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Die Qual der Rechtsformwahl

04.05.2011

Welches Kleid einem Unternehmen am besten steht, hat verschiedenste Aspekte, weiß Steuerberater Rudolf Siart – Teil I

Mag. Rudolf Siart

Man kennt das Problem. Beim Shopping in einer Modeboutique kann man aus einem reichen, oft überbordenden Sortiment an Kleidungsstücken auswählen. Man muss sich letztendlich entscheiden, welches Outfit einem am besten passt. Oft stellt man fest, dass das auf den ersten Blick ansprechendste Designerstück dort und da zwickt und unbequem ist. Ist es zu eng, bekommt man keine Luft.

Das passende rechtliche Kleid für ein Unternehmen zu finden, ist ungleich schwieriger und das „Zwicken“ infolge von Fehlentscheidungen unter Umständen kostspielig.

Betriebswirtschaftliche und rechtliche Entscheidungen
Die Wahl der am besten passenden Rechtsform ist ein Mix aus betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Entscheidungen. Es sind zivilrechtliche Aspekte (z. B. Haftung) genauso wie Aspekte des Gesellschaftsrechts, des Familienrechts, des Gewerberechts, des Sozialversicherungsrechts und natürlich des Steuerrechts bei der Wahl zu berücksichtigen. Die Kunst besteht somit darin, alle diese Themenbereiche „unter einen Hut“ zu bekommen. Dabei muss auch beachtet werden, dass die Ausgestaltung eines Aspektes unter Umständen einen anderen Themenbereich verwässert.

Hierzu ein Beispiel für die fatale Kollision von steuerrechtlichen und familiären Aspekten: Der Gründer einer GmbH beschließt aus steuerlichen Überlegungen einen Anteil von nur 25 Prozent zu halten und lässt seine Ehefrau als 75-Prozent-Gesellschafterin ins Firmenbuch eintragen. Das Eheleben wird nach einiger Zeit durch den athletischen Tennislehrer abrupt unterkühlt. Allfällige Folgen für den Unternehmensgründer innerhalb der GmbH sind mannigfaltig und vielfach absehbar. Er müsste selbst geschaffene Werte ablösen, wenn er keinen Abtretungsvertrag abgeschlossen hat.

Vor der Entscheidung für eine bestimmte Rechtsform sollte sich der Unternehmer daher mit folgenden Fragen auseinandersetzen:

• Will ich das Unternehmen alleine oder mit einem Partner führen?
• Wenn ein Partner dabei sein soll: Wer darf das Unternehmen nach außen vertreten? Welches Mitspracherecht räume ich dem Partner ein? Wie kontrolliere ich die Aktivitäten meines Partners?
• Welche persönliche Haftung trifft mich bei welcher Rechtsform?
• Welche steuerlichen Auswirkungen hat die Wahl der Rechtsform?
• Welche Kosten fallen bei Errichtung der Rechtsform an?
• Was sind die laufenden Kosten der Rechtsform (Buchhaltungs-, Jahresabschluss- und Prüfungskosten)?
• Welche Finanzierungsmöglichkeiten bieten die einzelnen Rechtsformen?


Weichenstellung für die Zukunft
Unabhängig davon, ob man sich nun für eine Personengesellschaft oder eine Kapitalgesellschaft entscheidet, stellt der Gesellschaftsvertrag die entscheidende Weichenstellung für die Zukunft dar. Man sollte daher bereits bei der Errichtung des Gesellschaftsvertrags drohende zukünftige Streitthemen schriftlich aus dem Weg räumen. Die vertragliche Regelung von Fragen wie: Wer erhält welche Gewinnanteile? – Wer bringt welches Kapital und Know-how ein? – Wer verpflichtet sich, seine Arbeitskraft einzubringen? und zu guter Letzt – Was passiert, wenn das Unternehmen scheitert, verkauft oder liquidiert werden muss?, erspart spätere mühsame Diskussionen. Vor allem erkennen aber die Partner bereits zu Beginn ihrer Zusammenarbeit anhand dieser Themen, ob sie auf einen grünen Zweig kommen.

Den zweiten Teil dieser Expertise lesen Sie in der nächsten Ausgabe der ÖGZ.

Mag. Rudolf Siart ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, Siart + Team Treuhand GmbH, 1160 Wien, Enenkelstr. 26, Tel.: 01/493 13 99, siart@siart.at, www.siart.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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