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Dobró poschálowat v Ávstriju

31.03.2006

Russland gehört zu den wichtigsten Zukunftsmärkten des österreichischen Tourismus: Erst neun Prozent der Russen verbrachten ihren Urlaub im Ausland und die Kaufkraft liegt weit über dem Durchschnitt.

Österreich wurde am deutschen Reisemarkt von der Türkei vom dritten auf den vierten Platz verdrängt. Damit wird sichtbar, was die Spatzen schon längst von den Dächern pfeifen: Die Ankünfte aus den wichtigsten Herkunftsmärkten wie Deutschland und Niederlande stagnieren. Also, neue Märkte braucht das Land. Zu den wichtigsten Neo-Märkten zählt Osteuropa, im besonderen aber Russland. Deshalb ein „Herzlich Willkommen in Österreich – Dobró poschálowat v Ávstriju“ an alle Russen.
Hohes Potenzial für Tourismus
Noch liegt der heimische Nächtigungsanteil aus den GUS-Ländern bei weniger als einem Prozent, doch in den letzten zehn Jahren hat sich die Anzahl fast verdreifacht. Und das, obwohl erst neun Prozent der russischen Bevölkerung ihren Urlaub im Ausland verbrachten und Österreich vorrangig als Winter- bzw. Skifahrdestination gesehen wird. Laut der Analy-se von Statistik Austria kommen 75 Prozent der russischen Gäste im Winter in die Alpenrepublik, wobei davon 48 Prozent im Jänner anreisen. Grund dafür könnte das russisch-orthodoxe Weihnachts- und Neujahrsfest in diesem Monat sein. Sicherlich hausgemacht ist aber die Verteilung der russischen Gäste in Österreich. „Drei Viertel aller Übernachtungen entfallen auf nur zwei Bundesländer, nämlich Tirol und Salzburg. Den Großteil dieses Kuchens teilen sich wiederum nur ganze zehn Gemeinden“, berichtet Dr. Peter Laimer, Stv. Leiter der Direktion Raumwirtschaft der Statistik Austria. Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Gäste aus Russland mit durchschnittlich 250 Euro pro Tag über eine immense Kaufkraft verfügen und mit 5,9 Tagen an zweiter Stelle der Aufenthaltsdauer liegen. Zum Vergleich: Deutsche Gäste geben durchschnittlich 114 Euro pro Tag aus und die durchschnittliche Aufenthaltsdauer aller Gäste in Österreich liegt bei 4,8 Tagen. Das Potenzial für die heimische Tourismuswirtschaft ist daher enorm. „Am russischen Markt ist noch viel machbar“, bringt es Mag. Emanuel Lehner, Region Manager der Österreich Werbung in Mos-kau, auf den Punkt. Um dafür gerüstet zu sein, ließ die Österreich Werbung in einer Länderstudie die Reisegewohnheiten der Russinnen und Russen erfassen. Das Ergebnis zeigt, dass der Großteil der russischen Touristen auf Erholungsurlaub fahren. Das heißt, die Zahl der Wintersportler und Skiurlauber ist gering. Als wichtigste Informationsquelle für den Urlaub, der mehrheitlich im Reisebüro gebucht wird, dienen Empfehlungen von Freunden und Bekannten. Mit Österreich an sich verbinden die Russen spontan vor allem Skifahren, Berge, schöne Natur und Kultur. Schwächen sieht man bei den Bademöglichkeiten, dem Wetter und der Angst vor Verständigungsproblemen. Herbe Kritik gab es für die beschränkten Ladenöffnungszeiten.
Stärkerer Fokus auf Sommer
„Die stärkere Fokussierung auf die Bedürfnisse der russischen Gäste ist somit ein Gebot der Stunde“, sagt Leo Bauernberger, Geschäftsführer der Salzburger Tourismus GesmbH. Für Bauernberger liegt es klar auf der Hand, dass seitens der touristischen Anbieter noch etliche Hausaufgaben zu erledigen sind, angefangen beim russischsprechenden Personal bis hin zu längeren Ladenöffnungszeiten. Außerdem drängt er darauf, das Angebot in Richtung Thermen, Spa, Wellness und Städte zu verstärken, um die Sommersaison attraktiver zu machen. Immerhin hat sich Salzburg das Ziel gesetzt, die Nächtigungen der russischen Gäste innerhalb der nächsten drei Jahre auf 250.000 zu steigern. Vorher heißt es aber noch eine weitere Hürde zu nehmen: die Visaproblematik. „Das ist derzeit unser größtes Problem“, bestätigt Andrea Stifter, Geschäftsführerin von Vorderegger Reisen. Nicht nur, dass die Incomer (wie Vorderegger Reisen) die volle Haftung für die Gäste übernehmen müssen und der grundsätzliche Ablauf lange dauert, gibt es auch noch Engpässe bei der Ausstellung der Visa, die nur in der Botschaft in Moskau ausgegeben werden. „Wenn das so bleibt, wird es wahrscheinlich Einbußen geben“, warnt Stifter, die die Liebe der Russen für kurzfristige Buchungen kennt. Eine Arbeitsgruppe mit Teilnehmern aus dem Außenministerium und der Tourismusbranche soll dafür praxisgerechte Lösungen entwickeln. Auf die Frage nach Exzessen und Beschwerden winkt Stifter ab: „Die Russen haben mittlerweile gelernt zu reisen, und das merkt man an ihrem Verhalten.“ Und Leo Bauernberger betont noch einmal die Wichtigkeit, sich auf Gäste einzustellen: „Es heißt die Dos-&-Don´ts zu wissen, wie: alle Speisen sollten gleichzeitig auf den Tisch. Die Österreich Werbung bietet dafür Seminare an.“

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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