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Die Preislawine rollt

25.02.2008

Energie, Milchprodukte, Fleisch, Getreide usw. – im Moment ist man mit einer Aufzählung schneller fertig, wenn man die Produktgruppen hernimmt, die derzeit stabile Preise haben. Und es ist ein ganzer Rattenschwanz, der damit hinterher gezogen wird:

Noch ist es zwar nicht so weit, dass man Brot mit 100-Euro-Scheinen bezahlt, aber die aktuelle Tendenz ist bedenklich genug

Der Landwirt gibt die gestiegenen Preise an die Molkereien, Schlachthöfe oder Bäckereien weiter, die wiederum an die C&C-Märkte und die an die Gastronomen. Und der Wirt wird vom Gast dafür geprügelt, dass das Schnitzel schon wieder um 50 Cent teurer geworden ist.

Volatile Märkte
In der Industrie ist das Bild derzeit jedenfalls relativ einheitlich: Die meisten Unternehmen haben bereits in jüngster Vergangenheit Preiserhöhungen vorgenommen oder denken zumindest intensiv über eine solche nach. „Es gab im vergangenen Jahr bereits leichte Preiskorrekturen in mehreren Etappen. Im Moment ist daher keine weitere Teuerung geplant. Auch wenn diese Aussage aufgrund der volatilen Märkte zur Zeit schwierig ist. Aber der Plafond ist nach unserer Ansicht derzeit erreicht, eine weitere Erhöhung wäre extrem schwierig“, versucht Berglandmilch-Pressesprecher Mag. Georg Lehner zu beruhigen.
Karin Baumgartner von Resch & Frisch kündigte für April eine Preiserhöhung von etwa vier Prozent an. Im Herbst hätte man bewusst auf eine Erhöhung verzichtet, um die Wintersaison nicht zu stören, aber jetzt sei es leider unumgänglich.
„Aufgrund gestiegener Rohstoff- und Transportkosten mussten wir mit Anfang Februar die Preise für alle Produkte in der Gastronomie erhöhen“, erklärt etwa Nicole Hall, Pressesprecherin bei Vöslauer. Und auch im Handel werde es Teuerungen geben.
Brauereien betroffen
Auch an der Bierbranche wird die Teuerungswelle nicht spurlos vorübergehen. Deutsche Brauereien haben bereits Preissteigerungen im Ausmaß von 5–9 Prozent angekündigt und Ähnliches ist auch für Österreich zu erwarten. Dr. Markus Liebl, Obmann des Verbandes der Brauereien Österreich hat bereits vor Kurzem auf die steigenden Rohstoff- und Energiepreise, die die Branche belasten, hingewiesen. Bei der Brau Union selbst will man sich derzeit noch nicht festlegen und verweist auf die Bilanzpressekonferenz nächste Woche, streitet aber auch nicht ab, dass es zu Anpassungen komen könnte.
Und auch Stiegl-Pressechef Rainer Tschopp gibt zu, unter den explodierenden Rohstoffpreisen zu leiden: „Wir werden ab März eine Preisanpassung vornehmen. Das wird sich leider nicht verhindern lassen. Das genaue Ausmaß steht aber noch nicht fest.“

„Teilweise muss ich die gestiegenen Preise natürlich weitergeben“, erklärt etwa Andreas Kurz vom Restaurant Kurz in Wien. „Wir haben z. B. eine Mittagskarte, bei der man bis Ende Jänner zwei Gänge für 9,80 Euro essen konnte. Jetzt isst man halt für 10,80. Es ist halt sehr viel teurer geworden – eigentlich fast alles.“ Anders dagegen „Unterbergerwirt“ Hans Peter Berti aus Dorfgastein: „Wir denken daran, den Bierpreis nicht zu erhöhen, denn für ein Krügel oder Seidel gibt es eine finanzielle Schmerzgrenze. Wir überlegen, einfach die Menge zu reduzieren, also statt 0,5 Liter nur mehr 0,4 Liter auszuschenken und statt 0,33 Liter in Zukunft 0,25.“
Der Villacher Unternehmensberater Dr. Manfred Kohl rät jedenfalls allen Gastronomen und Hoteliers, steigende Kosten prompt 1:1 an den Gast weiterzugeben. Kohl: „Das ist nur fair und korrekt. Wenn man das nur einmal nicht macht – den Verlust holt man nie wieder ein.“ Vor allem in der Gastronomie seien die Margen dünn, steigende Lebensmittelpreise weiterzugeben daher lebensnotwendig. In der Hotellerie seien es laut Kohl eher die Betriebskosten und damit die Energie, die sich negativ auf die Bilanz auswirke. Hotels könnten mit kreativen Angeboten hier etwas gegensteuern.
Knausern verboten
Wovon Kohl indes nichts hält, ist eine Leistungsreduktion, um die Preise nicht erhöhen zu müssen, etwa den Umfang des Frühstücksbuffets oder die Schnitzelgröße zu reduzieren bzw. ein „Eurokrügel“ statt der klassischen 0,5 Liter auszuschenken. „Das Knausern am Gast bringt überhaupt nichts. Speziell in der Hotellerie macht ein Wettbewerb über den Wareneinsatz sogar Sinn, da diese Kosten vergleichsweise gering sind.“
Clemens Kriegelstein

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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