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Ein Dorf ohne Wirt

13.07.2005

Ein Dorf ohne Wirt ist ein Dorf ohne Zukunft. Neben der Grundversorgung mit Speis und Trank ist das Dorfwirtshaus vor allem als Treffpunkt und Kommunikationsplattform unverzichtbar.

Das Problem des Wirtshaussterbens im ländlichen Raum ist kein isoliertes Problem der Gastronomie. Es geht Hand in Hand mit langfristigen Entwicklungen, die den ländlichen Raum als Ganzes betreffen.
Wenn Leute immer weiter zur Arbeit pendeln, wenn Großeinkäufe zunehmend in riesigen Supermärkten getätigt werden, wenn öffentlicher Verkehr, Postämter und Gendarmerie-Posten aus Kostengründen geschlossen werden, verlieren kleinere Gemeinde wichtige wirtschaftliche Impulse und Steuereinnahmen.
Dieser Prozess ist weitgehend unumkehrbar, zumindest soweit er auf technischen Entwicklungen (Internet, Mobiltelefonie) beruht.
Paragastronomie und Fastfood sind ernste Bedrohung
Neben der Ausdünnung der wirtschaftlichen Aktivitäten in kleineren Gemeinden ist die gestiegene Anzahl an Paragastronomie (Zeltfeste), Fastfood-Lokalen auch in mittelgroßen Gemeinen und die (oft auch berufsbedingt erzwungene) gestiegene Mobilität der Einwohner ein Problem, das manches alteingesessene Dorfwirtshaus das Handtuch werfen lässt. Mit dem Zusperren des Wirtshauses stirbt aber oft auch das letzte gesellschaftliche Zentrum eines Ortes.
„Seit 1997, als unser damaliges Wirtshaus abgebrannt ist, ist Roßbach ohne soziales Zentrum. Der größte Wunsch der Bevölkerung ist, dass sich wieder ein Wirtshaus ansiedelt. Wir würden dem Betreiber auch so gut es geht dabei unterstützen. Ohne Wirtshaus findet innerhalb des Ortes kaum mehr Kommunikation statt und die Einwohner treffen sich in anderen Gemeinden“, erzählt Bürgermeister Josef Hartwanger von den Sorgen seiner Innviertler Gemeinde.
Roßbach ist leider kein Einzelfall. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der „echten“ Wirtshäuser in Oberösterreich von 3.000 auf 2.000 gesunken. Betroffen sind vor allem kleinere Gemeinden.
Das Problem vieler Dorfwirtshäuser liegt darin, dass sie vom Umsatz am Stammtisch alleine nicht leben können. Wenn dann klassische Zusatzgeschäfte wie Vereinsfeiern oder Hochzeiten ausbleiben, wird es für viele Wirte eng.
Doch statt über geänderte Konsumgewohnheiten der Dorfbewohner zu jammern, setzen kreative Wirte auf offensive Mehrwert-Konzepte.

Der Ilztalerhof im steirischen Großpesendorf ist bereits seit 1888 in der Familie von Seppi Rath. Durch den Bau der Autobahn 1982 und danach durch die zunehmende Konkurrenz durch Vereinslokale und Buschenschanken hat der Ilztalerhof viele Gäste verloren. „Wir mussten handeln, weil wir massiv an Umsatz verloren haben“, erzählt Seppi Rath. Zuerst haben die Raths im ehemaligen Schweinestall ein uriges Beisl für die Jugend eröffnet. Mit einer zusätzlichen Café-Konditorei hat man dann auch für mehr Umsatz untertags gesorgt. Nach der Schließung der Post hat man ein Nahversorgungszentrum mit Trafik, Lotto-Annahmestelle, einem auch sonntags geöffneten Back-Shop, eine SB-Ecke, eine Ticket-Verkaufsstelle und zwei Internet-Stationen errichtet. Heute sind im Ilztalerhof 18 Mitarbeiter beschäftigt.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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