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Die Wiederentdeckung des Schlafens

06.06.2017

Viele Menschen schlafen schlecht. Schlafen ist die Kernkompetenz von Hotels. Daraus lässt sich doch was machen! Ein Trend-Guide macht Vorschläge.

Trend-Guide Schlafen
Trend-Guide Schlafen

Zu bestellen unter www.hotelderzukunft.at, eine gemeinsame Plattform von Wirtschaftskammer, Zukunftsinstitut und Partnerunternehmen.

 

Die Heldenerzählungen von vier Stunden Schlaf und Topleistungen im Job sind passé. Heute gönnt man sich gerne ein paar Stunden mehr in der richtigen Umgebung. Guter Schlaf ist in einer immer unruhigeren Gesellschaft zum Luxusgut geworden. Immer mehr Menschen klagen darüber, dass sie schlecht schlafen. „Das Bedürfnis nach einem Paradigmenwechsel, der das Thema Schlaf in unserer kulturellen Wahrnehmung neu einordnet, scheint immer stärker zu werden“, schreibt Herausgeber Harry Gatterer vom Zukunftsinstitut im „Trend-Guide Schlafen“ der Plattform Hotel der Zukunft. „Unsere Gesellschaft wechselt gerade von schlafignorierend zu schlafbewusst – eine Tatsache, die der Hotellerie sehr entgegenkommt.“ Gatterer und die Autoren des Trend-Guides berichten aus der internationalen Schlafforschung, stellen kulturell unterschiedliche Schlafgewohnheiten vor, analysieren die Bedingungen für einen guten Schlaf und präsentieren zahlreiche Best-Practice-Beispiele aus der nationalen und internationalen Hotellerie zum Thema Schlafen.

Zu warm oder zu kalt

Das „Kissenmenü“ ist in vielen Hotels schon Standard, verschiedene Bettdecken zur Auswahl noch nicht. Viele Menschen geben an, wegen der Zimmertemperatur nicht richtig schlafen zu können: Entweder ist es zu warm oder zu kalt, die Klimaanlage zu laut oder sie lässt sich nicht richtig einstellen oder sie funktioniert gar nicht. Viele Befragte klagen auch über zu viel Lärm im Hotel.
Four Seasons setzt auf eine ganzheitliche Kampagne zum Thema Schlaf: „Signature Sleep“ bietet eine Vielzahl an Informationen für den Gast, dessen Schlafpräferenzen analysiert werden. Das bekannt unkonventionelle Andaz Hotel in London hatte seinen Gästen vor kurzem das Angebot gemacht, sich von Journalisten Gute-Nacht-Geschichten vorlesen zu lassen. Das Swissotel Berlin bot seinen zu Hause schlecht schlafenden Gästen vor einigen Jahren einen „Schlaf-gut-Service“ mit Soundkissen, Calm-down-Getränken und medizinischer Schlafanalyse an. Außerdem wurden die Gäste vor dem Einschlafen an einen Generator angeschlossen, der Höhenluft abgibt – was zu einer Entspannung des Körpers führen soll. Am Morgen wartete zum richtigen Aufwachen ein Wake-up-Drink aus frischen Kräutern sowie eine Bestrahlung mit einer 10.000 Lux hellen Lampe.

Schlaf-Menü

Das Corinthia Hotel in London hat ein spezielles „Schlaf-Menü“ entwickelt: Die an Tryptophan und Magnesium reichen Mahlzeiten regen den Melatoninhaushalt im Körper an – das ist gut fürs Schlafen. Seit November 2016 ist das Hotel auch Schauplatz für die Stress- und Hirnforschung: Eine bekannte Neurowissenschaftlerin setzt sich zwölf Monate lang mit der mentalen Resilienz des Personals und von Stammgästen auseinander. 

In Österreich zählt das Weisse Rössl zu den Pionieren beim Schlaf: Gudrun Peter hat mit ihrer Schwester Dr. Iris Berner eine Schlaf-Expertin an ihrer Seite. Gemeinsam hat man die Zimmer schlafoptimiert: Elektromagnetische Strahlungen wurden reduziert, und man setzt die nachweislich schlaffördernde Zirbe in Kissen und Möbeln ein. Dazu gibt es schlaffördernde Menüs am Abend und therapeutische Behandlungen im Wellnessbereich. Das Alpenresort Schwarz in Mieming beschäftigt einen Schlaf-Coach, der Vorträge hält und Gäste individuell betreut. Das Holzhotel Forsthofalm in Leogang setzt gar auf Mondholz (bei abnehmendem Mond gefällt), das soll für eine entspannte Nachtruhe sorgen. Die Holzwände sind leim- und metallfrei. 

Unterm Sternenzelt

Noch radikaler geht das Null-Stern-Hotel zweier Schweizer Konzeptkünstler vor: Man schläft in einem Bett in der freien Natur: ohne Wände und Decken, neben sich nur den rauschenden Bach und über sich das Sternenzelt. Sollte es regnen, steht ein nahegelegener Heustall zur Verfügung. Ob das dem Schlaf wirklich dienlich ist? Ich habe mal im Garten eines kroatischen Hauses direkt am Meer übernachtet – in einer Hängematte. Ich habe kein Auge zugemacht. Katzen schlichen um mich herum, Fledermäuse flatterten über meinem Kopf, die Brandung rauschte irrsinnig laut, ständig war was los. Das war wohl in der Schweiz anders: Das Null-Stern-Hotel war 2016 jedenfalls komplett ausgebucht. Die Übernachtung mit Butlerservice kostete 230 Euro.

 

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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