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Ein Restaurant mit Format

21.04.2011

Seit letzter Woche hat das Palais Coburg wieder ein Gourmetrestaurant. Küchenchef Silvio Nickol bespielt die kleine/große Bühne mit Bravour

Silvio Nickol (2. v. l.) in seinem neuen Restaurant im Hotel Palais Coburg mit dem deutschen 3-Sterne-Koch Harald Wohlfahrt, wo er jahrelang als Sous-Chef gearbeitet hatte. Mit am Bild Österreichs Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann (r.) und Luc Richard (2. v. r.), einem der Architekten des Restaurants, das mit seiner futuristischen Inszenierung für großes Aufsehen sorgt.

Nach der Trennung von Christian Petz vor über zwei Jahren hat Wiens exklusivstes Hotel – das Palais Coburg – auf das Betreiben eines eigenen Gourmetrestaurants verzichtet, und das, obwohl es nach wie vor über einen der spektakulärsten Weinkeller Mitteleuropas verfügt. Coburg-Eigentümer Peter Pühringer ging es offensichtlich nicht darum, rasch einen Petz-Nachfolger als Küchenchef zu heuern, sondern darum, ein gänzlich neues Restaurantkonzept umzusetzen. Dafür holte er Silvio Nickol, der in den vergangenen drei Jahren im Hotel Schloss Velden mit zwei Michelin-Sternen bzw. drei Gault-Milla-Hauben für Furore gesorgt hatte.

Lila UFO ist gelandet

Das neue Gourmetrestaurant, das nach dem Küchenchef Silvio Nickol benannt ist, befindet sich zwar exakt am gleichen Ort wie das ehemalige Restaurant. Dennoch wirkt es ganz anders. Im Gegensatz zu den anderen Hotelbereichen, die durchgehend klassisch gestaltet (bzw. renoviert) wurden, fühlt man sich im futuristisch gestylten „Silvio Nickol" wie in einem violetten Raumschiff. Dominiert wird das Lokal von einer Amethystwand, vor der als Blickfang ein überdimensionales Ei platziert ist. Das Thema Ei zieht sich, zumindest der Formensprache nach, auch durch die übrige Gestaltung des Lokals. Dass man hier in eine eigene Welt abtaucht, wird auch dadurch noch unterstrichen, dass die schwarzen Vorhänge stets geschlossen bleiben. Dennoch, das Lokal ist optisch gut gelungen, originell und in sich stimmig.

Keine Meeresfrüchte

Dass sich das Coburg mit dem neuen Restaurant in der Wiener Gastronomielandschaft ganz oben einordnen will, wird schon bei der Preisgestaltung klar. Vier Gänge kosten 98,– Euro, das große 7-gängige Menü stolze 145,– Euro, und zwar egal, ob man das vegetarische oder das reguläre Menü bestellt. Bei den Produkten verzichtet Nickol wie auch andere Wiener Top-Chefs auf den Import von Meeresfischen und setzt auf heimische Ware wie Zander aus dem Neusiedler See oder Kärntner „Loxn" (Lachsforelle) aus dem Drautal. Auch der Alm­ochse sowie das Straußenfleisch (bei unserem Besuch als großartiges Tatar präsentiert) kommen von Produzenten aus Kärnten.

Eine Beurteilung eines Restaurants in den ersten Tagen nach der Eröffnung kann naturgemäß nur eine erste Orientierung sein, doch es ist klar, wohin die Reise gehen soll. Mit einer für österreichische Verhältnisse extrem elaborierten Küche will sich Nickol mit dem Restaurant, das seinen Namen trägt, ganz vorne einreihen. Das wird wohl auch deshalb gelingen, weil auch das Serviceteam freundlich, kompetent und top motiviert ist und das Weinangebot schon in der Vergangenheit das Beste des Landes war. Erstaunlich, wie (vergleichsweise) günstig manche Raritäten aus dem Keller sind. Natürlich werden hier auch superreiche Gäste glücklich, die Flaschen im Gegenwert eines Kleinwagens trinken wollen, aber auch Normalverdiener finden zu Preisen von 40 bis 90 Euro exklusive Raritäten, die wirklich Spaß machen.

www.palais-coburg.com

Wolfgang Schedelberger

 

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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