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Ein Sommer wie dieser

12.12.2006

In der Gastronomie konnte der Durchhänger im August durch den schönen Oktober wieder gut­gemacht werden – die Gastgartensaison dauerte vielerorts bis zu Allerheiligen und hob die Umsätze.

Die österreichische Gastronomie freut sich über die beste Schanigarten-Saison seit Jahren. Das praktisch durchgehend sonnige und warme Wetter in den Monaten September und Oktober habe die Besucherzahlen und damit auch die Umsätze in den Gastgärten kräftig ansteigen lassen, womit die Branche die mäßigen Ergebnisse vom verregneten August mehr als ausbügeln konnte.

Der Gastro-Sommer
„Ich kann mich an keinen so wunderbaren Altweibersommer erinnern. Selbst bei meinem eigenen Betrieb in Maria Schutz auf 750 Metern Seehöhe waren bis Ende Oktober alle verfügbaren Schanigarten-Möbel im Einsatz“, gibt Rudolf Rumpler, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der WK Niederösterreich, bekannt. Die für die Jahreszeit ungewöhnlich hohen Temperaturen helfen den Wirten auch, Energie- und Heizkosten zu sparen. Schönes Wetter vorausgesetzt, seien Gastgärten für die heimischen Restaurants und Wirtshäuser ein „wahrer Umsatzankurbler“, betont Rumpler: „Manche Betriebe erwirtschaften mit ihnen ein Zusatzplus von bis zu 50 Prozent. Jeder einzelne verfügbare Sitzplatz im Freien macht sich dann bezahlt.“
Peter-Paul Frömmel, Spartengeschäftsführer WK Oberösterreich: „Wir spürten das gute Spätsommerwetter in Oberösterreich vor allem in der Ausflugsgastronomie. Die meisten Gastgärten waren am letzten Oktoberwochenende noch offen und die Gäste nehmen das gerne an. In der Beherbergung spürt man das naturgemäß etwas weniger. Trotzdem gleicht auch hier der schöne Herbst den schlechten August etwas aus.“
Anders sieht das Harald Pokorny, der Fachgruppengeschäftsführer Gastronomie WK Burgenland: „Für uns war es von April bis August eher schlecht. Viele Gäste ließen sich durch die Segel-WM abschrecken, bei der 100.000 Gäste prognostiziert wurden, letztendlich aber nur 7.000 kamen. Im August litt man dann unter dem schlechten Wetter. Der September und Oktober waren dann gut, können jedoch den Ferienmonat August nicht wettmachen. Wir hoffen jetzt noch auf das Martiniloben, dass traditionsgemäß im Burgenland einen hohen Stellenwert besitzt. Sehr gut etabliert haben sich die Pannonischen Schmankerlwirte, denen sich bereits 45 Betriebe angeschlossen haben. Allgemein gesehen wird der Sommer 06 jedoch etwas schlechter ausfallen als der Sommer davor.“
In Salzburg sieht man sich mehr und mehr der ausländischen Konkurrenz ausgesetzt. Das typische Salzburger Wirtshaus hat es hier immer schwerer zu bestehen. Beherzte Initiativen sind gefragt, und wo sie bestehen, setzen sie sich auch immer mehr durch.

„In der Stadtgastronomie war der Sommer sicherlich zufriedenstellend“, meint der Fachgruppengeschäftsführer Gastronomie WK Salzburg Markus Hoffmann: „Hier hat vor allem die durch die Rad-WM stattgefundene Saisonverlängerung beigetragen. In den Salzburger Regionen ist das sehr unterschiedlich, da sich hier auch der schlechte August und der gute September und Oktober verschieden ausgewirkt haben. Grundsätzlich hatten wir in Salzburg heuer eine bessere Sommersaison als im Vorjahr, was vor allem auf die Rad-WM und das Mozart-Jahr zurückzuführen ist.“
Gerhard Kienzl, Spartengeschäftsführer der WK Steiermark freut sich mit seinen Gastronomen über einen recht zufriedenstellenden Sommer, denn der schlechte August wurde durch den schönen Herbst wieder wettgemacht: „Die bestehenden Stärken konnten dadurch weiter ausgebaut werden. Die südsteirischen Weinstraßen z. B. konnten sich heuer über einen sehr starken Zustrom freuen. Nicht zuletzt durch die gut ausgelasteten Gastgartenbetriebe können wir uns heuer über ein besseres Sommergeschäft freuen als im Vorjahr.“

