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Die Registrierkasse als Chance

16.03.2016

Steuerberaterin Christiane Holzinger im Interview über Widerstände gegen die Registrierkasse, Kontrollen der Finanzbehörden und Vereinfachungen im Unternehmeralltag. 

Christiane Holzinger: "Wir haben den Unternehmern die Kasse auch als Chance vorgestellt".

Seit Anfang des Jahres gilt die Registrierkassenpflicht. Was sind denn dabei die größten Herausforderungen für Unternehmer? Wie sehen die ersten Feedbacks der Betriebe aus?
Christiane Holzinger: Anfangs gab es große Widerstände und auch sehr viel Unverständnis seitens der Unternehmer. Vor allem langjährige Unternehmer verstehen die Flut an Änderungen und administrativen Herausforderungen der letzten Jahre nicht mehr. Die größte Herausforderung war für viele, sich hier wieder mit einem neuen Thema beschäftigen zu müssen. Es gab keine grundsätzliche Ablehnung der Einführung des Registrierkassensystems. Die Beschwerden gingen in Richtung der raschen und koordinierten Einführung des Gesetzes bis hin zu den unzähligen Ausnahmen und den unterschiedlichen Fristen. Nach ausführlicher Beratung und der Vorstellung der unterschiedlichen Kassensysteme hat sich die anfängliche Aufregung aber gelegt. Damit hängt auch unsere Aufklärungsarbeit zusammen. Wir haben den Unternehmern die Kasse auch als Chance vorgestellt, um neue Auswertungen, eine Übersicht zu einzelnen Warengruppen zu erhalten und auch um Daten einfacher in die Buchhaltung übernehmen zu können. Alles in allem sind die Rückmeldungen aus den Betrieben aktuell sehr positiv.

Orten Sie so was wie eine Rechtsunsicherheit? Wenn ja, in welchen Bereichen? 
Rechtsunsicherheit sehe ich am ehesten bei überschneidenden Dienstleistungen, die in ein und demselben Betrieb erbracht werden. Für viele Unternehmer ist oft nicht klar, wie sie damit umgehen sollen, dass sie zwei verschiedene Bereiche in einem Betrieb zusammengeführt haben und welche Umsatzgrenzen hier zu beachten sind. Hier empfehle ich in jedem Fall ein Gespräch mit dem Steuerberater, um Unsicherheiten vorzubeugen.

Gibt es seitens der Finanzbehörden schon Kontrollen? Wie laufen die ab? Wird schon gestraft?
Wir haben schon von Kontrollen erfahren und auch gleich reagiert und unsere Kunden informiert. Aktuell wird überprüft, ob eine Registrierkasse überhaupt schon vorhanden ist und ob die Einzelaufzeichnungspflicht erfüllt wird. Momentan wird nicht abgestraft. Grundsätzlich ist ab 1. April eine Registrierkasse verpflichtend und die straffreie Übergangsfrist endet. Ein Unternehmer kann ab diesem Zeitpunkt ebenfalls straffrei bleiben, wenn es triftige Gründe dafür gibt. Es ist glaubhaft zu machen, warum die Registrierkasse nach dem 1. April noch nicht im Unternehmen ist. Dies kann durch Vorlage der Bestellung erfolgen mit dem Hinweis, dass es beispielsweise Lieferverzögerungen gibt. 

