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Die Macht der Bilder

04.08.2014

Gerade im Internet spielen Fotos von Hotels, Restaurants und Urlaubsorten eine viel größere Rolle als Beschreibungen. Doch die der unternehmenseigenen Homepage reichen dem modernen Bucher nicht

Urlaubsbilder auf Fotosharing-Plattformen wie Pinterest verbreiten Werbeinhalte wirksam und in Sekundenschnelle.

Text: Natalie Oberhollenzer

Hand aufs Herz – wenn Sie in sozialen Netzwerken stöbern, wo bleiben Ihre Augen eher hängen? Bei einem komplizierten Text über ein gesellschaftliches Problem – oder bei einem netten Foto? Wenn Sie ein Otto Normalsurfer sind, sicher bei Zweiterem. Denn die Binsenweisheit „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" gilt im Internet mehr denn je. Wie sehr, das ergaben jüngste Untersuchungen der Online-Marketingfirma Wishpond: Die Firma erhob, dass Postings mit Bildinhalten auf Social-Media-Seiten um 94 Prozent mehr Zugriffe bekommen als reine Textposts. Fotos, so fanden Forscher heraus, werden 60.000-mal schneller im Gehirn verarbeitet als Texte und sind daher imstande, beim Betrachter sofort Emotionen auszulösen. Das erklärt auch das gängige Nutzerverhalten bei Facebook: Die User „screenen" die Seite üblicherweise, das heißt sie checken sie oberflächlich ab, indem sie sie nach unten scrollen und dabei nur bei bestimmten, auffälligen Bildern hängenbleiben.

Dass die Macht der Bilder besonders im Tourismus eine große Rolle spielt, weiß der Kommunikationsprofi Günter Exel: „Beim Reisen geht es genau wie bei anderen Lifestyle-Themen wie Mode und Kulinarik um Inspiration und Erlebnis. Solche Inhalte werden stärker über Bilder als über Texte transportiert." Er macht zwei Trends in Sachen digitaler Bebilderung aus. Der eine betrifft die Homepages der Hotelbetreiber, Gastronomen und Touristiker selbst: „Dort kommen immer öfter großformatige Fotos zur Anwendung, die auch die ganze Seite bespielen können. Das hat mit dem höheren Leistungsvolumen von Breitbandinternet zu tun." Früher, erinnert er sich, durfte ein Bild im Netz nicht größer als 30 KB sein.

Keine Bilder: No-Go

Diesen Hochglanzbildern steht eine Flut an Fotos auf sozialen Netzwerken, allen voran Fotosharing-Plattformen wie Pinterest oder Instragram gegenüber. „Hier posten Menschen unmittelbare Eindrücke. Das verleiht der Angelegenheit eine ganz neue Dimension", sagt Exel. Etwa wenn der Hotelbetreiber im Frühling ein Bild der ersten blühenden Blumen vor seinem Haus auf seiner Facebook-Seite postet. Wenn er ein Event veranstaltet und ein paar Schnappschüsse davon ins Internet stellt. Oder wenn ein Urlauber den Sonnenuntergang am Strand knipst und mit seinen Freunden teilt, ein Foto vom exklusiven Spa-Bereich des Fünf-Sterne-Hotels auf Holidaycheck hochlädt. Dann wird (Werbe-)Inhalt wirksam und in Sekundenschnelle verbreitet.

Die Krux an der Geschichte ist, dass Bilder im Netz abseits der eigenen Homepage mittlerweile Voraussetzung sind. Ein moderner Buchender gibt sich nicht mehr mit jenen auf der Hotelseite zufrieden. Die dienen dazu, das Interesse für das Haus zu wecken. Dann geht der Surfer auf eine der Bewertungsseiten, um den Wahrheitsgehalt der Fotos zu überprüfen. „Dort schaue ich mir die von Hotelgästen hochgeladenen Bilder an", erzählt ein Vielurlauber, der ausschließlich im Netz bucht. 20 Fotos pro Portal müssten es mindestens sein, damit er sich vergewissern könne, ob es sich nicht doch um „irgendeine miese Hütte" handele. Ganz schlimm sei aber „die Muschel": Das Sujet, das bei Holidaycheck eingesetzt wird, wenn es keine Bilder von der Unterkunft gibt, ist für ihn ein absolutes No-Go: „So ein Hotel würde ich niemals buchen.". Und die Hotelbeschreibung? Liest er sich die überhaupt durch? „Der Text ist schon auch wichtig. Aber das Bild entscheidet.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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