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Diskontland Österreich?

14.07.2004

ITS-Billa war nur der Anfang – heute drängen ständig neue Billiganbieter auf den Urlaubsmarkt und die beworbenen „Schnäppchen“ sind immer öfter auch namhafte heimische Tourismusbetriebe.

Sieben Übernachtungen für zwei Erwachsene und zwei Kinder im Zillertal in einer Frühstückspension um zusammen 198 Euro inkl. freie Benützung von Erlebnisfreibad, Museum, Bergbahn etc.
So oder so ähnlich schauen zur Zeit manche Urlaubsangebote in Österreich aus. Noch kaum ein Slogan hat – auch wenn er aus einer anderen Branche stammt – den aktuellen Lebensnerv so getroffen wie „Geiz ist geil“. Dabei geht der Trend zum Diskonturlaub gar nicht so sehr vom Reisebüro aus, als – wen wundert’s – von der Dumping-geeichten Handelsbranche.
Denn Reisen buchen immer mehr Leute nicht im Reisebüro, sondern bei Billa, Hofer & Co. Neuerdings auch beim Möbelhändler Kika. „Wir wollen einfach die Kundenfrequenz in unseren Geschäften und unsere Werbekraft nützen, um damit zusätzliche Umsätze zu generieren“, erklärt Kika-Geschäftsführer Ewald Repnik. Als Partner von Kika fungiert der deutsche Reiseveranstalter „Berge & Meer“, eine Tochtergesellschaft des TUI-Konzerns. Reisebuchungen sind im Internet oder telefonisch möglich. Auch die zahlreichen Postwurfsendungen sollen um einige Reiseseiten erweitert werden.
Dabei sind es keineswegs nur Kleinbetriebe der unteren Kategorien, die solcherarten ihre Betten füllen. So kann man etwa auch das Wiener Parkhotel Schönbrunn über den Lebensmittel-Diskonter Hofer buchen. Und erst kürzlich sorgte Salzburgs Wirtschaftskammerpräsident Rainhardt Buemberger, Hotelier in Abtenau im Tennengau, für Aufsehen. Auch er bietet sein Vier-Sterne-Haus „Rother Ochs“ über Hofer an. Vier Nächte mit Halbpension bietet der oberste Standesvertreter ab 149 Euro an. Eintritt ins Schwimmbad plus Lunchpaket inklusive. Vertrieben wird das supergünstige Ange-bot über die ers-Touristik, das ist ein Ableger des Diskonters Hofer.
Mehrere Tourismusdirektoren sind über das Dumpingangebot erstaunt. „Wir verabschieden uns auf diese Weise vom Qualitätstourismus. Das sehen auch viele Kollegen so. Manche Vier-Sterne-Häuser verkaufen sich um achtzig Prozent billiger als gute Zwei-Stern-Betriebe“, kritisiert etwa Christian Kresse, Tourismusdirektor von Leogang-Saalfelden. Bei Buemberges Angebot blieben abzüglich Reisebüroprovision 34 Euro pro Tag. „Wie soll das die Kosten decken?“ Der Salzburger Sommer werde so „verschleudert“.
Der Kammerpräsident kontert: „Es ist eine unbezahlbare Marketingmaßnahme. Ich bin damit in 100.000 Hofer-Prospekten.“ Und geht dabei mit den Kritikern seiner Vertriebsstrategie auf Konfrontationskurs, denn „am teuersten kommen uns die Betten zu stehen, die leer bleiben. Das vergessen diese Herren.“
Die Auswirkungen dieses Trends hinterlassen jedenfalls auch bei großen Branchenanbietern ihre Spuren. Mit einer „Restplatzschleuder“ will das ansonsten eher qualitätsorientierte Verkehrsbüro seit Mitte Juni auch verstärkt im Diskont-Segment mitspielen. „Gute Qualität zu günstigen Preisen ist heute ein Zeichen sozialer Klugheit“, so die Begründung. „Diesem Segment können auch wir uns nicht verschließen“, sagt Verkehrsbüro-Generaldirektor Hans Dieter Toth, der dabei die günstigen Pauschalreisen aus dem Supermarkt kaum als Konkurrenz sieht: „70 Prozent der Kunden, die bei Billa eine Reise buchen, waren noch nie im Reisebüro“, weiß Toth. Es handle sich dabei also eher um spontane und emotionale Entscheidungen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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