Es gibt Gastro-Betriebe, die sich die Registrierkassenpflicht nicht antun wollen und zugesperrt haben. Können Sie das nachvollziehen? Sind die Anschaffungskosten wirklich so hoch, dass sie existenzgefährdend sind? Oder hat das andere Gründe? 
Persönlich habe ich auch davon gehört. Konkret kenne ich zwei Beispiele, wo es hauptsächlich daran liegt, dass die Inhaber sich aus Altersgründen nicht mehr damit beschäftigen wollen. Ihre Umsätze überschreiten leicht diese Grenzen und Ihnen fehlt schlichtweg die Motivation sich mit den neuen Techniken auseinanderzusetzen – so die Argumentation. Die Kosten halten sich aufgrund der unzähligen tollen Angebote auch im Rahmen. Persönlich habe ich aufgrund der individuellen Beratungen in den Betrieben auch viele Vorteile erkannt. Wir haben einen besseren Überblick, und durch das Einführen der Registrierkasse wird auch die Arbeit in der Buchhaltung durch die richtige Kombination von Systemen einfacher. Nach den anfänglichen Aufregungen, die vor allem in der Gastronomie sehr emotional behaftet waren, hat sich aber die Stimmung schon sehr stark verbessert. Ich habe den Eindruck, dass sich viele Gastronomen vom Gesetzgeber als besonders benachteiligt sehen, was ich auch nachvollziehen kann. Die Einführung der Registrierkassenpflicht hat das Fass sprichwörtlich zum Überlaufen gebracht. In den letzten Wochen galten die Beschwerden aber eher den unzähligen Belegen und der damit verbundenen laufenden Kosten und der Umweltverschmutzung.

Haben Sie eine Empfehlung, was die Auswahl eines Registrier­kassen-Anbieters angeht, bzw. welches System erscheint aus Ihrer Sicht für Gastro-Betriebe sinnvoll? Mit welchen Kosten ist zu rechnen? Was sollte ein System können? 
Ich empfehle meinen Kunden immer eine Abstimmung des zukünftigen Registrierkassensystems mit dem Buchhaltungssystem, um hier Synergien zu nutzen. Egal ob ein Online-System oder eine stationäre Kasse: Die richtige Auswahl senkt die laufenden Kosten, wenn die Daten übernommen werden können. Der Hersteller sollte alle gesetzlichen Anforderungen für 2016 und auch 2017 gewährleisten. Die Kosten sind sehr unterschiedlich, abhängig davon, was die Anforderungen an die Kasse sind. Je größer der Betrieb, die unterschiedlichen Warenkategorien, die Zahlungsmethoden, die Kunden- und/oder Lagerverwaltung, umso höher auch die Kosten. Meine Empfehlung ist es, die Anforderungen vorab kurz mit dem Steuerberater für den eigenen Betrieb zu besprechen und diese Informationen dann an den Kassenhersteller der Wahl weiterzugeben. Wir haben hier sehr gute Erfahrungen gemacht, da sich viele Kassenhersteller auch mit dem Thema Auswertungen und Schnittstelle zur Buchhaltung beschäftigt haben.

Angenommen, Stammgäste lassen bei ihren Wirten „anschreiben“ und bezahlen am Monatsende oder quartalsweise z. B. mit Erlagschein oder auch bar. Beim Verlassen des Lokals haben diese Gäste somit keinen Kassenbon, da sie ja monatlich bezahlen. Könnte dies bei Kontrollen problematisch werden und Gastwirt und Gast in Erklärungsnotstand bringen? 
Die verpflichtende Belegerteilungspflicht ist in jedem Fall einzuhalten. Eine Möglichkeit wäre es, den Beleg mit dem Vermerk Rechnung auf Ziel auszustellen. Der Wirt könnte dann in weiterer Folge anhand dieser offenen Belege eine Monatsrechnung erstellen. Aus persönlichen Gesprächen mit vielen Unternehmern weiß ich aber, dass die meisten aufgrund des zusätzlichen Aufwandes in Zukunft darauf verzichten werden.

Zur Person

Christiane Holzinger ist Steuerberaterin. Ihr Unternehmen „360 Business Planner“ bietet neben Steuerberatung auch Unternehmens-, Gründungs- sowie Finanzierungsberatung an.
360* Business Planner, Karfreitstr. 17, 9020 Klagenfurt, 
T +43/463/34 83 88-10,
E office@360planner.at,
www.360planner.at

Autor/in:
Alexander Grübling
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