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Ein Burgunder-Doctor namens Juris

07.04.2005

16 verschiedene Weine der alten, anspruchsvollen Rebsorte dokumentierten 23 Jahre des „burgundischen“ Weinschaffens der Familie Stiegelmar.

Bei Juris ist der Blauburgunder schon viel länger die wichtigste Rotweinsorte, nämlich über ein Jahrhundert. Das Weingut nimmt damit eine Sonderstellung unter den heimischen Erzeugern ein – trotz eines gewissen Trends bei den österreichischen Winzern ist nur etwa 1% der gesamten Rebfläche mit dieser Sorte bepflanzt. Juris wurde über die letzten Jahrzehnte zu einem Vorkämpfer für den ehemaligen önologischen Underdog und hat dem Blauen Burgunder gewissermaßen zu seinem angestammten Recht (Burgundicus juris) verholfen. „In den Siebzigern hat es diesen Rotwein in Österreich gewissermaßen nicht gegeben. Bei Juris schon“, sagt Axel Stiegelmar und betont die Pionierleistung seines Vaters Georg, genannt Juri.
In Amerika liegt Pinot noir momentan im Aufwind: Nach dem Kinofilm „Sideways“, in dem die Sorte eine allegorisch-philosophische Hauptrolle spielt, ist der Konsum dieser Weine um 30% gestiegen. Das Bild des Individualisten und Kosmopoliten entspricht auch im richtigen Leben dem des Burgunder-Liebhabers. Das ist der Grund, warum auch Weine von außerhalb der Bourgogne in diesem Kreis unvoreingenommen genossen werden und Juris-Burgunder auch große internationale Erfolge feiern können. Andere Rebsorten liefern vielleicht vorhersehbare Ergebnisse: Der Pinot noir überrascht immer wieder durch seinen charakterlichen Eigenwillen. Die edle Rebe entzieht sich weltweit der Industrialisierung und ist für Stiegelmar die ideale Möglichkeit zur nonverbalen Kommunikation seiner Philosophie. Nicht nur weil der Name Gols sich vom Hl. Gallus ableitet – auch durch sein Festhalten am Blauburgunder ist das Weingut Juris über die letzten Jahrzehnte ein „gallisches Dorf“ geblieben.
Önologische Quantensprünge
Mit dem Pinot noir Auslese trocken 1976 zeigte sich bereits eine glückliche Hand für die Sorte: Erdbeer-Kirsch-Nase, klare Burgunderwürze, immer noch frisch. In den Achtzigern wurde ’83 erstmals ein Wein im Barrique ausgebaut – ein Holzton („Neuerl“) galt damals noch als Weinfehler … Er präsentiert sich heute in Granat mit leichter orangefarbener Randaufhellung, mit waldigen und floralen Aromen und einem nur leichten „Altl“. Ein weiterer Meilenstein der Entwicklung der 1987er, bei dem in einem angemeldeten Versuch erstmals die Eiklarschönung durchgeführt wurde: Herzkirsch und Minze dominieren, sehr harmonisch. Im Jahr 1990, der erste Jahrgang von Stiegelmar junior, wurde bereits weiter differenziert: Jungfernlese und Alte Reben unterscheiden sich nicht nur durch das Alter, sondern auch die Klone – die Alten Reben stammen von einem eigenen „Juris-Klon“, gepflanzt 1946. Dieser Wein war der absolute Liebling mehrerer Verkoster: vielschichtige, zarte Nase, weichselfruchtig, elegant und absolut frisch, in einem idealen Trinkzustand. Der 1999, erstmals als Reserve bezeichnet, üppig und juvenil mit Ringlotten und Marzipan. 2000: würzig, kräftig, extraktsüß. 2001 mit feiner Jodnase, elegant und fest, Fassprobe 2003 noch unruhig. 2004 wurden erstmals die Weine aus Gols und Breitenbrunn lagenrein ausgebaut. Fazit: Auch auf die nächsten 33 Jahre Pinot noir von Juris darf man gespannt sein.

Weingut Juris, Axel Stiegelmar, Marktgasse 12–18, 7122 Gols, Tel.: 0 21 73/27 48; www.Juris.at WALTER TUCEK

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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