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Dieser letzte „Gang“ muss sitzen

27.04.2020

Drei Kategorien und eine simple Frage reichen zum Gäste-Glück nach der Mahlzeit: Der Digestif ist ­wirtschaftlicher „Bringer“ und Qualitätsbekenntnis zugleich. Das sind die Ergebnisse der ÖGZ-Verkostung.

Man hat die Frage schon länger nicht gehört: „Derf’s no a Schnapserl sein?“ Klar, die heimische Gastronomie befindet sich ja auch im „Shutdown“. Aber auch ohne Corona boten immer weniger Gastgeber aktiv einen Digestif an. 95 Prozent der Gäste mögen die flüssige Verdauungshilfe vielleicht ablehnen – mit den verbliebenen fünf Prozent aber lässt sich ein Deckungsbeitrag erwirtschaften oder liegen lassen. Denn die Maxime „weniger, aber besser“ greift im Spirituosen-Konsum. Niemand wird einem Vogelbeer um vier Euro pro Stamperl vertrauen, das hat sich herumgesprochen. „Edelbrand“ mag eine technische Kategorie sein, aber das Wort sagt auch, dass es um den besonderen Aufwand des Brenners geht. Den man auch honoriert.

Im Wesentlichen reichen drei Angebote, um die Gäste „après“ glücklich zu stimmen: internationale Klassiker, (italienische) Bitterliköre und Edelbrände aus Österreich. Verändert hat sich die Anforderung an die erste Kategorie: Rum hat hier den früher beliebten Whisky oder Weinbrand zum Kaffee abgelöst. Vor allem für die Freiluftsaison (und sie wird kommen!) sollte man hier etwas parat haben. Dann werden auch Zigarren ausgepackt und mit einem Blinzeln in die Sonne wähnt man sich auch auf heimischen See-Terrassen in der Karibik. 

Die Ergebnisse der ÖGZ-Verkostung

Bitter-Mann

Hämmerle: ÖGZ-Gold für „erdige“ Endlosigkeit

Mit dem Besten aus der Natur und in bestem Einklang mit der Natur, mit einer jahrzehntelangen Geschichte und mit Blick in die Zukunft, zeitgleich, zeitlos und zeitgemäß, ohne Kompromisse und mit den höchsten Ansprüchen, lautet die Devise von Hämmerle.

„Erdig wie ein Lehmkeller“, so die ÖGZ-Jury, kommen die Wurzel-Bitter-Töne – sowie etwas Farnkraut – schon im Duft durch. Sehr mild im Antrunk, legt er beständig zu und bleibt ewig lang haften. Rückaroma nach Fenchelsaat und „markant als Alpin-Digestif“.

Privatbrennerei Gebhard Hämmerle // Hämmerle Enzian / 43 % / www.haemmerle.com

 

 

Bitter-Mann
French Nussini

Ferrand: Mit ungewöhnlichem Profil zu ÖGZ-Gold

Vor langer Zeit benutzten die Cognac-Produzenten verschiedene Fass-Sorten, um eine große Bandbreite an Geschmack und Komplexität zu erhalten. Diese Tradition lässt das Haus Ferrand wieder aufleben, um einen einzigartigen Cognac hervorzubringen.  

Wunderbarer Duft nach Ganz-Trauben-Nuss-Schokolade, etwas Kletzen und grüner Haselnuss. Zarte Süße – man denke an Orangenmarmelade – mit seidenweichem Mittelteil, der nussig-trocken wie ein Sherry ausklingt. „Digestif, der über der Kategorie hinausragt.“

Cognac Ferrand // Pierre Ferrand Réserve Grande Champagne Finish im Banyuls-Fass / 42,3 % / Ferrand Deutschland / www.transgourmet.at

 

French Nussini
Irish Toffee

Baileys: Ein cremig-samtiger Klassiker zum Kaffee

Im November 1974 wurde der Whiskeylikör Baileys am Markt eingeführt. Die deutsche Markteinführung folgte 1979. Baileys ist für mehr als 50 Prozent aller Spirituosenexporte aus Irland verantwortlich und mit einem Marktanteil von etwa 50 Prozent weltweiter Marktführer unter den Sahnelikören.

Milchkaffee, Haselnuss-Creme, vor allem aber Whisky-Toffee („Fudge“) im Duft. Besitzt samtig-rahmiges Mundgefühl wie ein flüssiges „Fanfare“. Erst ganz am Ende wird etwas Alkohol spürbar. So ist er „nicht nur zum Dessert etwas, er ist die Nachspeise“.

Baileys // Original Irish Cream / 17 % / www.diageo.com

Irish Toffee
Schmusekätzchen

Zacapa: Balanceakt zwischen Würze und Süße gelungen

Ron Zacapa Centenario ist ein Rum aus der Region Zacapa in Guatemala, der von der 1930 gegründeten Licorera Zacapaneca hergestellt wird. Der Rum reift in einer Höhe von 2.300 Metern in den Bergen, wo er in Ex-Bourbon-Eichenfässern gelagert wird.

Melasse, dunkler Honig und ein Duft wie „Maltesers“ stimmen ein. Der sanfte Auftakt bringt viel (Pekan-)Nuss, Vanille und Vollmilch-Schoko mit, die feine „Kante“ im Finish setzt den Kontrapunkt für das insgesamt balancierte Profil des Publikumslieblings.  

Ron Zacapa // Zacapa Centenario 23 Sistema Solera / 40 % / www.diageo.com 

Schmusekätzchen
Artischocking!

Agnoni: Bittersüßer Begleiter zum Kaffee

Zwischen Bergen und dem Meer liegt die Azienda Agricola Agnoni südlich von Rom in Cori. Der landwirtschaftliche Betrieb stellt neben Olivenölen und Sauergemüsen auch Liköre her. Basis sind immer beste Rohwaren und traditionelle Herstellungsmethoden.

Bei aller „Bitter-Power“ kommen auch zart weihnachtliche Düfte durch („die Nelke macht’s!“). Süßer Antrunk wie ein Nusslikör, dann immer deutlicher Artischocken bis ins lorbeerwürzige Finale. „Ideal zur Esterházy-Schnitte mit und ohne Kaffee dazu.“

Agnoni // Amaro al Carciofo / 16,9 % / Importeur: www.osfizo.at 

Artischocking!

 

 

Autor/in:
Roland Graf
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