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Das Design-Restaurant Ice Q auf 3.048 Meter Seehöhe auf dem Gaislachkogel und die hochmoderne 3S-Bahn haben die Macher von James Bond von Sölden im Ötztal als spektakulären Drehort überzeugt.

Ein Quantum Tirol und Steiermark

15.01.2015

Es ist der Ritterschlag für das Ötztal, Osttirol und das Ausseerland und ein wohl unbezahlbarer Werbewert: Szenen aus dem neuen James Bond Film „Spectre" bringen Tirol und die Steiermark auf die Kinoleinwand

Text: Barbara Egger

Es war das vorweihnachtliche Gesprächsthema. James Bond wird im Auftrag ihrer Majestät in Tirol und der Steiermark als Geheimagent 007 für (explosive) Action sorgen. Wobei Gesprächsthema etwas übertrieben ist. Wie James Bond, dem selbst in den aussichtslosesten Situationen im Clinch mit Bösewichten kein verräterisches Sterbenswörtchen über die Lippen kommt, hielten sich auch die involvierten Touristiker in den Tälern und die Verantwortlichen der Cine Tirol und ebenso der Cine Styria in eiskalter Agentenmanier bedeckt. Eine Stillschweigeklausel sorgte dafür, dass so tiefgehende Fragen, etwa in welchem Hotel James Bond alias Hauptdarsteller Daniel Craig in Sölden übernachten werde, nicht beantwortet wurden.

Inzwischen haben die Dreharbeiten zum neuen James Bond Abenteuer „Spectre" in Altaussee im steirischen Salzkammergut, in Sölden im Tiroler Ötztal und in Obertilliach in Osttirol begonnen und sich die mediale Hektik wieder ein wenig gelegt. Hermetisch abgeriegelte Drehorte und höchste Geheimhaltungsstufe prägen aber weiterhin die Szenerie. Nicht zu übersehen und auch nicht geheim zu halten war aber der mächtige bisweilen 500 Köpfe starke Fimtross, den die britische Produktionsfirma „B24" für insgesamt 22 Drehtage nach Österreich geschickt hat bzw. noch schicken wird. Da lässt es sich, Auskunftsverbot hin oder her, an einer Hand ausrechnen: Spectre wird sich in touristischen Zahlen niederschlagen.

 

Das neue James Bond Abenteuer zählt schon jetzt zum größten Filmprojekt „made in Tirol". Für Unterbringung und Verpflegung des Filmteams vor Ort, Transport, Bauten, Mieten und Gagen der Tiroler Filmschaffenden werden mehr als sechs Mio. Euro in Tirol ausgegeben. Die Cine Tirol spricht von 26.000 Nächtigungen in Tirol allein für die Filmcrew, das österreichische Wirtschaftsministerium von insgesamt 30.000 Nächtigungen in Tirol, Kärnten und Steiermark.

Was der James Bond-Dreh für Obertilliach bedeutet, beschreibt Hansjörg Schneider von der Tourismusinformation folgendermaßen: „Der Imagegewinn für Obertilliach und Osttirol lässt sich, glaube ich, nur sehr schwer in Zahlen fassen. Wenn man auf einmal in aller Munde ist und sich die Medien plötzlich für ein kleines Bergdorf wie Obertilliach interessieren, kommt das einem Lottosechser gleich. So etwas passiert wirklich nur einmal in dieser Dimension." Für Sepp Lugger zählte Obertilliach schon bisher zu den tourismusintensiveren Gemeinden in Osttirol. „Wir werden jetzt noch bekannter werden", so der Hotelier, Bergbahn-Chef und TVB-Obmann. In seinem Drei-Sterne-Hotel Unterwöger in Obertilliach haben bereits vor Weihnachten einige Wochen lang Filmleute genächtigt und an den Kulissen für pyrotechnischen Spezialeffekte und aufwändige Actionszenen gebaut und ebensolche gedreht. Vor wenigen Tagen machte Mitte Jänner die James Bond Crew erneut Halt in Obertilliach. Hansjörg Schneider von der Tourismusinformation Obertilliach weiß zu berichten, dass die Filmcrew in der Vorweihnachtszeit in Obertilliach und den Nachbarorten Kartitsch und Untertilliach sowie im Almwellnesshotel Tuffbad bei St. Lorenzen im Lesachtal genächtigt hat. Für die Hauptdrehzeit im Jänner wurden laut Obertilliachs TVB-Obmann Sepp Lugger 25 Hotels rund um den gesamten Lienzer Dolomitenkamm in Lesachtal, Untertilliach, Kartitsch, Heinfels, Sillian, Lienz und Lavant angemietet. Die Dreharbeiten sorgen auch bereits für erste Fanreisen. Die James Bond Fanclubs aus Österreich, Schweiz, Italien und Deutschland hatten sich angesagt.

