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Hier jubeln die neuen Staatsmeister

Ein ekstatischer Abend mit vielen Gewinnern

10.10.2016

In Salzburg traten 81 Lehrlinge aus den Tourismusberufen an, um Staatsmeister zu werden. Und bewiesen dabei eine Menge an Engagement, Können und Temperament.

Die Fachverbandsobmänner der Gastronomie und Hotellerie, Mario Pulker und Siegfried Egger, und Ausbildungsexperte Ernst Pühringer gratulieren den gekürten Tourismus-Staatsmeistern - Küche: Bernadette Haberl, Service: Aleksandar Boskovic, Hotel- und Gastgewerbeassistent/-in: Johanna Straube.

Am Ende gab es Konfettiregen, Jubelgeschrei, die Bundeshymne und reichlich Medaillen in Gold, Silber und Bronze: Die 52. Österreichische Staatsmeisterschaft der Lehrlinge in Tourismusberufen war eine der besten – und die Gala im Salzburger Crowne Plaza – The Pitter eine der lautesten.
81 Lehrlinge in Küche, Service und HGA ritterten zuvor in der Tourismusschule Obertrum drei Tage lang um die Medaillen und den Titel „Staatsmeister“. Jedes Bundesland entsandte pro Bereich drei Teilnehmer – die sich meist über eine Landesmeisterschaft qualifizieren mussten und/oder von ihren jeweiligen Lehrbetrieben ausgewählt wurden. Allein in Salzburg traten 100 Kandidaten beim Landesentscheid an. Überhaupt ist das Engagement der Salzburger Lehrlinge und Ausbilder traditionell besonders hoch. Sicher ein Grund, warum sie seit 2006 achtmal die Teambewertung für sich entscheiden konnten.

Fairer Wettbewerb, gute Stimmung

Die Stimmung während der dreitägigen Prüfungen an der Tourismusschule war konzentriert, aber nicht verkrampft. Was auch daran lag, dass sich die Lehrlinge darauf verlassen konnten, dass sie von ihren Juroren fair geprüft wurden. 
Als Prüfungsaufgaben gab es z. B. für den Service Weine und Höherprozentiges zu bestimmen: allein am Geruch! HGA-Lehrlinge mussten Gäste einchecken und auschecken und alle möglichen Fragen beantworten – auch auf Englisch. Als Modellhotel diente das Romantikhotel Gmachl in Elixhausen, ein Ferienhotel.

Was das HGA-Team aus Wien vor besondere Herausforderungen stellte, wie es der ÖGZ gestand. Die drei sind Gäste in Stadthotels gewohnt und arbeiten mit einer anderen Software. Also mussten sie während ihrer Vorbereitung umlernen – was sie mit Erfolg bewältigten. Oliver Lang belegte am Ende den 3. Platz bei den Staatsmeistern, seine Kolleginnen holten Silber und Bronze.

Überhaupt überraschte, wie cool viele Lehrlinge auftraten. Alles sehr junge Leute, meist unter 20. Johanna Matt, unsere Kellnerin beim Probeessen, lernt im Restaurant von Reinhard Rauch in Feldkirch. Als Erstes entschuldigte sie sich ganz locker für ihren Vorarlberger Akzent, falls sie jemand nicht verstehen sollte. Da hatte sie die Lacher und Sympathien gleich auf ihrer Seite. Zu essen gab es an jedem Tisch etwas anderes. Die Köche durften sich aus einem vorgegebenen Warenkorb bedienen, wussten aber erst am Tag des Wettbewerbs, welche Produkte sie mindestens verwenden mussten. Was sie auf die Teller brachten, sah meistens nicht nur gut aus, sondern schmeckte auch. Die strenge Kochjury meinte zur ÖGZ: „Manches ist noch durchwachsen, vieles aber ganz außergewöhnlich.“

