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Duale Ausbildung am Scheideweg

08.08.2006

Im Zuge der bundesweiten Ausbil­dungseva­luierung – eine Kooperation zwi­schen GastroJobs und tourismusausbildung.at – wurde auch nach den Stärken und Schwächen der dualen Ausbildung gefragt und eine Arbeitsmarktprognose für touristische Lehrlinge abgegeben.

Die Beurteilung der Kompetenzen heimischer Lehrlinge fällt dabei ernüchternd aus: Einzig der Bereich Fachausbildung wird von insgesamt 72,2% der Befragten als positiv bewertet. Ebenfalls noch im akzeptablen Bereich liegt die Einschätzung von 36% der Unternehmen, dass das Tourismusfachwissen der Tourismuslehrlinge „gut“ sei.
Die Befragung deckte aber auch die Problemfelder der dualen Ausbildungsschiene auf: Jeweils knapp 49% der zukünftigen Arbeitgeber stellen der Allgemeinbildung, der Präsentation/Rhetorik und überraschenderweise auch der Computerausbildung eine durchschnittliche Note aus. Noch dramatischer ist die Detailauswertung der Fremdsprachenkenntnisse. Hier meinte ein Drittel aller Befragten, dass diese bei heimischen Tourismuslehrlingen schlichtweg „schlecht“ sei.
Die Beurteilung der Kompetenzen zeigt, dass die fachpraktische Arbeit in den Unternehmen deutlich besser als jene in den Berufsschulen beurteilt wird. Hier muss auch konzeptionell an den Lehrplänen und dem Ausbildungssystem insgesamt etwas verändert werden. Ziel einer solchen Reform sollte letztendlich ein Upgrade der dualen Ausbildung in Richtung der Tourismusschulen sein, die sich vielerorts über die fachpraktische Ausbildung (mangels inhaltlicher Positionierung) definieren und deren Absolventen direkte Konkurrenten am Arbeitsmarkt werden.
Küche als duales Zentrum
Die berufliche Einschätzung der Absolventen der dualen Ausbildung im Tourismus durch die Befragten fällt dabei eindeutig aus: 70% meinten, dass der Bereich Küche/Küchenchef der wahrscheinlichste Beruf sein werde, weitere 63% stimmten für Chef de Partie, 65% für Commis, 68% für Jungkoch/köchin, 58% für Oberkellner und 70% für Servicefachkraft. Bei allen anderen Berufen gab es eine klare Mehrheit gegen den Einsatz in den Unternehmen. So würden etwa 67% der zukünftigen Arbeitgeber niemanden mit Lehrlingsausbildung zum F&B-Manager anstellen, weitere 58% können sich keinen Absolventen der dualen Ausbildung als Cateringleiter und 63% als Front Office-Angestellten bzw. Rezeptionisten vorstellen – hier vertraut man weit mehr den Absolventen der Tourismuschulen – wohl auch wegen deren besserem Auftreten und Sprachkenntnissen.
Insgesamt ergab die Auswertung ein klares Bild der aktuellen Defizite der dualen Ausbildung im Tourismus. Dazu zählen nach Einschätzung der befragten Experten besonders die mangelnden Fremdsprachenkenntnisse, Defizite im Bereich Rhetorik und Präsentation sowie fehlende internationale Praxiserfahrung.
Die befragten Unternehmen konnten auch strukturelle Vorschläge zur Verbesserung der Ausbildungssituation für Tourismuslehrlinge machen. Immer wieder genannt und ausdrücklich gewünscht – besonders in Wien – wurde dabei vor allem der geblockte Berufsschulbesuch der Lehrlinge.
In längeren Berufsschulphasen sollten dabei neben neuen inhaltlichen Schwerpunkten z. B. Kommunikation, Konfliktlösung, Psychologie verstärkt bundesweite Standards durch Einführung verpflichtender Zertifikate in den Fremdsprachen und der Computerausbildung die Arbeitsmarktchancen der Lehrlinge im internationalen Vergleich erhöht werden.
Die fachpraktische Ausbildung sollte noch mehr auf die Betriebe übergehen, wobei auch hier eine wesentliche Änderung gewünscht wird. Die duale Ausbildung sollte nach Einschätzung der befragten Unternehmen insgesamt vier Jahre dauern, wobei im Abschlussjahr ein verpflich­tendes Auslandssemester erfolgt und im weiteren Abschlusssemester an der Berufsschule die Sprach/Computerzertifikate und (optional) weitere Abschlüsse z. B. für den späteren Schritt in die Selbstständigkeit erworben werden sollen.
Und die Betriebe wünschen sich auch die Einführung einer Praxisrotation, d. h. Lehrlinge wechseln jedes Ausbildungsjahr den Betrieb, um möglichst viele Erfahrungen zu sammeln.
In einem sind sich alle Befragten aber einig: Die duale Ausbildung ist ein erfolgreiches Bildungskonzept, das internationales Ansehen genießt und beibehalten werden soll.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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