Direkt zum Inhalt
Europäisches Küchen- und Serviceniveau kommt in Indonesien gut an.

Eindeckung mit dem Boot

07.03.2019

Ein Osttiroler Wirtssohn betreibt auf einer idyllischen Insel in Indonesien ein Restaurant und ein kleines Bungalow-Hotel. Wie funktioniert das: Gastgeber in den Tropen?

 

Philipp Messner, Gastronom und Hotelier auf Gili Air.
Shark-Villa mit Pool.

Restaurantbesitzer und Hoteliers stellt man sich anders vor: Philipp Messner hat einen Kurzhaarschnitt, einen rauschenden rot-blonden Bart und trägt ein Black-Sabbath-T-Shirt und weite Hosen. Der 35-Jährige hat tausende Kilometer entfernt von seiner Heimat seinen Traum vom eigenen Restaurant und Hotel in die Tat umgesetzt. Auf der kleinen Insel Gili Air, ganz in der Nähe von Bali, hat er das Restaurant „Sharkbites“ eröffnet und knapp eineinhalb Jahre später dann das kleine Hotel „Shark-Villas“. Von Lienz nach Gili Air: Wie geht das? Seine Eltern, Gisela und Gerald Messner, betrieben von Ende der 80er-Jahre bis knapp nach der Jahrtausendwende das beliebte Szenelokal „Alt Lienz“. „Ich musste in meiner Jugend meine Eltern zwar mit den Lokalgästen teilen, aber dafür wurde mir das Gastgewerbe praktisch in die Wiege gelegt“, scherzt Philipp im Rückblick. Seinen Vollbart hat er übrigens auch von seinem Vater übernommen. 

Klassische Ausbildung

Die Ausbildung ist klassisch: Kellnerlehre beim bekannten Hotel Strasser Wirt im Osttiroler Pustertal, danach wechselnde Saisonjobs, zuerst in Osttirol, dann in der Schweiz, um danach ein paar Jahre im Hotel Scesaplana in Brand bei Bludenz in Vorarlberg zu verweilen. „Von dort aus öffnete sich durch einen Arbeitskollegen die Tür zu den Cayman Islands“, erzählt Phi-lipp. Ohne viel nachzudenken, ging es nach Saisonende ab zum Flughafen und in die Karibik. „Nach erfolgreicher Arbeitssuche und genug Bier am Strand“ habe er sich eingearbeitet und seine Englischkenntnisse verbessert und war gerüstet für eine Festanstellung im „Morgan’s Harbour“, einem bekannten und vor allem bei den Einheimischen sehr beliebten Restaurant. 

„Auf halben Weg in die Caymans“, wie es Messer ausdrückt, hat er dann seine Frau Esin Atalay, eine türkische Tauchlehrerin, die schon die ganze Welt umrundet hat, kennengelernt. „Meine Frau kannte von ihren früheren Reisen Thailand und die Philippinen recht gut, deshalb entschlossen wir uns, unsere Flitterwochen in dieser Ecke der Welt zu verbringen. Wir hatten auch schon Ideen über unsere berufliche Zukunft gewälzt und wollten unsere Hochzeitsreise nebenher auch damit verbringen, um uns nach Geschäftsmöglichkeiten umzusehen.“  

Inspirierende Flitterwochen

Bali war atemberaubend, aber recht touristisch. Also hat das Flitterwochen-Pärchen mit einem Schnellboot auf die Gili-Inseln übergesetzt, um das unverfälschte Tropenleben zu entdecken: „Keine motorisierten Fahrzeuge, dafür Kokosnusspalmen, Bambus, Hütte und Strände, so weit das Auge reicht“, schwärmt Philipp. Toll sei auch die Mentalität der Einheimischen, die von einem Mix aus Tradition und westlichem Einfluss geprägt ist. Bereits nach wenigen Tagen reifte der Entschluss des jungen Paares, auf der kleinen Insel Gili Air ihr Glück zu versuchen. „Wir fanden eine einheimische Familie, die ihr kleines Bambus-Restaurant vermieten wollte, und schon waren wir Unternehmer auf einer tropischen Insel“, erinnert sich Philipp.  

