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Die Welt des Weins in Wien

12.12.2005

Pressegespräche mit Heinz Kammerer, dem Gründer und Geschäftsführer von Wein & Co, sind immer irgendwie erfrischend anders. Da sitzt nicht der erfolgreiche Chef mit seiner PR-Lady und färbt die Zahlen in rosige Worte. Nein, hier sitzt einer, der mit offenen Worten auch mal Kurskorrekturen zugibt.

„Wir haben die Expansion in Richtung Osteuropa kurzfristig abgesagt, weil die Mittelschicht dort noch nicht so weit ist, die Kosten mindestens genauso hoch sind wie in Österreich und es fast unmöglich war, qualifizierte Mitarbeiter zu finden.“ Mit diesem Satz erklärte Heinz Kammerer anlässlich der Wein-Show „MondoVino“ in der Wiener Hofburg die Kursänderung.
Deshalb setzt Kammerer auf neue Ideen: Franchise-Shops in kleineren Ballungszentren mit 20.000 bis 60.000 Einwohnern, bevorzugt in Verbindung mit Gastronomie. Dafür kämen in Österreich noch ca. 20 bis 30 Städte in Frage, er könne sich aber den ganzen deutschsprachigen Raum dafür vorstellen. Die zweite Idee ist gerade in einer Pilot-Phase und betrifft Fünf-Sterne-Hotels in Städten, in denen „Wein eine Rolle spielt“. In diesen Häusern sei die Gastronomie oft problematisch zu führen, deswegen habe man nach einem Londoner Vorbild ein Gastronomie-Konzept mit Restaurant, Bar und Shop entwickelt, das „durchaus weltweit“ funktionieren könne. Die Verhandlungen mit dem ersten Haus im Raum Wien seien so gut wie abgeschlossen, den Namen könne er mit Rücksicht auf den Hotelpartner aber noch nicht bekannt geben, die Eröffnung sei für Mai 2006 geplant.
Umdenken bei den Kunden
Wein muss schmecken und ein „Markenbewusstsein“ haben. Die derzeitigen Erfolge mit österreichischem Wein, der inzwischen knapp zwei Drittel des Umsatzes ausmache, müsse man nun mit gezielter Markenpflege weiter entwickeln. Das Sortiment beginnt bei 3,50 Euro, am besten verkaufe sich der Bereich zwischen 7 und 15 Euro. Auch Hochwertiges liege wieder klar im Trend, müsse aber den Preis rechtfertigen: „Was nur teuer ist, und keiner weiß warum, findet keine Abnehmer.“ Besonders erfreulich sei die Renaissance der autochthonen- und Aroma-Sorten. Kammerer zum Abschluss: „Die Gebiete werden eine immer größere Rolle spielen“ und wer ihn kennt, darf vermuten, dass er in Gedanken bereits beim Wein-Tourismus gelandet ist.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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