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Digestif: Kraftvoll, fruchtig, unterschätzt

07.12.2021

„Wer Sorgen hat, hat auch Likör“, heißt es. Dass im Lockdown daheim mehr Spirituosen konsumiert wurden, könnte endlich auch wieder dem „Schnaps danach“ im Lokal Auftrieb geben.

Die Psychologie bezeichnet den unangenehmen Moment, wenn’s ans Zahlen geht, mit einem schönen Begriff: Nachkaufdissonanz. Das gesamte Menü wird vom Gast nochmals im Geiste durchgegangen – vor dem Hintergrund der finalen Preisinformation.

Einen Grappa aufs Haus

Jetzt sollte eine weitere „Information“ folgen, die diese Zweifel zerstreut. Und bei cleveren Wirten hat diese oft flüssige Form. Edelbrand, „Grappa auf Haus“ oder ein paar Pralinen aus der Patisserie samt einem Schluck Rum oder Cognac wirken aber nicht erst nach dem Zahlen entspannend. Dass früher der eigentliche Abschluss bei einem „Business Lunch“ erst beim Zuprosten mit dem Digestif gültig war, hatte schon seinen Sinn. Der Magen arbeitet, das Destillat entspannt. Vorausgesetzt, es wird auch aktiv angeboten. Denn nicht jeder Gast muss noch Auto fahren. Oft ist es der Mangel an Optionen, der den Schnaps nicht „weiterbringt“.

Dass aufgrund des Gin-Hypes vielleicht lieber ein solcher getrunken wird als der „altmodische“ Kräuterlikör, sollte man wissen – und den „Gin-Tonic“ ebenso aufzählen wie Weinbrand oder Rum zum Abschluss. Mit Kaffee sind ohnehin nahezu alle Aromen anschlussfähig, wie der in Frankreich gepflegte „Café gourmand“ zeigt. Eine durchaus nachahmenswerte Servierart, die ein „schweres“ Dessert durch Gourmandisen und 2 cl Cognac oder andere Spirituosen zum Espresso ersetzt. Mit wunderbarem Deckungsbeitrag, sei nebenbei erwähnt! Was man da neben die Tasse (oder den Rechnungsbon) stellen könnte, klärte das ÖGZ-Kostquartett. Zum Wohl!

ÖGZ-Sieger der Kategorie "Digestif"

Schneeberger: Mit Würze zur „ÖGZ-Goldenen“

Schnäpse destilliert der Hansi Schneeberger eigentlich schon lange. Mit dem Aufkommen der Gin-Kultur 2014 hat ihn auch das zunehmend interessiert. Der Weg zum Gin – von der ersten Idee bis zur ersten abgefüllten Flasche – hat dann doch zwei Jahre gedauert. 

Nachdrücklich von Beginn weg: Wacholder und Pinien in einem intensiven Duft. Mit Zeit auch etwas Himbeere zu erahnen. Sanft und wieder zart „waldig“ am Gaumen, fast schon harzige Töne und deutliche Kraft. Letzteres lässt ihn auch im Longdrink bestehen. „Austro-Variante mit ordentlichen Kanten.“

Weingut Schneeberger // Hansi Dry Gin / 43,5 % / € 29,50 www.weingut-schneeberger.at 

Schneeberger: Mit Würze zur „ÖGZ-Goldenen“
Domäne Wachau: Mit Schmelz zu ÖGZ-Gold

Die Domäne Wachau produziert auch Edelbrände, geprägt von Rebsorte und Terroir. Die Brände werden in Kupferkesseln doppelt gebrannt und es wird kein Zucker, kein Fremdalkohol und auch kein Aromastoff zugesetzt: 100 % reine Destillate mit Wachauer Herkunft!

Single Malt trifft Trockenbeerenauslese: Toffee, Orangenkandis und Honig, zarter Honig-Ton. Überaus viskoses Mundgefühl, das mit Vanille und Kaffee-Creme-Noten an Eiskaffee erinnert. Schmelziger Austro-Weinbrand, der auch als Dessertzutat (ein paar Tropfen zum „Lava-Cake“) überzeugt.

Domäne Wachau // XA22 Grüner Veltliner Weinbrand / 40 % / € 33,– www.domaene-wachau.at 

Domäne Wachau: Mit Schmelz zu ÖGZ-Gold
Metaxa: Duftig und rund holt er sich ÖGZ-Gold

Im Jahre 1888 kreierte Spyros Metaxa die nach ihm benannte Spirituose in einer Destillerie in Piräus. Als Logo wurde eine antike Münze mit einem Krieger gewählt, die beim Bau-Aushub gefunden worden war. Stilisiert findet sich diese nach wie vor auf den Etiketten.

Einfach reinriechen! Rosinen und Karamellschokolade, gekrönt von zartem Rosenduft und Orangenblüten. Sanftes und zart-süßes Mundgefühl, das neben Nuss-Schokolade auch Kakaopulver und gemahlenen Piment mitbringt. Im Finish auch klar die Muskattraube präsent – „großartig und gerundet“.

Metaxa // Metaxa Private Reserve 40 % / € 59,90  Importeur: www.topspirit.at 

Metaxa: Duftig und rund holt er sich ÖGZ-Gold

 

 

 

Autor/in:
Roland Graf
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