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Die Mangelberufslisten funktionieren nicht

25.02.2019

Tourismusbetriebe haben mit Notlösungen das Schlimmste verhindert – Bewerbungen über die Mangelberufslisten sind an zwei Händen abzulesen. Gründe dafür gibt es einige.

Mitten in die beginnenden Kollektivverhandlungen platzte die Nachricht vom AMS: Die Öffnung der Mangelberufsliste für Koch und Kellner hat sehr wenig gebracht, um die im Dezember noch rund 8500 offenen Stellen im österreichischen Tourismus zu besetzen. Auch wenn man eh nicht mit einem Massenansturm gerechnet hatte und es nur 300 zusätzliche Plätze gab, die man über die regionalisierte Liste im Westen hätte besetzen können, ist das Ergebnis doch ernüchternd: „Wir haben befürchtet, dass Tirol und Salzburg die gleich besetzen“, sagt Peter Arnberger vom AMS in Oberösterreich im „Standard“.

Bundesweit sieben Rot-Weiß-Rot-Karten

Es ist ganz anders gekommen: Bundesweit wurden gerade einmal sieben (!) Rot-Weiß-Rot-Karten anerkannt. Was auch daran liegt, dass die Qualifikation der Bewerber oft bescheiden ist oder schlecht nachgewiesen werden kann. In Vorarlberg werden gerade drei Anträge auf Koch bearbeitet, mehr Anwärter gibt es nicht. Beim AMS Tirol sind sieben Anträge über die bundesweite Liste (Koch) in Bearbeitung und drei über die regionalisierte Liste für Kellner. In Salzburg gab es einen Antrag auf Kellner von einem Nigerianer – und der wurde bewilligt. In Oberösterreich wurden immerhin bis Mitte Februar drei Anträge bewilligt, zwei Köche, ein Kellner – aus Indien, der Türkei und Kasachstan.

Aus den „ein paar Hundert Köchen“, auf die Obfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher noch im Jänner hoffte, ist nichts geworden. Das AMS will noch nicht von einem Misserfolg sprechen, man rechnet damit, dass noch weitere Anträge kommen werden. Aber die große Masse wird es sicher nicht mehr werden.

Gründe für wenige Anträge

Woran liegt’s? Die Gewerkschaft ist schon wieder am Schimpfen. Erst hatte man befürchtet, es werde zum flächendeckenden Lohndumping mit massenhaft hereinströmenden Arbeitssuchenden aus Drittstaaten kommen. Jetzt befürchtet man, die Branche werde die Anforderungen an die Qualifikationen der Arbeitssuchenden herunterschrauben. Tatsächlich hat Petra Nocker-Schwarzenbacher gesagt, dass die Anforderungen an die Bewerber – möglichst jung, möglichst viel Praxis, eine profunde Ausbildung und zertifizierte Sprachkenntnisse– vielleicht doch etwas „zu hoch“ seien. Deshalb wolle man die Kriterien in Gesprächen mit der Sozialministerin lockern.

Wohl zu recht. Machen wir uns nichts vor: Wer jung, praxiserfahren und gut ausgebildet ist, bekommt auch in der Heimat einen guten Job im Tourismus und muss nicht nach Österreich auswandern. Denn auch dort werden gute Fachkräfte gesucht -  wie auch bei unseren Mitbewerbern in Deutschland oder der Schweiz. Und es ist wirklich nicht ganz einfach, wenn man aus Ägypten oder Indien kommt, dem AMS „zertifizierte“ Sprachkenntnisse oder eine „profunde“ Ausbildung nachzuweisen – was der AMS bestätigt. Berend Tusch von vida hat sicher zum Teil recht, wenn er sagt, dass das Angebot der österreichischen Gastronomie und Hotellerie momentan einfach nicht passe und an den Lebensrealitäten der Arbeitssuchenden vorbeigehe. Aber viele Probleme sind ganz einfach auch branchenbedingt und gelten nicht nur für Österreich: Wochenendarbeit, lange Arbeitszeiten, wackelige Einsatzpläne sind systemimmanent. Der Tourismus ist trotz aller Chancen und einem Arbeitsplatz „wo andere Urlaub machen“ schlicht eine anstrengende Branche und nicht jedermanns Sache.  Die negative Berichterstattung über den 12-Stunden-Tag und immer wieder Fälle von angeblicher Ausbeutung in der Gastronomie, die durch die Presse geistern, hat dem Ruf auch nicht genutzt. Und die Rot-Weiß-Rot-Karte funktioniert aufgrund ihrer strengen Anforderungen  auch in anderen Branchen nicht wirklich. „Derzeit ist die Tür offen“, sagt Petra Nocker-Schwarzenbacher. „Aber nur so weit, dass keiner durchpasst.“

Bessere Angebote und Rahmenbedingungen

Es wird der Branche wohl nichts anderes übrig bleiben, als sich weiter um inländische Fachkräfte zu bemühen, den Beruf des Koch oder Kellners attraktiver zu gestalten, bessere Angebote zu machen. Das wird nur gelingen, wenn sich die Rahmenbedingungen verbessern – Stichwort Abschreibungen in der Hotellerie.

Und das geht. Das hat die Branche schon jetzt bewiesen, indem sie auch ohne funktionierende Mangelberufsliste und Rot-Weiß-Rot-Karte  viele der offenen Stellen irgendwie besetzen konnte. Im Jänner kam die Erweiterung der Mangelberufsliste eh zu spät für die Wintersaison. Die Unternehmer hätten sich längst zur Decke gestreckt und Notlösungen gefunden, sagt Thomas Netzer, Chef der AMS-Geschäftsstelle in Innsbruck. Aber Notlösungen sind eben Notlösungen – und lösen keine strukturellen Probleme.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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