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Ein leuchtender Doppelstern aus Süditalien

09.12.2010

Vor zwölf Jahren begann das Engagement der toskanischen Weinbaufamilie Antinori in Apulien. Seither hat sich das Weingut Tormaresca zu einem Paradebetrieb entwickelt, der vor allem auf autochthone Rebsorten setzt

Christoph Morandell, Francesco Domini (Tormaresca), Norbert Eismayer (Morandell Wien) & Guido Vanucci von Antinori in der Cantinetta Antinori

Der Weinbau hat in Apulien eine sehr lange Tradition. Und auch was die Menge betrifft, zählt Apulien seit jeher zu den ganz großen Weinbauregionen Italiens. Nur was die Qualität der Weine betrifft, führte die Region am Stiefelabsatz Italiens bis vor Kurzem ein Schattendasein. Die meisten apulischen Weine wurden entweder per Tankwagen in den Norden gebracht, wo sie als Verschnittweine dienten, oder sie wurden vor Ort aus großen Gebinden getrunken.

Ein Turm beim Meer
Heute stellt sich die Situation ganz anders dar, nicht zuletzt aufgrund des weitsichtigen Investments von Piero Antinori in das Weingut Tormaresca, was so viel wie Turm am Meer bedeutet. Wobei die unter der Marke Tormaresca gefüllten Weine eigentlich aus zwei unterschiedlichen Weingütern kommen. Das Gut Bocca di Lupo liegt bei Castel del Monte, die Weinberge befinden sich 250 Meter über dem Meer.

Die Masseria Maime befindet sich rund 120 Kilometer südlicher und liegt zwischen Brindisi und Lecce. Doch beide Güter gemeinsam trugen auch heuer wieder zum Erfolg der Marke Tormaresca bei und versetzten die Verkoster des aktuellen Weinguides Gambero Rosso – so deren Originalton – „unter Strom“. Die begehrten drei Gläser gab es für den Masseria Maime 07 (Salento IGT aus der Negroamaro-Traube), beachtliche zwei Gläser für den Bocca di Lupo 06 (Castel del Monte DOC aus der Aglianico-Traube), den Torcicoda (Primitivo), den Chardonnay Pietrabianca und den Neprica Rosso 08 (Cuvée aus Negroamaro, Primitivo und Cabernet Sauvignon).

Preis-Leistungs-Meister
Bei einer Verkostung in Wien, zu der Importeur Morandell Ende November lud, erklärte Francesco Domini, Generalmanager von Tormaresca persönlich die Weine. Zu den Überraschungen der Degustation zählte dabei sicher der Neprica 2009, der mit einer an Zweigelt erinnernden Kirschfrucht, einer lebendigen Säure und geschliffenen Tanninen perfekten Trinkspaß bot, und das zu einem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis von deutlich unter zehn Euro. Damit ist der Neprica wohl einer der günstigsten 2-Gläser-Weine in ganz Italien.

Auch Tolles in Weiß
Erstaunlich auch die Qualität der beiden Chardonnays, einmal der mit zwei Gläsern ausgezeichnete, Barrique-gereifte Pietrabianca 2008, der trotz seiner rauchigen Vanillenase erstaunlich frisch und lebendig wirkt. Aber auch der simple Chardonnay Puglia IGT 2009 wusste mit frischer Birnenfrucht gepaart mit einem sehr fülligen „Mouthfeeling“ zu überzeugen.

Ebenfalls top waren auch der Primitivo Torcicoda 2008 und der heuer erstmals gefüllte Trentangeli (Castel del Monte DOC 2008 aus Aglianico, Cabernet Sauvignon und Syrah). Die beiden Tormaresca-Flaggschiffe Masseria Maime und Bocca di Lupo (beide 2006) bildeten dann den krönenden Abschluss der Verkostung, stehen aber wohl erst am Anfang ihres Reifepotenzials.

Infos: www.morandell.com
Wolfgang Schedelberger

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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