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Die Aufwände für den Skibetrieb in Ischgl haben sich seit 1994 verdoppelt.

Ein Blick hinter das Skivergnügen

03.02.2016

Ein Skitag aus der anderen Perspektive: Die Silvretta Seilbahn AG und der Pistengerätehersteller Prinoth gewährten im Tiroler Skigebiet Ischgl einen Einblick hinter die Kulissen.

Highend kostet: Ein Pistenfahrzeug des Typs Leitwolf des Südtiroler Herstellers Prinoth (links) kostet bis zu 400.000 Euro und hält etwa sechs Jahre.

Ein Skitag beginnt im grenzüberschreitenden Tiroler Skigebiet Silvretta-Arena Ischgl-Samnaun mit bis zu 23.000 Skifahrern an Spitzentagen um vier Uhr nachmittags. Das ist der Arbeitsbeginn für einen Teil der 530-köpfigen Seilbahnbelegschaft und zwar für diejenigen, die täglich die Pisten präparieren. Allein 22 Pistenfahrzeuge, davon sieben brandneue Pistenfahrzeuge des Typs Leitwolf des Südtiroler Herstellers Prinoth, stehen im Skigebiet im Einsatz, um Skiurlaubern perfekte Pistenbedingungen zu bieten. 
Gerade der heurige Winterbeginn stellte auch für das Tiroler Skigebiet eine Herausforderung dar. Je weniger vorweihnachtlicher Schnee auf den Pisten, umso entscheidender die Pistenpräparierung. Ischgl hilft sich neben einem modernen Flottenmanagement mit einer GPS-gestützten Schneehöhenmessung. Damit lässt sich der Zustand der Pisten punktgenau feststellen und die Bearbeitung bedarfsgerecht planen. Für die Fahrer eine wesentliche Erleichterung. Eine ganz andere Nummer ist da schon die Präparierung mit Seilwinde, etwa auf der Höllkarpiste mit einem Gefälle von 70 Prozent.

 
Kosten enorm gestiegen

Auf die Frage, was ein perfekter Skitag kostet, antwortet Hannes Parth, Vorstand der Silvretta Seilbahn AG: „Es ist die Frage, was man einrechnet, die Investitionen, die Betriebskosten oder die Personalkosten. Wir erzielen gute Ergebnisse und machen Gewinne. Man muss aber auch sehen, dass die Kosten enorm gestiegen sind.“ Den Gästen, so Parth weiter, werde täglich ein perfektes Skivergnügen serviert, ohne dass der Aufwand dahinter erkennbar werde. „Vieles ist in der Erde vergraben, denken wir nur an die Beschneiung“, so Parth. 
Jeder Kubikmeter gemachter Schnee kostet je nach Investition, die dahintersteckt, zwischen zweieinhalb bis fünf Euro. „Wenn man bedenkt, dass wir alleine vor Weihnachten 2,5 Mio. Kubikmeter Schnee erzeugt haben, weiß man, was ungefähr an Kosten und Aufwand aufzubringen sind.“ Hinzu kommen Pistengeräte plus Fahrer plus Betriebskosten. In etwa sechs Jahren beträgt die Lebensdauer eines Pistenfahrzeuges, das in der Anschaffung ca. 400.000 Euro mit Seilwinde und ca. 300.000 Euro ohne kostet. Dazu kommen Reparaturen, Service, Ersatzteile. „Der Aufwand, den wir betreiben, ist unwahrscheinlich. Das geht sich nur aus, wenn uns viele Gäste besuchen, damit wir verdienen und wieder investieren können, um auf dem neuesten Stand zu bleiben.“

Verwöhnte Gäste

Ob das Ende der Fahnenstange in Sachen Präparierung, Komfort etc. bereits erreicht ist, beantwortet Seilbahnvorstand Parth diplomatisch: „Wir haben die Gäste natürlich sehr verwöhnt. Es wird auch immer einen technischen Fortschritt geben, und es wird immer jemanden geben, der etwas Neues bringt, das einen antreibt, es nachzumachen. So gesehen gibt es keinen Stillstand.“ Parth glaubt, dass sich künftig an der Fortbewegung selbst wenig ändern wird. „Wir stellen aber fest, dass die Gäste immer weniger bereit sind, bei schlechtem Wetter Ski zu fahren. Da wird es mehr Schlechtwetterangebote brauchen, was eine Herausforderung darstellt für die Masse der Leute, die wir auf der Piste bewegen.“ Bis zu 18 Mio. Fahrgäste sind es pro Jahr, die die Silvretta Seilbahn AG pro Jahr befördert. 

1.100 Schneekanonen

Für die Beschneiung sind 1.100 Schneekanonen (inkl. Lanzen) im Einsatz. 80 % der Pisten werden beschneit. Allein seit 2013 hat die Silvretta Seilbahn AG 95 Mio. Euro in den Ausbau der Skigebietsinfrastruktur investiert. Fasst man die Kennzahlen für einen perfekten Skitag zusammen, ergibt sich folgendes Bild: Insgesamt gibt es 45 Liftanlagen mit sieben Funitel-, Gondel- und Pendelbahnen, einer Dreiseilumlaufbahn, 25 Sesselbahnen, neun Schleppliften und vier Förderbändern. Die Beförderungskapazität dieser Bahnen beträgt 93.000 Personen pro Stunde und bis zu 18 Mio. Fahrgäste jährlich. Die Aufwände für den Skibetrieb haben sich seit 1994 verdoppelt, und zwar von 24,9 Mio. Euro auf 54,9 Mio. Euro im Jahr 2014. Im selben Zeitraum konnte die Silvretta Seilbahn AG aber auch ihren Umsatz von 30 Mio. Euro auf 72,9 Mio. Euro steigern, hat aber gleichzeitig 272 Mio. Euro in die Infrastruktur investiert.

Autor/in:
Barbara Egger
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