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Die starken Marken des guten Geschmacks

09.09.2008

Die Region Marken zählt zu den interessantesten Weinbaugebieten Italiens und ist auch sonst kulinarisch ergiebig

V om italienischen Institut für Außenhandel ICE organisiert, war eine Gruppe von Journalisten und Weinfachleuten aus ganz Europa eine Woche in Mittelitalien unterwegs. Man sagt von den Marken, sie seien so etwas wie ein "Destillat" von Italien: Was das kulinarische Angebot betrifft, sind die Marken sogar ein Konzentrat: Sie sind eine Region für Entdecker und Individualisten.
Castelli di Jesi
Die "Heimat des Verdicchio", der schon von den Etruskern und später den Kelten kultiviert wurde, ist Jesi. Wie in der kleineren DOC Matelica spielt hier die alte Sorte die Hauptrolle in der önologischen Landschaft. Die topologische Landschaft rund um Jesi ist von gemischter Landwirtschaft geprägt, die Weingärten eher als "Fleckerlteppich" angelegt. Jesi (sag niemals Tschesi), auch "Milano der Marken" genannt, beherbergt eine professionell geführte Gebietsvinothek, in welcher der Verdicchio die erste Geige spielt. Es wurde eine Blindverkostung organisiert, die einen guten Überblick über die nähere Umgebung gab. Zu den anschließend besuchten Weingütern gehört Marconi mit einem Verdicchio dei Castelli di Jesi Classico Superiore 2007, Fazi Battaglia mit einem 2005er der selbigen DOC (zeigte das durchaus vorhandene Reifepotenzial des Verdicchio), Conti di Buscareto mit einem aromatischen Lacrima di Morro d´Alba (von dieser autochthonen roten Sorte wird noch die Rede sein) und der Rosso Conero (die Betonung auf dem zweiten "o") Riserva 2004 von Umani Ronchi. Dieser reinsortige Montepulciano stammt vom imposanten Monte Conero südlich von Ancona, zur Adriaküste steil abfallend. Er ist meist von einer kernigen Säure und einer in der Jugend manchmal etwas strengen Cassisfrucht und -würze gekennzeichnet und kann einige Jahre Lagerung immer gut gebrauchen.
Wir besuchten das ambitionierte Weingut Cantine Marconi, das uns mit seinem frischen, klassischen Verdicchio überzeugt hatte: Aber auch der Lacrima di Morro d´Alba zeigte eine lebendige, mineralische Art. Spezialität der Region und des Hauses ist ein Likör oder "Weichselwein", die Bevanda aromatizzata a base di vino e visciole. Dafür wird gealterter Lacrima mit Weichseln und Zucker angesetzt und wieder vergoren: Das Ergebnis schreit geradezu nach Schokoladen-Desserts.
Das zweite Weingut, auf dessen Wein wir schon bei unserem ersten ausgedehnteren Arbeitsessen aufmerksam geworden waren, war Conti di Buscareto in Ostra. Nach einer historischen Figur benannt, ist das Weingut doch sehr neu: Erst vor wenigen Jahren wurde eine moderne "Winery" auf die "Grüne Wiese" oder mehr in die Weingärten mit Lacrima di Morro dAlba gebaut. An den Stöcken zeigten sich bereits die Trauben in beeindruckender Größe und mit zapfigem Wuchs. Die Sensorik lässt auf eine Verwandtschaft mit Lambrusco schließen: Die Aromen sind floral nach Rosen, muskierend, mit rotbeeriger Frucht und eigenwilligem, aber sehr sympathischem Ausdruck.
Land der Trüffel
Wenige wissen, dass nicht Alba im Piemont, sondern Acqualagna im Nordwesten der Marken die Welthauptstadt des Trüffels ist. Von hier stammen stolze 2/3 der gesamten italienischen Produktion. Auf ein paar hundert Kilometern Richtung Norden können die teuren Erdschwämme ihren Preis schon einmal verdoppeln oder gar verdreifachen... Seit den Dreißigerjahren kennt man hier das Geheimnis der Symbiose zwischen Wurzeln und Pilzmycel und beherrscht damit die Kunst der Trüffelzucht. Die sogenannten Mycorrhiza ist die Grundlage für das Gedeihen der edlen Knollen, die hier das ganze Jahr über gefunden werden: Trüffelsucher sind immer mit Hund und einem an eine Harpune erinnernden Grabwerkzeug unterwegs und "jagen" die Sommertrüffel (tuber aestivum) von Anfang Mai bis Ende Dezember, die weiße Piemont-Trüffel (Tuber magnatum) von Anfang Oktober bis Ende Dezember, die weiße Marzuolo-Trüffel von Mitte Jänner bis Ende April und die Perigord-Trüffel von Anfang Dezember bis Mitte März.
Pecorino ist auch Wein
Die letzte Etappe im Süden der Marken war die eigentliche positive Überraschung in Sachen Wein. Wieder wurde eine degustatorische Gebietsübersicht vom Consorzio "Vinea" in Offida, diesmal mit nur 35 Weinen organisiert. Danach besucht wurde die Tenuta Cocci-Grifoni im idyllischen Borgo Miriam: Guido Cocci-Grifoni wurde im Jahr 1984 zum Pionier des Pecorino, indem er alte Klone selektionierte und als erster wieder reinsortig ausbaute. Heute hat die Pecorino-Welle das ganze Gebiet von Ascoli Piceno erfasst.
Etwas Zeit blieb noch für einen weiteren Besuch: Wir fuhren durch ein auch landschaftlich wunderbares Weinbaugebiet mit größeren, zusammenhängenden Weingartenfluren und rollenden Hügeln. Sie sind nach Südosten hin zur Adria offen, die immer vorhandenen Winde sorgen für schnelles Abtrocknen und wenig Fäulnisdruck: kein Wunder, dass hier auch viele Bio-Winzer zu finden sind. Eines der größten Bio-Weingüter überhaupt ist Saladini-Pilastri. Über 100 Hektar bewirtschaftet der Nachfahr einer Familie mit 1.000-jähriger Geschichte. Die Weine begeistern mit einer tiefen Struktur, komplexen Art und auch mit ihren erstaunlich günstigen Preisen. Für die Cuvée des großartigen gräflichen Lieblingsweins, des Pregio del Conte, wird auch ein großer Anteil Aglianico (aus dem wahrscheinlich nördlichsten Weingarten der spätreifenden Sorte) verwendet: Ein weiteres köstliches Beispiel für die Vielfalt der Region Marken.
www.regione.marche.it
Walter Tucek

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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