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Ein federleichter Paradiesvogel

22.06.2007

Mit zwei Michelin-Sternen und vier Gault-Millau-Hauben gehört der gebürtige Klagenfurter Edi Hitzberger auch in der noblen Schweiz zu den höchst dekorierten Küchenchefs. Darüber hinaus leitet er seit 1992 als Direktor das Hotel Paradies im Engadiner Ftan, das sein berühmtes Restaurant Belezza beherbergt.

Hitzberger hängt den sprichwörtlichen Kochlöffel an den Nagel

Doch anstatt weiter wie bisher zu werken, zog sich Hitzberger jetzt aus dem aktiven Küchengeschäft zurück und übergab die Leitung des Belezzas samt F&B-Gesamtverantwortung für das Paradies an seinen langjährigen Sous-Chef Boris Benecke. Was steckt hinter dieser, auf den ersten Blick doch reichlich ungewöhnlichen Entscheidung?

Light-Style im Selbstversuch
„Dieser Entschluss ist schon länger in mir gereift. Als ich vor drei Jahren auf der Waage erstmals dreistellig war, habe ich mir gedacht: So kann’s nicht weitergehen“, erzählt Kärntens höchstdekorierter Koch auf der Seeterrasse vom Restaurant Aqua in Velden.

„Ich habe mich gefragt, ob es nicht möglich wäre, auch mit halb so viel Kalorien genauso gut zu kochen, und siehe da: Es funktionierte. Im Selbstversuch habe ich rund 15 Kilo abgenommen und halte seither mein aktuelles Wohlfühlgewicht. In dieser Zeit habe ich auch die korrespondierende Tee-Begleitung entwickelt, weil ich mir auch eine temporäre Abstinenz verschrieben habe und mir Wasser auf Dauer zu langweilig war“, berichtet Hitzberger von den „privaten“ Anfängen seiner Light-Style-Küche.
Einer breiten Öffentlichkeit hat er diese Küchenlinie als Gastkoch im Hangar-7 vor zwei Jahren vorgestellt. Außerhalb des Hotels Paradies gibt es diese kalorienreduzierte Luxus-Cuisine jetzt erstmals im a-Rosa in Kitzbühel (siehe Artikel unten).
Es waren aber nicht nur überzählige Kilos, die Hitzberger zum Überdenken seines weiteren Lebensweges brachten.
„Ich bin Koch aus Leidenschaft, und habe viele Opfer gebracht, um dorthin zu kommen, wo ich jetzt bin“, erinnert sich Hitzberger, der diese entbehrungsreiche Zeit mit einer – nur rückblickend witzigen – Anektote ausmalt: „Auf Hochzeitsreise ist meine Frau mit ihrer Mutter gefahren. Ich hatte kurzfristig die Möglichkeit bekommen, ins Münchner Tantris zu gehen und musste es tun.“ Dieses private Opfer hatte glücklicherweise keine dramatischen Folgen, die Ehe ist noch immer intakt.
Nicht zuletzt aus Loyalität zu seinem Team und zu Horst Rahe, den langjährigen Besitzer des Hotels Paradies, ist Hitzbergers Veränderung kein Bruch, sondern eine Entwicklung.
Mit seinem langjährigen Souschef Benecke hat Hitzberger einen verlässlichen Nachfolger als Küchenchef und als kaufmännischer Direktor des Paradies bleibt er ja weiter im Amt.

Wissen weitergeben
Für Horst Rahe, dem neben dem Paradies noch das renommierte Hamburger Hotel Louis C. Jacob sowie die a-Rosa-Hotels und Kreuzfahrtschiffe gehören, wird Hitzberger zumindest für die nächsten drei Jahre als gastronomischer Berater tätig sein. Das umfasst neben Engagements wie die Light-Style-Menüs in Kitzbühel auch die Begleitung von neuen a-Rosa-Hotels, wie etwa das im Juni 2009 eröffnende a-Rosa auf Sylt.

Mit seiner Firma „Pure Cooking“ will Hitzberger größere Unternehmen bei der Gestaltung ihrer Menüs beraten. Und einige Vorträge und Workshops zu den Themen „Genuss und Gesundheit“ sind bereits vereinbart. „Ich dachte, dass ich auch etwas mehr Freizeit haben werde, aber wenn ich mir meinen Kalender für die nächsten zwölf Monate anschaue, ist davon nicht wirklich auszugehen“, so Hitzberger.
Wie die Ausgestaltung seiner Tagesabläufe zukünftig aussehen wird, weiß Hitzberger noch nicht: „Aber ich wollte nicht weiter brav Luxusgerichte kochen, damit ich irgendwann einmal für andauernde Konformität mit dem dritten Stern belohnt werde. Ich will in meinem Leben noch andere Dinge erreichen!“
www.paradieshotel.ch

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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