Direkt zum Inhalt

Die Nische wird immer breiter

04.04.2008

Wer ein sogenanntes „Bio- und Vollwertrestaurant“ betritt, der erwartet landläufig eine gewisse alternative Klientel. Wer indes bei Karl und Elfriede Lebenbauer in ihrem gleichnamigen Restaurant in Wien vorbeischaut, der wähnt sich leicht in einem Pariser Nobel-Bistro:

Die österreichischen Bio-Pioniere Karl und Elfriede Lebenbauer

Keine Spur von Selbstgestricktem, dafür ein erstaunliches Krawatten-Aufkommen und eine Champagnerflasche auf jedem zweiten Tisch.
Bereits seit den Anfangstagen 1988 setzen die Lebenbauers konsequent auf ein rein biologisches Angebot. „Damals waren wir sicher ein Vorreiter, weil wir diesen Trend relativ früh erkannt haben“, analysiert Elfriede Lebenbauer, „heute sind wir in dieser Nische wohl österreichweit führend.“ Das Angebot besteht aus einer klassischen Natur- und Vollwertküche, dazu auch diverse Fischgerichte. Fleisch findet man auf der Lebenbauer-Karte ausschließlich in Form von Freilandgeflügel.

Wichtiger Genuss
„Genuss ist wichtig“, ist Elfriede Lebenbauer überzeugt, „und besonders wichtig ist es, dass sich Genuss und gesunde Ernährung nicht ausschließen, dass Vollwert und Bio nichts mit Askese zu tun haben.“ Der unverkrampfte Zugang, den die Lebenbauers zum Thema „Luxus“ haben, erklärt auch die anfangs erwähnte irritierende Dichte an Champagnerflaschen: In solchen wird nämlich das Leitungswasser serviert. Wobei man auf Wunsch das Wasser auch in einer normalen Karaffe haben kann. Denn manche Anwälte oder Politiker aus der Umgebung würden sich speziell mittags aus nachvollziehbaren Gründen nicht gerne mit einer Champagnerflasche am Tisch sehen lassen.
Dass sich gesundes Essen und Genuss ideal verbinden lassen, davon zeugt auch die umfangreiche Weinkarte (alleine 15 Positionen + Champagner offen). 2006 war man dazu Gewinner der Bierkrone. Und Gault Millau ist die Küchenleistung schließlich eine Haube wert.
Heute verfügt das Lokal über eine hohe Stammgästefrequenz. Durchwegs Leute, denen wichtig ist, was sie essen. Nicht zuletzt im Mittagsgeschäft zeigt sich, dass immer mehr Menschen über ein Angebot froh sind, das den Verdauungsapparat und damit die Arbeitsleistung am Nachmittag nicht völlig lahm legt. Und auch der leichte Frauen-Überschuss der ersten Jahre ist inzwischen Schnee von gestern. Denn auch Männer finden zunehmend Gefallen an biologischer Vollwertkost.
Bessere Verfügbarkeit
Positiv ist heute die ständige Verfügbarkeit der meisten Produkte – zumindest im Sommer. Das war nicht immer so. Nur im Winter muss man bisweilen noch kleine Abstriche machen. Aber auch hier zeigt sich, dass der Bio-Zugang der Lebenbauers kein religiöser, sondern ein pragmatischer ist: Bio wird verwendet, wann immer es geht. Wenn aber manches nicht verfügbar ist, gibt es auch herkömmliche Produkte guter Qualität.
Für die Zukunft macht sich Elfriede Lebenbauer jedenfalls keine Sorgen: „Wir waren von Anfang an immer gut besucht, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Im Gegenteil: Das Wellnessbewusstsein der Leute ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Man achtet einfach verstärkt auf die Herkunft der Produkte, die man zu sich nimmt. Die Leute werden immer offener. Es gilt inzwischen als schick, vegetarisch essen zu gehen.“

Restaurant Lebenbauer, Teinfaltstraße 3, 1010 Wien, Tel.: 01/ 533 55 56, www.lebenbauer.cc

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung

Weiterführende Themen

Premium Bio-Rindfleisch vom Highlandbeef bietet der Amtmannhof im Almtal
Gastronomie
05.06.2018

Dieser Frage geht ein Symposium am 15. Juni im Almtal nach – veranstaltet von der Wirte- und Produzenteninitiative Schmecktakuläres Almtal, moderiert vom Chefredakteur der ÖGZ.

Verfechter von Bio UND Regionalem: Georg Berger.
Gastronomie
08.11.2017

Der Obmann der „Ramsauer Bioniere“, einer Gruppe von regionalen Bauern, Hoteliers und Händlern, kritisiert Regionalität als leere Worthülse, die nichts über die Qualität und die Erzeugung der ...

Viele KonsumentInnen wollen mit dem Kauf regionaler Produkte kleine bäuerliche Betriebe fördern. Gerade kleinere Betriebe produzieren oft ressourcenschonend im Rhythmus der Jahreszeiten.
Gastronomie
09.08.2017

Lebensmittel-Beschaffungspolitik: Warum Tomaten aus dem Folientunnel nachhaltiger sind als die im Glashaus.

Alle Sieger: v.l.n.r. Hannes Thaler (MAM Babyartikel), Sepp Eisenriegler (R.U.S.Z), Markus Schörpf und Florian Faber (ARGE Gentechnik-frei), Maria Stern (MPREIS), Jakob Hackl (Labonca Biohof), Thomas Jakowiak (RHI) und Bernhard Weber (ICEP)
20.06.2017

MPREIS, MAM Babyartikel, Labonca Biohof, RHI AG, ARGE Gentechnik-frei und Reparatur- und Service-Zentrum R.U.S.Z wurden gestern Abend im feierlichen Rahmen für ihre Bemühungen um ...

Rosalinde Tessmann bei der Einweihung des Bibelwanderwegs 2016.
Hotellerie
19.04.2017

Rosalinde Tessmann gründete 1985 das Biolandhaus Arche, eines der ersten Biohotels Österreichs. Jetzt wird die umtriebige Kärntnerin 80. Wir gratulieren!

Werbung