Anspruchsvolle Logistik

Seit vier Jahren wird nun das Sharkbites mit viele Liebe und Engagement betrieben. Das Konzept ist einfach: ein eigenständiges Lokal, das mit hausgemachtem Brot und einer guten Auswahl an importierten Produkten und guten Getränken hervorsticht. Messner hat europäisches Küchen- und Servicenivau in sein Bambus-Lokal gebracht. Aus der Speisekarte: Rote-Beete-Brot mit Kräutercremeaufstrich oder Chicken Cordon Bleu auf Weißgemüse. Damit kann man vor allem bei den auf Gili Air lebenden Ausländern und den Touristen, die „schon genug Reis gegessen haben“, punkten. Beim Bau der Villen wurde dem jungen Unternehmerpaar erstmals wirklich bewusst, dass hier in den Tropen Zeitpläne und Materialbeschaffung eine ganz besonderer Herausforderung darstellen, es muss ja alles in Booten herangeschafft werden. Außerdem sei die „Arbeitsmoral den tropischen Bedingungen der Insel angepasst“, grinst Messner. „Aber schließlich haben wir es geschafft und unsere vier Villen mit Pool fertiggestellt.“ Die Insellage birgt auch im täglichen Betrieb ihre Schwierigkeiten. Sämtliche Import-Produkte müssen in Bali gekauft werden, und auch dort hat sich Messner ein Netzwerk an Lieferanten aufbauen müssen: drei Firmen für Wein, Bier und Spirituosen, drei für Fleisch und Würste und vier für Salate, Früchte, Gemüse und Fisch. Dann muss die Ware mittels Spedition zur Nachbarinsel Lombok gebracht werden, dann weiter mit dem Boot nach Gili Air und schließlich mit dem Schubkarren ins Restaurant. Dennoch möchten Philipp und seine Frau Esin ihr Unternehmen nirgendwo anders auf der Welt haben. 

Text: Dieter Mayr-Hassler

Werbung

Weiterführende Themen

Europäisches Küchen- und Serviceniveau kommt in Indonesien gut an.
Gastronomie
14.03.2019

Ein Osttiroler Wirtssohn betreibt auf einer idyllischen Insel in Indonesien ein Restaurant und ein kleines Bungalow-Hotel. Wie funktioniert das?

Aufgeben ist für Gerold Ecker keine Option. Seine unternehmerische Existenz steht auf dem Spiel.
Gastronomie
12.03.2019

Mit dem Start der Outdoorsaison poppen auch wieder ungelöste Probleme mit den Pachtflächen am Donaukanal auf. Die neu ausgeschriebenen und an Gastronomen vergebene Flächen können nicht alle ...

Jetzt gemeinsam mit World Vision bedürftige Kinder unterstützen! www.worldvision.at/gastronomie
Gastronomie
11.03.2019

Die Kinderhilfsorganisation World Vision Österreich bietet ab sofort ein ganz spezielles Angebot für alle Gastronomiebetriebe, die soziales ...

Fergus Henderson serviert Knochen als Signature-Dish – und verlangt 10,80 Pfund dafür.
Gastronomie
07.03.2019

Ein Gericht kann als perfektes Marketingtool dienen. Und das nicht nur für die Spitzengastronomie. 

 

So sieht ein Apartment für Studierende im „The Fizz” in Wien Brigittenau aus.
Hotellerie
07.03.2019

Zu viele Hoteliers und zu viele Ketten machen das Gleiche. Dabei gibt es Ideen und Investoren genug. Und der Markt ist in Bewegung. Vieles scheint möglich. Eindrücke vom 13. imh-Jahresforum in ...

Werbung