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Die Marke macht den Unterschied

24.07.2007

Das Catering-Geschäft hat seine eigenen Gesetze. Im Gegensatz zum Restaurant, das der Gast ja in der Regel selbst auswählt, bekommen die Gäste einer Veranstaltung den Caterer ja „vorgesetzt“, oft sogar ohne zu wissen, wer dieser überhaupt ist.

Ein Caterer muss sich also genau überlegen, wie er sich so präsentiert, dass er als Qualitätsmarke wahrgenommen wird, ohne den Auftritt seines Auftraggebers zu stören.
Das ist vor allem deshalb wichtig, weil das meiste Neugeschäft über gelungene Catering-Auftritte lukriert wird. Werbung und aktives Marketing abseits der „Action“ spielen eine eher untergeordnete Rolle.
Rot-Schwarz von der Kochmütze bis zur Unterhose
Gerhard Gugg übernahm bereits in jungen Jahren das Haubenrestaurant Mesnerhaus in Mauterndorf und musste rasch erkennen, dass er vom Restaurantbetrieb alleine nicht leben konnte. „Ich habe angefangen, Spezialitäten als Mitnahmeartikel herzustellen und begonnen, kleinere Aufträge für Außerhaus-Caterings zu übernehmen“, erzählte Gugg von seinen ersten Jahren der Selbständigkeit.
Heute hat er mehr als 43.000 Delikatessen verkauft und veranstaltet über Österreichs Grenzen hinaus Caterings für mehr als 1.000 Gäste.
Schritt für Schritt hat sich Gugg die notwendige Hardware zugelegt, einen Stock an verlässlichen Service-Mitarbeitern aufgebaut und vor allem alle Abläufe genau definiert. „Die beliebte Rauchpause der Kellner nach dem Hauptgang gibt es bei uns nicht, denn nachdem die Pflicht – also die Hauptspeise – erledigt ist, erfolgt die Kür, mit der man in der Wahrnehmung der Gäste besonders punkten kann“, weiß Gugg.

Damit man diese Leistungen auch als unverwechselbar wahrgenommen wird, steht überall Gugg drauf, wo Gugg drin ist, wenn auch natürlich nur in einem kleinen rotschwarzen Logo, das sich von den Tellern über die Aschenbecher bis hin zu den Kochmützen zieht. Gugg hat sogar eine eigene „Sex in the Kitchen“-Unterwäsche-Linie für Damen und Herren entwickelt, die rot/schwarz gebrandet ist. Ob allerdings alle Service-Mitarbeiter wirklich bis auf die Unterhose gebrandet sind, konnte nicht verifiziert werden …
2-Hauben-Koch Gugg kocht bei Caterings übrigens niemals selbst, sondern ist als „Trouble-Shooter“ und „Psycho-Coach“ immer in der Nähe des Gastgebers. „Dass alles weitgehend reibungslos abläuft, können wir dank jahrelanger Erfahrung garantieren. Es ist aber wichtig, dass der Gastgeber immer das subjektive Gefühl hat, dass alles unter Kontrolle ist“, erklärt Gugg seine Catering-Philosophie.

Marke nebenher entstanden
Toni Mörwald ist einer der bekanntesten Gastronomie-Unternehmer Österreichs und berichtete bei seinem Vortrag etwas kokett, dass er eigentlich nie geplant hat, eine Marke aufzubauen. „Man ist dann erfolgreich, wenn man weiß, was man kann und was man tut. Darauf soll man sich konzentrieren. Erst wenn das wirklich gelebt wird, hat es Sinn, sich mit so etwas wie Markenpflege zu beschäftigen.
Trotz der Größe, die das Mörwald-Imperium mittlerweile angenommen hat, versucht Mörwald nicht, alle Gästewünsche zu erfüllen. „Wir kommen aus Niederösterreich und stehen im Ruf, eine hervorragende heimische Schmankerlküche auf Top-Niveau zu bieten. Wenn jemand will, dass wir auch Sushi oder Thai-Gerichte anbieten, lehnen wir ab, denn das können wir nicht wirlich und traut uns auch niemand zu. Man muss auch manchmal Nein sagen können“, erklärte Mörwald. Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil jedes Catering zugleich Werbung für den nächsten Auftrag ist.

Für die Etablierung einer Marke ist laut Mörwald jedoch nicht nur die Küchenleistung, sondern die gesamte Inszenierung wichtig. „Lieber weniger Gerichte anbieten, diese aber authentisch und gekonnt inszenieren. So gewinnt man Glaubwürdigkeit. Wer alles anbiete und behauptet, dass alles frisch und super ist, vermittelt kaum Glaubwürdigkeit.
Eine starke und glaubwürdige Marke hilft schlussendlich auch den Gastgeber aufzuwerten. „Wenn man mein Catering bucht, dann stehe ich mit meinem Namen gerade. Sowohl Gastgeber als auch Gäste wissen, da gibt es eine Person, die ist für die Performance verantwortlich. Nur wenn das regelmäßig über einen langen Zeitraum gelingt, wird man irgendwann einmal zur Marke“, weiß der umtriebige Multi-Gastronom Mörwald.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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