Jubel auf der Gala

Nach drei Tagen Wettbewerb wurde dann am Samstagabend in Salzburg gefeiert – gemeinsam mit Betreuern und Juroren, Ehrengästen und Sponsoren. Wettbewerbsleiter Ernst Pühringer führte mit Moderator Alexander Zimm ausgesprochen schwungvoll durch den Abend. Keine leichte Aufgabe, schließlich „mussten“ alle 81 Teilnehmer mindestens einmal auf die Bühne, um sich ihre Bronze-, Silber- oder Goldmedaille abzuholen. Dann noch einmal, falls sie im Teamwettbewerb erfolgreich gewesen waren. Und zum Schluss gab es noch jeweils drei Plätze pro Rubrik bei den Staatsmeistern zu feiern. Das alles wurde jeweils mit tosendem Applaus und viel Getöse begleitet. Es war ordentlich was los im Festsaal des Crowne Plaza!
Zwischendrin fanden auch die Verantwortlichen der Wirtschaftskammer noch Gehör. Schließlich veranstaltet die Kammer diesen bundesweiten Wettbewerb. Also nützte der Obmann des FV Hotellerie, Siggi Egger, die Gunst der Stunde, um darauf hinzuweisen, worauf es in der österreichischen Hotellerie ankomme: „Es geht nicht nur um die Anzahl der Saunakabinen, sondern vor allem um Freundlichkeit, Dienstleistung, Leistungsbereitschaft, Liebe zum Beruf.“ Genau das strahlten die 81 Staatsmeister-Kandidaten aus – nicht nur die Sieger. Überhaupt: „Alle, die an den Staatsmeisterschaften teilgenommen haben, sind Sieger“, betonte Mario Pulker, Obmann des FV Gastronomie. Dem konnte auch Manfred Katzenschlager, Geschäftsführer der Sparte Tourismus- und Freizeitwirtschaft, nur zustimmen: „Der Service macht den Tourismus in Österreich aus! Die Ausbildung ist entscheidend. Wir haben in den letzten Jahren ein Drittel weniger Lehrlinge, wir müssen gute Fachkräfte zurückgewinnen.“ Österreichweit sind es immer noch rund 9.000 Lehrlinge, die trotz aller Unkenrufe Lust auf Tourismus haben.

Die Sieger

Vor allem mit einem Staatsmeistertitel steht einem die Welt offen. Wenn man noch bei den EuroSkills oder WorldSkills teilnimmt – wozu man sich bei den alle zwei Jahre stattfindenden Juniorstaatsmeisterschaften qualifizieren kann http://www.gast.at/gast/austrianskills-juniorstaatsmeister-gekuert-134821 –, kann man sich mit den Toplehrlingen im Ausland messen. Die Austragung der EuroSkills 2020 wird in Graz stattfinden. Zu diesem Superevent werden mehr als 100.000 Besucher erwartet! Deshalb wurde zur Durchführung eine GmbH gegründet, die Geschäftsführung liegt bei Harald del Negro und Angelika Ledenig.
Staatsmeister in Salzburg wurden Lokalmatador Aleksandar Boskovic (Hotel Crowne Plaza – The Pitter) im Service, Bernadette Haberl (Hotel Schönruh, Gerlos im Zillertal) in der Küche und Johanna Straube (Hotel Schloss Mönchstein, Salzburg) bei HGA. Der wichtige Titel für das beste Bundesland ging einmal mehr an Salzburg. Den zweiten Platz in der Teamwertung belegte die Steiermark, Dritter wurde Tirol. 
Es gab es für jeden Teilnehmer 1.000 Punkte zu gewinnen, jeder Fehler führte zu einem Punkteabzug. Der Durchschnitt lag bei 670 Punkten, das waren 52 Punkte mehr als 2015. „Wir hatten eine strenge, aber sehr faire Jury“, sagte Ernst Pühringer zur ÖGZ. „Das war früher nicht immer so: Da wurde manchmal gestritten, und die Bewertungskriterien waren nicht immer allen klar.“ Daran hat Pühringer in den letzten Jahren intensiv gearbeitet. Auch wenn es immer noch vorkommt, dass einige Kandidaten „ihre Nerven komplett wegschmeißen: Sie wollen gewinnen und dabei sein und freuen sich auch über eine Bronzemedaille!“ Es ist vor allem Pühringers Verdienst, dass die Staatsmeisterschaften das geworden sind, was sie heute sind. Er bekam dafür in Salzburg die goldene Verdienstnadel der Kammer verliehen. Nach zehn Jahren gibt er sein „Amt“ als Wettbewerbsleiter ab, sein Nachfolger wird vermutlich Gerold Royda, der Service-Oberjuror.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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