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Ein Prosit mit Winzersekt

19.01.2007

Das vergangene Jahr war trotz einer mengenmäßig kleinen Ernte für den österreichischen Wein sehr erfolgreich. Als größter Vertriebskanal spielt die Gastronomie für heimischen Wein eine Schlüsselrolle.

Nicht mit Champagner oder Prosecco, sondern mit heimischem Winzersekt begrüßte Willi Klinger das neue Jahr, das für ihn eine ganz besondere berufliche Herausforderung darstellt. Der gebürtige Oberösterreicher Willi Klinger übernahm mit Jahresanfang die Geschäftsführung der Österreichischen Weinmarketing Gesellschaft (ÖWM) von Michael Thurner. Die Jahrespressekonferenz am 28. Dezember in Wien bestritten die beiden gemeinsam.
Weniger bringt mehr Wert
So wie die aktuelle Ernte 2006 war auch 2005 mengenmäßig ein relativ kleiner Jahrgang. Deshalb gab es beim Export – vor allem was den Fassweinexport betrifft – mengenmäßige Rückgänge. Beim Flaschenexport wurde der mengenmäßige Rückgang von 32.400 (2005) auf 28.000 Hektoliter (2006) jedoch durch höhere Durchschnitts-preise kompensiert, wodurch die korrespondierenden Exporterlöse mit 66 Mio. € gehalten werden konnten.
„Der österreichische Wein konnte sich in den letzten Jahren international ein hohes Qualitätsimage aufbauen. Dadurch stiegen die Exporte in den wichtigen Kernmärkten Deutschland, USA und der Schweiz auch vergangenes Jahr an“, freut sich der scheidende ÖWM-Chef Thurner.
Die höchsten Durchschnittserlöse werden in Japan (9,7 €/Liter) und Großbritannien (17,6 €/Liter) erzielt, allerdings bei (noch) bescheidenen Mengen.
Der wichtigste Markt ist für unsere Winzer jedoch immer noch der Heimmarkt Österreich. Nach einer leicht rückläufigen Entwicklung in den vergangenen Jahren stieg der Gesamtweinkonsum 2005 wieder an und liegt derzeit bei 244 Millionen Liter Wein. Mehr als die Hälfte (54 %) des österreichischen Weins wird über die Gastronomie abgesetzt, also mehr als in Supermärkten, Fachgeschäften und Ab-Hof-Verkauf zusammen. Noch bemerkenswerter ist die Tatsache, dass die heimische Gastronomie fast nur österreichische Weine verkauft, der Österreich-Anteil beträgt 84 %!

Eine weitere Steigerung des Anteils österreichischer Weine in der heimischen Gastronomie ist also nur schwer möglich. Trotzdem hat der neue ÖWM-Geschäftsführer Willi Klinger ambitionierte Pläne, wie der Gesamtabsatz österreichischer Weine in der Gastronomie nicht nur gehalten, sondern punktuell sogar noch ausgebaut werden könnte.
„Die heimische Gastronomie hat sich in den letzten 30 Jahren stark gewandelt. Früher war Essen gehen sehr oft anlassbezogen. In dem Maß, wie die Anzahl an zu Hause zubereitete Mahlzeiten abnimmt, geht es heute – vor allem beim Mittagessen – immer mehr und mehr um die kulinarische Basisversorgung. Dass auch hier ein Glas österreichischer Qualitätswein gut dazupasst, wollen wir verstärkt kommunizieren“, so Klinger.
Kampf dem Missbrauch
Einen angestrebten höheren, Pro-Kopf-Verbrauch von Wein sieht Klinger übrigens nicht mit steigendem Alkoholmissbrauch einhergehen, ganz im Gegenteil: „In Italien liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei Wein deutlich höher als in Österreich, der Alkoholmissbrauch, zumindest was den Wein betrifft, ist jedoch deutlich geringer. Wir – Weinwirtschaft und Gastronomie – müssen hier – auch im eigenen Interesse – Teil der Lösung und nicht des Problems sein. Wein gehört in Österreich zu kulinarischen Kultur dazu. Stupider Alkoholmissbrauch jedoch nicht.“
Neue Konsumsituationen
Neben einer stärkeren Präsenz in modernen Systemgastronomie-Betrieben will Klinger auch die Weinkultur in asiatischen Lokalen heben.
„Sowohl zu Sushi wie auch anderen asiatischen Küchen passen österreichische Weine ganz hervorragend. Wir wollen diesen Betrieben mit verkaufsfördernden Materialien, wie Foldern, Weinkarten, Gläsern, aber auch mit Schulungen, dabei helfen, eine höhere Weinkompetenz zu erlangen und sie davon überzeugen, dass sich mit österreichischen Weinen auch gutes Geld verdienen lässt“, so Klinger.
Auf die Frage, ob österreichische Weine für diese Gastronomie-Typen nicht zu teuer wären, widerspricht Klinger energisch: „Nur im Bereich industrieller Massenweine unter 2 € kann und soll die österreichische Weinwirtschaft nicht wirklich mitmachen. Ansonsten bieten wir tolle Qualitäten zu fairen Preisen und zwar in allen Preissegmenten. Im absoluten Premiumsegment sind wir – im internationalen Vergleich – sogar noch wirklich günstig. Mir ist es auch besonders wichtig, dass es auch zu günstigen Preisen gute Qualitäten gibt. So wollen Touristen oft zuerst einmal ein günstiges Glas österreichischen Wein kosten, und auch das muss einfach gut schmecken. Dann kann man das nächste Mal auch einen etwas teureren Wein verkaufen“, so Klinger.
Winzersekt statt Prosecco
Ein weiteres Ziel, dass sich Klinger vorgenommen hat, ist die Förderung des Absatzes an heimischen Winzersekten. „In diesem Bereich schlagen wir uns noch etwas unter unserem Wert“, sieht Klinger noch sprudelndes Potenzial.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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