Für Herbert Bonka vom nieder­österreichischen Wirtshaus im Wienerwald in Ober-Kirchbach war der Herbst ganz toll: „Wir räumen den Garten erst, wenn die Saison wirklich vorbei ist – wir sind da sehr flexibel. Nachdem wir zufälligerweise gerade in den schlechten zwei August-Wochen ohnehin gesperrt hatten, ist dieser schöne Herbst für uns ein Zusatzgeschäft. Wir leben von Stammgästen, die bei schönem Wetter mehr zu uns kommen.“
In Vorarlberg sind die Nichtraucher-Betriebe sehr gut angenommen worden. Zusätzlich zu den Nichtraucherzonen, deren 90 % man bis Jahresende schaffen wird, wurde eine Initiative zu absolut rauchfreien Betrieben gestartet. 40 Betriebe haben darauf umgestellt und melden durchwegs positive Reaktionen ihrer Gäste. Harald Furtner, Fachgruppengeschäftsführer Gastronomie WK Vorarlberg, analysiert: „Laut Gastromonitor dürfte in Vorarl­berg der Gastro-Umsatz stagnierend bis eher rückläufig sein. Nur wenig Betriebe melden Steigerungen. Vermutlich dürfte sich das Wetter und auch die Fußball-WM – die Gäste blieben eher zu Hause – eher negativ ausgewirkt haben.“

Für Hermann Prilisauer, Fachgruppenobmann Gastronomie der WK Wien war der Sommer schlecht: „Im Juli zu heiß, der August verregnet – im Herbst haben vor allem die Gastgartenbetriebe jedoch wieder alles aufgeholt. Und es geht jetzt weiter: Die Wild- und Ganslwochen konsolidieren sich immer mehr und diese Spezialitäten isst man halt beim g’standenen Wiener Wirten, den man kennt. Es zeichnet sich überhaupt ein Trend ab, der das Gastronomie-Geschäft eher in den Frühling und Herbst verlegt als in den Sommer. Zu heiß, zu verregnet, nicht in Wien, auf Urlaub hört man hier immer wieder. Im Frühling und Herbst sind alle da und Touristen gibt es auch genug.“
In Tirol wie auch in den anderen Bundesländern verlieren die Wirte beim Mittagsgeschäft immer mehr an Fast-Food- und Supermarkt-Ketten. Hier muss rasch mit neuen Konzepten reagiert werden.

Peter Trost, Fachgruppengeschäftsführer Gastronomie WK Tirol, freut sich aber: „Der Sommer war für die Tiroler Gastronomie super. Wenn das Wetter gut ist, geht’s in den Bergen besser, wenn’s schlecht ist, in den Tälern. Man kann die Gastronomie jedoch nicht über einen Kamm scheren. Die Insbrucker sind sehr zufrieden, Lokale, die in der Peripherie liegen, haben jedoch zu kämpfen. Wir sehen den Sommer aber durchwegs als positiv.“
In Kärnten setzen sich Betriebe, die ein klares Konzept vorzuweisen haben, immer mehr durch. Italiener, Asiaten oder auch Kärntner Wirtshauskultur-Betriebe haben deutliche Vorteile gegenüber Betrieben ohne klarer Struktur.
Guntram Jilka, Fachgruppengeschäftsführer Gastronomie WK Kärnten, erklärt, das Kärnten ein Badetourismusland sei: „Die Kärntenurlauber kommen hauptsächlich zum Baden und später zum Wandern. Somit hatte die Bädergastronomie durch den verregneten August grobe Verluste, die natürlich auch durch den schönen September und Oktober nicht mehr aufzuholen waren. Einzig unsere drei größeren Städte Klagenfurt, Villach und Spittal hatten dadurch einige Vorteile.“

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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