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Ist die Zukunft des Bezahlens auch in Hotels und bei der Buchung bargeldlos?

Digitale Bezahlsysteme: Wann sie sich für Hotels lohnen

28.01.2021

Hotelketten stellen ganz auf digitale Zahlungen um. Ein Schritt, der für viele kleine Unternehmen noch zu früh kommen dürfte. Doch auch sie beschäftigt momentan das Thema Digital Payment. Denn die starke Kundenauthentifizierung SCA als Teil der EU-Direktive PSD2 ist jetzt verpflichtend. 

Was bedeutet "2 von 3" Sicherheitsfaktoren?

Die starke Kundenauthentifizierung (Strong Customer Authentification, SCA) soll vor Betrug schützen. Für die Freigabe müssen zwei von drei Sicherheitsfaktoren vorliegen – aus den Kategorien Wissen (etwas, das nur die Person weiß: Passwort/PIN), Besitz (etwas, das nur die Person hat: Karte/Handy) und Inhärenz(etwas, das nur die Person ausmacht: Fingerabdruck/Iris). Karteninhaber können SCA-konforme Zahlungen nicht mehr zurückrufen, es sei denn, Missbrauch durch Dritte ist nachweisbar.

Ruby Hotels und Prizeotel schaffen Bargeld komplett ab. Alles läuft digital – selbst Trinkgeldzahlungen. Die beiden Ketten wollen so den Betrieb verschlanken und Kosten sparen. 

Viele andere planen weiter mit Bargeld und beobachten, wie sich die Gästegewohnheiten entwickeln. Marco Riederer, Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatung, rät zur strategischen Herangehensweise: Hotels sollten sich genau überlegen, ob sie den harten Schritt gehen. Oder ob sie ihren Gästen weiter die Wahl zwischen Cash und Cashless lassen. 

Was spricht für die Umstellung auf bargeldloses Bezahlen, was dagegen?

Riederer sieht für Unternehmen operative Erleichterungen in der Lösung. Das Personal muss bei Schicht- oder Tagesabschlüssen kein Bargeld in der Kasse mehr zählen und keine Betragsdifferenzen mehr prüfen. Auch die Bargeldabholung entfällt. Der Kunde erwartet vielfach das Angebot, weil es schnell geht. Die Kehrseite sind aber die Kosten pro Transaktion fürs Unternehmen – die gibt es auch bei bargeldlosen Trinkgeldern. „Hinzu kommt, dass der Trinkgeldanteil dann wieder rausgerechnet und nachträglich an die Mitarbeiter verteilt werden muss.“  Ein Mehraufwand also.

Auch wer am Bargeld festhält, hat es aktuell mit der starken Kundenauthentifizierung (SCA) zu tun. Ihr Kern, die Zwei-Wege-Authentifizierung, ist seit 1. 1. 2021 verpflichtend. Bei Fernzahlungen müssen zwei Faktoren aus den Kategorien Wissen, Besitz, Inhärenz gegeben sein. Was bedeutet das für Hotels? 

Sie sollten die eigene Booking-Engine (Bargeldloses Zahlungssystem) anpassen: durch Einbindung eines Payment Service Providers und Entfernung von  Formularabfragen für Kreditkartendaten. Bei Telefon und E-Mail-Buchungen ist es notwendig, Payment-Links in den Buchungs-Prozess einzubinden. „Die Links sind der einfachste Weg, die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen.“ Zahlungen laufen dann über ein externes oder in die Website eingebundenes Payment-Center, das den Sicherheitsanforderungen entspricht. 

Sind Nachbuchungen möglich?

Ja. Hotels sollten sich eine Erlaubnis zum Nachbuchen einholen, etwa als Teil der Reservierungs-  oder Buchungsbestätigung. Hotels können auch bestimmte Beträge reservieren. Zum Beispiel zusätzlich 10 Prozent vom zu erwartenden Rechnungsbetrag, etwa für Minibarumsätze. Die Reservierung verfällt, wenn sie nicht in eine Buchung umgewandelt wird.

Klappt die SCA bei den OTAs? 

Kommt die Zahlung bereits vorab direkt zwischen Gast und OTA zustande, muss die OTA auch direkt die Authentifizierung und Abbuchung durchführen, erklärt Riederer. Booking.com und Expedia belasten dafür die Kreditkarte des Gastes und aktivieren anschließend eine virtuelle Karte – so kommen die Hotels zu ihrem Geld. Zudem lassen sich bei OTA-Buchungen auch weiterhin Stornierungsgebühren und No-Shows in Rechnung stellen. Das passiert normalerweise problemlos.

Sind Gastrobetriebe gleichermaßen betroffen?

In Restaurants zahlen Gäste in der Regel direkt vor Ort. Bezahlen sie mit Karte und persönlicher PIN, liegt eine elektronische Zahlung vor, bei der zwei der drei Faktoren (Wissen und Besitz) ohnehin gegeben sind. Riederer: „In der Gastronomie ist die SCA daher kein Problem.“

 

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