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Eine Rallye ohne Zeitdruck

02.07.2015

Im Sausal lädt eine Feinschmeckerrallye dazu ein, die Gegend kulinarisch zu erkunden. Eine gute Möglichkeit, um die Vorzüge einer touristischen Region zu präsentieren

Unter dem Titel „Der Gipfel des Genusses“ stehen fünf Gänge, serviert von Spitzenköchen der Region, und ein Überraschungsgang, alles zusammen für 150 Euro pro Person, auf dem Programm. Ein Taxidienst chauffiert die Gäste zu den ausgewählten Spitzenbetrieben, ausgiebige Landschaftsbetrachtungen auf den Fahrten und Hinweise auf weitere kulinarische und landwirtschaftliche Spezialitäten inklusive.
Fixe Größen und alteingesessene Betriebe wie der Kirchenwirt Heber (Kalte Vorspeise), der Weinhof Kappel in Kitzeck (Dessert) und die Schmankerlstub’n Temmer (Suppe) in Tillmitsch überzeugen mit regionalen, saisonalen Köstlichkeiten und unaufgeregter Inszenierung ihres Könnens. „Sie sind es, die seit Jahrzehnten konstant die Qualität in der Gegend vorantreiben, nicht zuletzt auch, indem sie ihr Können weitertragen und Lehrlinge ausbilden“, so Robert Dirnböck, Vorsitzender der Tourismusverbands Sulmtal-Sausal.
Ein weiteres Highlight: der Zwischengang im jugendlich ambitionierten Weingartenhotel Harkamp in den Weinbergen des Flambergs. Upgecycelte Designerstücke – Überbleibsel aus dem Hotelinterieur der Sechzigerjahre – wurden liebevoll in ein modernes Ambiente integriert, das aber trotz Pop-Art-Charakters nie überfrachtet wirkt. Mittels Stufe um einen halben Meter nach unten versetzte Balkonbrüstungen geben den Blick frei ins Tal. Alles wirkt hier festlich: Harkamp hat sich auf das Heiraten spezialisiert – mit etwa 60 Hochzeiten pro Jahr. Am Donnerstag gibt es „Kitchen on Air“ mit Live-Konzerten. 2016 feiert Harkamp übrigens sein 90-Jahr-Jubiläum.

Ohne Schnickschnack
In vollkommener Geradlinigkeit präsentiert Tom Riederer sein Sausaler Kalb, glaciert mit süßen Wiesenblüten. Er hat seinen berauschend schönen, selbst adaptierten Pfarrhof
St. Andrä im August 2014 eröffnet. Sein Mitarbeiter Manuel Liepert hat den alten Kirchenwirt in Leutschach als Liepert’s Kulinarium übernommen. In St. Andrä will Riederer nur noch „Küche ohne Punkti-Punkti, Strichi-Strichi, einfach, zeitlos, nichts Gekünsteltes.“ Eine faszinierende Tribüne hat er in den Garten des Pfarrhofs zimmern lassen, um dort seine Gäste zu bewirten. Inklusive Küche, denn im Sommer will er so viel wie möglich draußen kochen. Dazu eine eigene Schafzucht, Ziegen und später auch einmal Gänse. Die Gästezimmer und Einrichtung der Gasträume: unprätentiös, statt Klimaanlage kühlt Brunnenwasser die Wände. Durchschnittlich 27 Gäste bekocht Riederer. „Wir stehen zu zweit in der Küche. Weniger Personal bedeutet mehr Kontrolle.“ Zugunsten des prächtigen Weinkellers im Pfarrhof hat Sommelier René Kollegger dem Schlossstern in Velden nach nur drei Monaten den Rücken gekehrt.

Überraschung
Die Bezeichnung Überraschungsgang für das Golden Hill ist ganz klug gewählt, denn das neue, teils noch in Bau befindliche Private Hide-away auf einem sechs Hektar großen ehemaligen Bauernhof sticht nicht nur positiv heraus. Das 270-Quadratmeter-Loft mit dazugehörigem Infinity-Pool und Private-Dining-Angebot ist bereits fertig, die sechs Chalets und Suitenhäuser sowie ein Helikopterlandeplatz wollen noch finanziert werden. Die Einrichtung haben Barbara und Andreas Reinisch, wie sie erzählen, aus der ganzen Welt zusammengetragen. Es ist ein ambitioniertes Projekt, das sich vor allem an die Managementebene als Zielgruppe richten soll. Leider aber vertraut Reinisch nicht auf die Anziehungskraft des Sausals, sondern setzt auf Country-, Western- und Toskana-Zitate und mediterrane Versatzstücke, die den Gesamteindruck austauschbar, um nicht zu sagen, beliebig werden lassen. Der Überraschungsgang regt jedenfalls zu Diskussionen an, berichtet auch Dirnböck vom Tourismusverband Sulmtal-Sausal. Das Interesse an der Feinschmeckerrallye ist erfreulich hoch, die Buchungen reichen bereits bis in den Herbst. Auch Gastronomen haben sich mit ihrer Belegschaft schon für die Tour interessiert. Die Mischung macht das Angebot sehr attraktiv.
Eine gelungene Gelegenheit über die Betriebe vor Ort Ausprägungen und Interpretationen der Region zu präsentieren und die Gastronomen miteinander zu vernetzen und ins Gespräch zu bringen.

 

Marie-Theres Stremnitzer

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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