Lotto-Sechser für Tourismus

Im Ötztal reisten die ersten Filmleute bereits im August des Vorjahres an. Für die Aufenthalte der Filmcrew wurde das Vier-Sterne-Hotel Aqua Dome in Längenfeld angemietet. Für James Bond-Hauptdarsteller Daniel Craig, seine mitgereiste Gattin Rachel Weisz und seine Filmkollegen Léa Seydoux und Wrestling-Star Dave Bautista (mimt den Schurken Mr. Hinks), waren für ihren Aufenthalt Mitte Jänner das Fünf Sterne Hotel Central und das Vier Sterne Superior Hotel Bergland in Sölden reserviert. Wofür bzw. für wie viele Sterne sich 007 bei seinem Aufenthalt in Sölden entschieden hat, bleibt Majestätsgeheimnis. Wie sehr James Bond Tage zuvor den herrlichen Ausblick aus seiner Suite in der Vier Sterne Superior Seevilla in Altaussee genossen hat ist ebenso wenig bekannt. Autogramme hat der Star, wie TV-Berichte zeigten, aber freundlich gegeben.

Trotz Stillschweigeklausel glauben Insider im Ötztal zu wissen, dass für die Wahl Söldens als Drehort ausgerechnet ein Restaurant ausschlaggebend gewesen ist. Im Auftrag Ihrer Majestät wurde nämlich nach modernster Architektur auf einem Berggipfel gesucht und am Gipfel des Gaislachkogel auch gefunden. Dort eröffnete im Dezember 2013 auf 3.048 Meter Seehöhe das Designrestaurant Ice Q mit knapp hundert Sitzplätzen, 34 Terrassenplätzen und einer direkten Hängebrücke zum Gipfel. Die gewaltige Glasfassade in Würfel-Optik in Verbindung mit der Bergstation der hochmodernen 3-S-Gaislachkogelbahn dürften die James Bond Macher ebenso überzeugt haben, wie das persönliche Rühren der Werbetrommel vor Ort in London durch den Ötztaler Hotelier (Hotel Central in Sölden) und Bergbahnen Sölden-Chef Jack Falkner. Auch Falkner bezeichnet den James Bond-Dreh als einen Lotto-Sechser bzw. Jahrhundertchance, dessen Werbewert und Imagegewinn sich noch gar nicht beziffern lasse. Falkner führt auch ins Treffen, dass spektakuläre James Bond-Drehorte noch nach Jahrzehnten von Fans und Schaulustigen besucht werden. Das dürfte auch Sölden mit dem Ice Q Restaurant am Gaislachkogel und der monumentalen Bergwelt am Rettenbachferner zugute kommen, auch wenn der Ice Q gerüchteweise im Film zur Klinik umfunktioniert wird.

Dass die Wahl der Drehorte auf Sölden mit etwa 15.000 Gästebetten und Obertilliach mit ca. 1200 Gästebetten fiel, sei laut Johannes Köck, Head of Cine Tirol Film Commission, der Zusammenarbeit von Location Austria, der FISA (Filmstandort Austria), den Gemeinden, Tourismusverbänden, Bergbahnen der beiden Tiroler Orte, dem Land Tirol und der Cine Tirol zu verdanken. Auch in der Steiermark haben CineStyria, Gemeinde und Touristiker an einem Strang gezogen. Ernst Kammerer, Chef des Tourismusverbandes Ausseerland, ließ etwa verlauten, dass große Freude darüber herrsche, als Drehort ausgewählt worden zu sein. Ebenso wie seine Tiroler Kollegen glaubt auch Kammerer an einen Imagegewinn, auch wenn Altaussee im Kinofilm vielleicht nicht auf den ersten Blick wieder erkennbar sei.

Destinationsmarketing

Über die geflossene finanzielle Förderung hält man sich nach 007-Vorbild bei den Filmförderungsstellen in Tirol und Steiermark bedeckt. Für Cine Tirol Chef Johannes Köck stellt aber „Filmtourismus eine sehr erfolgversprechende Form des Destinationsmarketings dar." So werben „Der weiße Rausch" noch immer für St. Anton, der „Bergdoktor" für den Wilden Kaiser und SOKO Kitzbühel für die Gamsstadt. Beispiele für die touristische Nachnutzung seien etwa die Bergdoktor-Fanwochen in der Region Wilder Kaiser oder die Kooperation der Tirol Werbung mit dem deutschen Schauspieler Daniel Brühl.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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