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Eine erfreuliche Verkostung: Jede Menge empfehlenswerte Weine

18.09.2009

Der ÖGZ-Weincup wartet mit einem speziellen Ansatz auf. Es geht um das Verhältnis von Preis und Leistung. Dieser Maßstab wurde quer über die rund 150 eingereichten Weine gelegt – in aller Vielfalt quer durch die Weingärten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Text: Walter Tucek, Helmut Knall

Auch wenn es sehr anstrengend war – immerhin hatten wir fast 170 Weine zu verkosten – es hat sich wirklich gelohnt. Denn es war eigentlich kein einziger schlechter Wein dabei. Und das obwohl ja auch Weine unter 5,– Euro am Start waren. Das Niveau war mehr als erfreulich. Denn eines muss einmal ganz deutlich gesagt werden: Weine, die in unserer Wertung 1 Glas erhalten, sind gute, saubere Weine, die in der Regel feinen Trinkspaß mitbringen.
Und somit sehr oft perfekt für den glasweisen Ausschank oder als Begleiter zu einem Gang im Menü mit Weinbegleitung. Natürlich haben Weine mit mehr Tiefgang, mehr Finesse, Sorten- oder Regionstypizität dann eine höhere Wertung, aber auch die einfachen Weine haben durchaus ihre Berechtigung.

Und genau das war ja auch unser Hintergedanke, als wir überlegten, diesen Preis-Leistungs-Cup auszuschreiben. Wir dachten uns, dass da sicher einige Überraschungen herauskommen werden. Und so war es auch. Einige noch recht unbekannte Winzer haben hier aufgezeigt, bekannte Winzer schickten ihre „Basis-Weine“ oder Rebsorten, für die sie nicht so bekannt sind, und, „die Großen“, wie Lenz Moser oder Winzer Krems, zeigten, dass sie gerade in diesem Segment ganz ausgezeichnete Qualitäten zu bieten haben. Bravo.
Wir verkosteten verdeckt – hatten also keine Ahnung, was wir im Glas haben, außer der jeweiligen Preiskategorie.
Das Ergebnis hat uns nicht nur der Qualitäten wegen verblüfft, sondern auch in der Wertung der Jury. Noch nie waren die Punktewertungen und Weinbeschreibungen so nahe beinander.

Wein unter 5 Euro? Kann man das überhaupt trinken? Und wie!
Immerhin 6 Weine erreichten sogar 4 Gläser, dafür braucht man schon ganz schön hohe Wertungen von allen vier Juroren, und noch einmal 12 erreichten 3 Gläser, dafür braucht’s schon einen Notendurchschnitt über 16 Punkte. Wunderbare Weiße allen voran Franz Proidl mit seiner Senftenberger Freiheit, Thiery-Weber mit dem GV Animo, Rudolf Rabl mit seinem Spiegel und das Weingut Dürnberg mit einem wunderbaren Chardonnay. Bei den Roten brillierten das Weingut Esterházy und Franz Weninger aus Horitschon mit einer Rebsorte, für die sie normalerweise nicht so bekannt sind, nämlich mit Zweigelt. Unter den 3-Gläser-Weinen gibt es dann allerdings einige Blaufränkisch aus dem Mittelburgenland, was beweist, dass Blaufränkisch auch in seiner leichteren Variante sehr viel Spaß machen kann.

Wein bis 7,50 Euro – Die Gastrohits
Weine im Bereich zwischen 5,50 und 7,50 sind ideal für die Gastronomie. Selbst mit der alten Dreihunderter-Kalkulation bleibt man hier in einem Preisrahmen, den die Gäste noch locker akzeptieren. Und gerade in diesem Segment ist die Qualität schon auf ziemlich hohem Niveau, das findet man in der ganzen Welt nicht so leicht. In unserer Verkostung gleich 12 Weine mit 4 Gläsern! Und knapp 30 Weine mit 3. Ein Riesenkompliment an unsere Winzer. Tolle Leistung.
Besonders erfreulich auch hier junge Winzer, die bei Insidern schon ein Geheimtipp sind, aber auf den Weinkarten der Gastronomie noch nicht so bekannt sind. Der blutjunge Matthias Jalits zum Beispiel, der mit seinem Blaufränkisch Szapary vom Eisenberg im Südburgenland überzeugen konnte. Oder das Weingut Frank aus dem Weinviertel, das gleich zwei Weine ganz vorne plazierte: den Veltliner von den Rieden und den Zweigelt Altenbergen.
Überhaupt sind viele Weinviertler Weine im Spitzenfeld zu finden. Auch das Weingut Michlits-Stadlmann ist vielleicht noch nicht so bekannt, die Cuvée St. Andreas ist aber wert, sich damit zu beschäftigen.
Nun gut, Weninger, Johann Heinrich, Aumann und Esterházy sind nun wirklich keine Newcomer mehr, zeigen aber hier sehr deutlich, dass ihre Weine kein Vermögen kosten. Und dem Kellermeister Pepi Pusch muss man hier ein Riesenkompliment ins Weingut Esterházy schicken, wie er dort die Qualität gesteigert hat, ist toll; Paradebeispiel der Pinot Noir Classic, der nur um Haaresbreite am fünften Glas vorbeigeschrammt ist.

Wein bis 10 Euro. Ein strahlender Gesamtsieger
Strahlend im wahrsten Sinne des Wortes war der Riesling Kellerberg
aus Loiben in der Wachau. Alle vier Juroren bewerteten diesen Wein mit über 18,5 Punkten. Das bedeutet sogar 5 Gläser. Als einziger Wein der Verkostung. Gratulation dem sympathischen Winzerpaar. Und dabei hatte sich Wolfgang Bäuerl im April noch den Kopf zerbrochen, ob er seine Weine anders vinifizieren soll, weil sie bei den Präsentationen Anfang Mai/Juni immer so verschlossen sind. Nun, einfache Antwort: Nein. Sondern erst im September probieren: Dann singen sie!

In dieser Kategorie sind natürlich sehr viele bekannte Namen, wie Josef Gager, der gleich zwei Weine mit 4 Gläsern und weitere zwei mit 3 Gläsern bewertet bekam.
Oder die Weingüter Iby, Maria Kerschbaum, Fred Loimer oder Tibor und Illa Szemes. Aber auch hier sehr erfreulich, die weniger prominenten Winzer, die mit feinen Weinen überzeugen konnten, wie das Weingut Wagentristl, die ­Brüder Münzenrieder, die unter PMC firmieren, die Wein­güter Zottl, Lorenz, Georgiberg und viele andere. Sehr erfreulich hier auch die hohen Qualitäten aus den Kellereien von Lenz Moser und Winzer Krems. Alles in allem: Österreich hat tolle Weine. Das wussten wir immer schon. Aber es gibt auch ganz viele mit einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis. Man muss sie nur finden. Wenn wir Ihnen auf Ihrer Suche ein bisserl geholfen haben, dann freuen wir uns.

Vielen Dank für die Gastfreundschaft:

Weinquartier bei der Oper Wien,
Hanuschgasse 3

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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