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Die neuen Guides sind da

18.11.2005

Vergangene Woche erschienen der Gault Millau ’06 und die Halbjahreswertung des VIP-Gourmetguides. Einzig der Michelin ’06 steht noch aus.

Nach dem A la carte, der traditionellerweise schon Anfang November erscheint, kamen vergangene Woche die Halbjahreswertung des VIPGourmetguides und der erstmals von Karl und Martina Hohenlohe gemachte Gault Millau in den Handel. Die zweite Österreich-Ausgabe des Guide Michelin erscheint am 24. November.
Große Überraschungen blieben in den Führern zwar aus, dennoch gibt es einige bemerkenswerte und nicht immer ganz nachvollziehbare Unterschiede bei den Bewertungen. Die Wertungen in Wien sind im großen und Ganzen stimmig, in den Bundesländern gibt es jedoch erstaunliche Differenzen.

Prinzipiell ist die unterschiedliche Bewertung einzelner Betriebe nicht weiter verwunderlich. Neben den subjektiven Einschätzungen der einzelnen Tester haben die Guides ja auch unterschiedliche Bewertungskriterien. Während beim VIPGourmetguide von Wolfgang Rosam „normale“ Gäste die Kategorien Essen, Service, Trinken, Ambiente und Preis/Leistung separat bewerten und sich aus der Summe dieser Ergebnisse die Gesamtbewertung ergibt, schaut Gault Millau bei der Vergabe von Punkten und Hauben nur auf die Küchenleistung. Der relativ umfangreiche Textteil bietet genug Platz, um mehr oder weniger treffend die anderen Aspekte, die einen gelungenen Restaurant-Besuch ausmachen, zu beleuchten. Dies führt manchmal zu widersprüchlichen Ergebnissen, wenn die Tester ein niedrig bewertetes Lokal in den höchsten Tönen loben, oder der Text vom Besuch eines eigentlich sehr hoch bewerteten Restaurants abrät, Der A-la-carte-Guide von Hans Schmid und Christian Grünwald wertet die Gesamtleistung eines Lokals, wobei der Schwerpunkt auf der Küchenleistung liegt und vergibt zwischen ein und fünf Sternen.
Einigkeit in der Spitze, Bundesländer widersprüchlich
Die „großen Drei“ Taubenkobel, Hubertus und Obauer haben alle drei Führer ganz vorne und auch die Abwertung des neuen Steirerecks (93 A-la-carte-Punkte, vier Sterne, Gesamtrang 16, 17 Gault-Millau-Punkte, drei Hauben, ex aequo mit 17 anderen Betrieben auf Rang acht, 90 VIP-Punkte, Rang 20) ist durchgängig. Auch das Hanner liegt nach wechselhaften Bewertungen in den vergangenen Jahren jetzt bei allen Guides ganz vorne.
Dass das Landhaus Bacher bei A la Carte etwas besser bewertet wird als im Gault Millau hat fast schon Tradition, liegt aber im Unschärfebereich des persönlichen Geschmacks.
Bei einer Gesamtbetrachtung der Wertungen fällt jedoch das uneinheitliche, bisweilen widersprüchliche Bild in den Bundesländern auf. Wenn Gault Millau das Deuring Schlössle in Bregenz nur 13 Punkte und (gerade noch) eine Haube gibt, widerspricht das nicht nur eigenen Erfahrungen, sondern auch den Bewertungen der anderen Guides. Bei A la carte findet sich das Deuring Schlössle mit 94 Punkten auf gleichen Rang (österreichweit Platz acht) wie beim VIP-Gourmetguide.
Das Restaurant Sicher in Tainach darf sich seit heuer mit drei Hauben (17 Punkte) zu den 24 von Gault Millau am höchsten bewerteten Restaurants Österreichs zählen. Bei A la Carte (69 Punkte, zwei Sterne) und VIPGourmetguide (87 Punkte) rangiert es jedoch nur unter „ferner liefen“.
Andererseits entschärft die Tatsache, dass es heute mit Gault Millau, A la Carte, VIPGourmet guide und Michelin vier namhafte Restaurantguides mit Wertungen gibt, die durch zahlreiche andere „Empfehlungs-Führer“, wie etwa Christoph Wagners „Wo ist Österreich?“, ergänzt werden, die frühere Problematik, dass einzelne Abwertungen für den betreffenden Betrieb existenzbetrohend waren. Der heimischen Gastronomie tut es jedenfalls gut, dass die Bewertung der Top-Restaurants nicht mehr wie vor 27 Jahren durch ein Monopolmedium geschieht, wobei hier die Bedeutung des Gault Millau für die Entwicklung der heimischen Gastronomie nicht geschmälert werden soll.
Neues Gault-Millau-Team
Martina und Karl Hohenlohe, die heuer erstmals als Chefredakteurin bzw. Herausgeber des Gault Millau fungieren, sind sich der Herausforderungen durch die größere Konkurrenz jedenfalls bewusst. „Wir wollen den Guide lebendiger und moderner gestalten. Das muss jedoch schrittweise geschehen, denn der Gault Millau lebt von seiner Kontinuität genauso wie von seiner Aktualität“, so Martina Hohenlohe. Apropos Kontinuität: Der am 24. 11. erscheinende Guide Michelin soll dem Vernehmen nach keine spektakulären Änderungen bringen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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