Direkt zum Inhalt
Top 10 der Tiroler Tourismusverbände, gemessen an der Wertschöpfung

Die unterschätzte Wertschöpfung

28.06.2018

Auch Regionen mit wenigen Nächtigungen generieren über den Tourismus eine Menge wirtschaftliche Wertschöpfung. Eine aktuelle Studie zeigt: In Tirol und Salzburg profitieren Regionen mit wenigen Gästen besonders.

 

Dort, wo viele Gäste absteigen, profitiert die regionale Wirtschaft am meisten, lautet ein scheinbar logischer Schluss. Allerdings hält diese Aussage bei genauerer Betrachtung nicht den Tatsachen stand. Wieso das so ist, erklärt eine aktuelle Studie der in Innsbruck ansässigen Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsforschung (GAW). Dort wurde nämlich nicht nur die direkt erzielte Wertschöpfung des Tourismus untersucht, sondern auch indirekte sowie induzierte Effekte, die der Tourismus auf andere Branchen hat. 

„­Nächtigungskaiser sind nicht immer die­ ­Wertschöpfungskaiser.“
Stefan Saigner 

Was ist damit gemeint? Indirekte Effekte bestehen dann, wenn etwa ein Hotelier aus dem Ötztal eine Werbeagentur in Innsbruck beauftragt, die neuen Speisekarten zu gestalten und zu drucken. Induzierte Effekte gibt es dann, wenn etwa der Koch aus dem Zillertal in die Stadt zum Essen fährt. Die GAW hat sich Tirol und Salzburg angesehen. Tirol verzeichnete 2017 47,9 Millionen Nächtigungen (bei einer Aufenthaltsdauer von 4,1 Nächten), Salzburg 28,3 Millionen (bei einer Aufenthaltsdauer von 3,7 Nächten), womit die beiden Bundesländer in Summe rund 50 Prozent aller Nächtigungen in Österreich auf sich vereinen. In der Vergangenheit wohl Grund genug, den beiden Bundesländern das Prädikat „Tourismusland“ zu verleihen.

Bedeutung für Regionen

Die Ergebnisse für Tirol sind nun publik. Und durchaus aufschlussreich. Demnach profitieren die kleinen Tourismusregionen überproportional stark von den Nächtigungen der Tourismus-Hochburgen. Studienautor Stefan Haigner zur ÖGZ: „Wir zeigen zudem, welche Bedeutung der Nächtigungstourismus auf Ebene der Tourismusverbände hat und zwar in Bezug auf Wertschöpfung, Beschäftigung und Einkommen.“

Wie die Abbildung zeigt, führt „Innsbruck und seine Feriendörfer“ das Feld mit großem Abstand an. Konkret ist der gesamte Wertschöpfungseffekt für „Innsbruck und seine Feriendörfer“ 1,18 Milliarden Euro für die Saisonen Sommer 2017 und Winter 2017/18 und damit fast dreimal so hoch wie im Ötztal mit 409 Millionen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass „Innsbruck und seine Feriendörfer“ sehr stark über den Umweg der indirekten und induzierten Effekte vom gesamten Tiroler Nächtigungstourismus profitieren. Gemessen an der direkten Bedeutung liegen „Innsbruck und seine Feriendörfer“ hinter dem Ötztal, und damit im Bereich von „Paznaun – Ischgl“ oder „Serfaus – Fiss – Ladis“. Ein ähnlicher Effekt lässt sich für die „Silberregion Karwendel“ feststellen, die mit einer direkten Wertschöpfung von lediglich 32 Millionen Euro deshalb unter die Top 10 kommt, da die Silberregion indirekt und induziert zusätzlich mit knapp 200 Millionen Euro vom Nächtigungstourismus profitiert. Damit ist aber für die Silberregion die indirekte und induzierte Bedeutung des Nächtigungstourismus sechsmal so hoch wie der Nächtigungstourismus selbst. In der direkten Wertschöpfung liegt die Silberregion hingegen auf Platz 29 von 34.  

Vor diesem Hintergrund wäre es laut Studienautor Haigner nur konsequent, wenn man in der Darstellung der Branche weg von der reinen Nächtigungsbetrachtung und hin zur regionalwirtschaftlichen Wertschöpfungsbetrachtung gehen würde. „Und zwar egal, ob das den Tourismus allgemein betrifft, Kultureinrichtungen wie die Salzburger Festspiele, sportliche Großveranstaltungen oder touristische Infrastruktureinrichtungen wie Skigebietszusammenschlüsse“, so Haigner weiter. 

Autor/in:
Daniel Nutz
Werbung

Weiterführende Themen

Tourismus
20.11.2018

Ex-UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und Ministerin Köstinger sprachen über Wege des nachhaltigen Wirtschaftens.

Peter Lammer schupft die Küche im Johanneskeller in Salzburg.
Tourismus
12.11.2018

Die Wirtschaft floriert, und der Fachkräftemangel nimmt zu. Das betrifft vor allem die Gastronomie und Hotellerie. Eine Personalreserve stellen Menschen mit Behinderungen dar. Aber erst wenige ...

Expertise
08.11.2018

Jammern Sie nicht über fehlende Bewerber für Lehrstellen. Nützen Sie die Möglichkeiten, um Ihre Zielgruppe zu erreichen. Expertentipp von Robert Frasch.

Abg.z.NR Franz Hörl, Obmann des Fachverbands der Seilbahnen Österreichs, Dr. Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung, Dr. Erik Wolf, Geschäftsführer des Fachverbands der Seilbahnen Österreichs
Tourismus
03.11.2018

Skifahren bleibt wichtigstes Standbein im Wintertourismus. Mit mehr als 50% Marktanteil ist Österreich unangefochtener Marktführer in Europa. Die heimischen Seilbahnen setzen massiv auf Erlebnis ...

Tourismus
30.10.2018

Tourismuswachstum: Um auf der guten Konjunkturwelle zu reiten, fehlt es weiter an Personal.

Werbung