurz „ATT Caffè“, fort.

Mehrere Geschäftsfelder

Martino Zanettis Kreativität haben diese geschäftlichen Auseinandersetzungen offenbar nicht geschadet. „Ich habe immer gemalt und wollte auch das Geschäft zur Kunst machen“, erzählt Zanetti, lacht und deutet auf eine Collage, die aus Kaffeesäcken angefertigt ist. Am heutigen Firmensitz in der Provinz Treviso in Venetien wird längst nicht nur Kaffee, sondern auch Tee, Bier und Wein produziert und in mehr als 70 Länder der Welt exportiert. Die Österreich-Niederlassung von Hausbrandt ist allerdings erst seit einem Jahr operativ tätig. „Wir haben erst begonnen, den österreichischen Markt zu bearbeiten und möchten gesund wachsen. Langfristig gesehen ist ein Marktanteil von zehn Prozent wünschenswert. Das jedenfalls ohne Preiskampf, so wie es bei Mitbewerbern üblich zu sein scheint“, so Zanetti.

Autor/in:
Max Pohl
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