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Ein Wohnzimmer für Beamte

30.06.2004

Das Café Ministerium hat seit seiner ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1935 seinen Namen aufgrund seiner exponierten Lage, liegt es doch gleich gegenüber dem heutigen Ministerium für Arbeit und Wirtschaft, dem ehemaligen Kriegsministerium. Es ist heute wie damals Treffpunkt der Beamten zum Frühstück und zum Mittagessen. So mancher Stammgast kommt zweimal täglich oder mehrmals wöchentlich.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Café Ministerium im Jahr 1935. Es liegt gleich neben dem berühmten Otto Wagner-Bau, der Postsparkasse, und gegenüber dem Ministerium für Arbeit und Wirtschaft. Errichtet wurde das Café Ministerium in den ehemaligen Räumen einer Eisenhandlung. Die Familie Schumann führte das Café als „Familien-Espresso“ mit Hauptaugenmerk auf Getränke. „Am 1. Juli 1960 übernahmen Karl und Elfriede Tiroch das Café“, erklärt der heutige Besitzer Kurt Tiroch, der sich an den Tag der Übernahme noch genau erinnern kann: „Mein Vater war in den 40-er Jahren Oberkellner im Café Ministerium und machte sich später mit zwei Gasthäusern selbständig. Im 7. Bezirk in Wien betrieben sie das Gasthaus ‚Steinerne Eule‘ und im 20. Bezirk das Gasthaus ‚Kopp‘, das es noch heute gibt.“ Einer Anekdote nach soll Herr Schumann anlässlich der Kündigung meines Vaters gesagt haben, dass er, wenn er verkaufen möchte, zuerst an Karl Tiroch denken werde. Und so geschah es dann Ende der 50- Jahre, dass „aus den g’standenen Gastwirten Kaffeesieder wurden“, schmunzelt der heutige Besitzer Kurt Tiroch, der das Café am 1. Juli 1980 von seinen Eltern übernahm.

Verlängertes Wohnzimmer
Noch heute ist das Café Ministerium, das nach mehreren Renovierungen mit seiner gepflegten rot-plüschigen Atmosphäre und den schicken Kugellampen, seinen Charakter behielt, das verlängerte Wohnzimmer der Beamten von gegenüber. „Wir haben 80% Stammgäste, manche kommen oft zweimal täglich und manche mehrmals wöchentlich, womit sich auch die Öffnungszeiten – Montag bis Freitag von 7 bis 23 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertag geschlossen – erklären“, bilanziert der Kaffeesieder, der mehr im operativen Geschäft tätig ist und seiner Frau Bernadette, dem Engel vom Café Ministerium, Einkauf, Service und Speisekartengestaltung überlässt. Großer Wert wird auf eine vielfältige Speisenauswahl gelegt, wobei der Schwerpunkt bei der traditionellen Wiener Küche liegt, die mit vegetarischen Gerichten ergänzt wird. Zur Standardkarte gibt es eine täglich wechselnde Tageskarte mit rund 15 Speisen sowie ein Mittagsmenü. Im Bereich der Wiener Küche finden sich auch Gerichte wie Linsen mit Speck und Knödel, Kohlrouladen mit Kartoffeln, Grammelknödel oder Pragerschnitzel mit Schinken, Spiegelei und Bratkartoffeln. Zu einem echten Wiener Café gehört auch das traditionelle Wiener Frühstück mit seinen Kaffeespezialitäten wie dem Häferlkaffee - Kaffee mit viel geschäumter Milch, Melange, Verlängerter Brauner oder Mocca und Cappuccino sowie hausgemachte Mehlspeisen. Nebst Topfen- und Apfelstrudel werden die Gäste mit Dukatenbuchteln mit Vanillesauce, Zwetschkenknödeln oder Powidltascherln verwöhnt. „Zu 80% werden von den Gästen der Kleine und Große Braune, der Cappuccino und die Melange geordert. Kaffee-Spezialitäten wie Kapuziner, Fiaker oder Maria Theresia gehören dazu, werden aber selten bestellt. Wir servieren auch keine ‚flavoured Coffees‘, da sie unsere Kundschaft nicht angenommen hat“, erklärt Kurt Tiroch seine Kaffeekarte.

Treffpunkt
Der Clubraum, der mittags Speisesaal ist, bietet Platz für Treffen des Expeditions-, 2CV-, Single-, Schach- und Astrologenclubs oder der Imkervereinigung. Zweimal pro Woche verwandelt sich das Café Ministerium in ein Konzertcafé. Die Gäste können jederzeit Karten oder Schach spielen. „Wir forcieren das Spielen nicht, aber wer will, darf – und so lang es sich in das Tagesgeschäft integrieren lässt, sind Spieler herzlich willkommen“, betont Tiroch, der sich auch schon seine Gedanken zum neuen Dauerbrenner „Rauchverbot“ macht. „Das Café Ministerium ist ein Raucherlokal. Sollte es einmal verpflichtend sein, einen Nicht-Raucheraum zu haben, so findet der Gast diesen im Speiseraum, doch bei uns gab es von seiten der Gäste noch kein Bedürfnis nach einem Nicht-Raucherraum“, erklärt Kurt Tiroch.

Café Ministerium, 1010 Wien, Georg Coch-Platz 4 (Ecke Stubenring 6) Tel. 01/512 92 25, www.wiener-kaffeehaus.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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