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Nicht nur Bares ist Wahres: Alternativen zum Bargeld sind im Kommen.

Eiszeit fürs Bargeld

06.02.2020

Auch wenn das Bargeld in Österreich immer noch beliebt ist: Ausländische Gäste möchten mit Handy, Apple Pay oder Alipay zahlen. Wir sind der Frage nachgegangen, welche Bezahlformen für die Gastronomie und Hotellerie in Zukunft relevant sein werden

Cash only, sorry“, steht an der Eingangstür: keine Kreditkarte, kein Handyzahlen, kein Plastik – nur Bares ist hier Wahres, wie der Barkeeper höflich, aber bestimmt zu verstehen gibt. „Willst du, dass du für das Bier mehr zahlst, nur damit ich eine Karte annehme?“, fragt er. Speziell die Gastronomie verzichtet relativ oft auf die Möglichkeit des bargeldlosen Bezahlens. Wieso eigentlich? 
„Es fehlt ein wenig am Mut, neue Payment-Pfade zu beschreiten und Dinge auszuprobieren. Denn die Infrastruktur für mobiles und kontaktloses Bezahlen gibt es ja längst“, sagt Wolfgang Robben, der Sprecher des Gastronomie-Kassenanbieters Gastrofix.  Aber es tue sich gerade etwas, meint er. 

Wohin die Reise geht, zeigt beispielsweise der Salzburger Gastronom Heiner Raschhofer. „Szenelokal“ und „Glorious Bastards“ heißen zwei der Lokale, die zu seiner R.I.C.H. GmbH gehören. Gereicht werden Surf&Turf-Burger, dazu gibt es Craftbier, aus den Boxen kommt Musik, die aber vom Geplauder der Gäste übertönt wird. Das Szenelokal versucht zu halten, was es verspricht: nämlich am Puls der Zeit zu sein. Das hört aber nicht bei der Bewirtung auf. 

Zahlen mit dem Handy

Seine Lokale bieten so gut wie  alle Arten des bargeldlosen Bezahlens an, erklärt Raschhofer im Gepräch mit der ÖGZ. Dazu gehören auch Gutscheine von Sodexo, eine firmeneigene Prepaidkarte oder die mobilen Bezahlformen Apple Pay und das chinesische Alipay. „Alipay ist gerade in einer Testphase in einigen Betrieben. Die Evaluierung findet Ende Februar statt. Voraussichtlich werden wir es aber in allen Betrieben einführen. Der nächste Schritt ist dann WeChat Pay“, sagt Raschhofer. Führend seien bei der Bezahlung weiterhin Bankomat- und Kreditkarten, aber besonders bei den Jungen sei ein Ansteig beim Bezahlen übers Smartphone zu beobachten. Das hat für den Gast zweifelsfrei seine Vorteile. Einfach kurz das Handy zücken oder die Karte ans Display halten – fertig. Noch wichtiger für den Gast ist aber laut einer aktuellen Studie die Bequemlichkeit: Welche Erleichterung ist es doch, wenn man vor dem Restaurantbesuch nicht erst Bargeld am Automaten ziehen muss? Darüber hinaus gibt es eine übersichtlichere Transparenz bei den Ausgaben als beim Bargeld. 

»Besonders bei ­Jugendlichen ist ein ­Anstieg des Zahlens über ­Mobile Devices zu beobachten.«
Heiner Raschhofer, Gastronom

Vorteile für den Gastgeber

Auch die Vorteile für den Gastgeber liegen auf der Hand. Mobile Payment und kontaktloses Bezahlen über NFC sind deutlich hygienischer und wesentlich schneller. Das lästige Scheine- und Münzenzählen fällt weg. „Und auch immer mehr Mitarbeitende erkennen, dass ihre anfängliche Sorge, dadurch würde ihnen das Trinkgeld flöten gehen, unbegründet ist“, sagt Wolfgang Robben von Gastrofix. Viele Systeme oder Apps binden nämlich das Trinkgeld in den Bezahlprozess mit ein. Auch Betrug durch Mitarbeiter werde mit weniger Bargeld deutlich eingedämmt.

Der Trend zum bargeldlosen Bezahlen ist unaufhaltsam. Treiber ist das kontaktlose Bezahlen. Die Payment Systems Austria weist für 2019  etwa 515 Millionen Transaktionen mit einem Volumen von 15 Mrd. Euro über den kontaktlosen Standard NFC aus. Das sind im Jahresdurchschnitt bereits 68 Prozent der Gesamttransaktionen mit Bankomatkarten.

Die Bettlerspende per Handy

Laut dem aktuellen „Mobile Payment Report 2019“ von PwC beträgt der Anteil der Mobil-Bezahler quer durch alle Altersgruppen in Österreich bereits 32 Prozent, Tendenz steigend. In fünf Jahren wollen bereits 64 Prozent der österreichischen Verbraucher Zahlungen mobil abwickeln. Dennoch, im internationalen Vergleich ist Österreich noch immer sehr konservativ. Ein Land des Sparbuches, in dem es zu einem Aufschrei kommt, wenn die EU-Kommission auf die Idee kommt, die eigentlich nicht benötigten Ein- und Zwei-Cent-Stücke abzuschaffen. 

Anders sieht das beispielsweise in Schweden oder Dänemark aus. Die Skandinavier sind die Europameister, wenn es ums bargeldlose Bezahlen geht.  An den Türen vieler schwedischer Cafés und Bars klären Schilder auf: „Wir nehmen kein Bargeld an.“ Selbst manch Obdachloser hält bloß noch sein Smartphone hin, wenn er eine kleine Spende empfangen will. Verkehrte Welt! Wie das? 

Der Hintergrund: In Schweden sind Mobile-Payment-Systeme wie iZettle oder Swish weit verbreitet. Es kann direkt über das Handy Geld transferiert werden. Eine Zahlung mit dem Smartphone funktioniert durch das Scannen eines QR-Codes, per SMS oder mittels diverser Apps. Nach dem Durchbruch in den  USA werden Bezahl-Apps wie Apple Pay, Amazon Pay oder Google Pay auch in Europa beliebter. Im Prinzip laufen diese Services alle über ein Kreditkartenkonto ab. Wer so etwas seinen Kunden anbieten möchte, kann dies über einen mobilen Kartenterminal tun. Gerade bei kleinen Lokalen und Pensionen waren diese aufgrund der Gebühren lange unbeliebt – mittlerweile unterstützen diese aber auch die genannten Dienste, und die Transaktionskosten sinken. 

Six Payment Services als führender Anbieter dazu auf ÖGZ-Anfrage: „All unsere Terminals sind zeitgemäß mit der Kontaktlos-Technologie NFC ausgestattet und ermöglichen die Akzeptanz der immer beliebter werdenden Mobile-Payment-Lösungen.“ Bei chinesischen Touristen haben Alipay und WeChat Pay alle anderen Bezahlformen längst abgehängt. Liegt ein Betrieb in einem von Chinesen stark besuchten Gebiet, sollte man überlegen, diese Services anzubieten, meint Reinhard Lanner, Chief Digital Officer der Österreich Werbung: „Das Kaufverhalten bei Gästen aus China unterscheidet sich von jenem anderer Nationen. Während europäi-
sche Gäste es schätzen, eine Auswahl zu haben, wollen chinesische Gäste klare Empfehlungen, was genau Chinesen am liebsten kaufen. Diese bekommen sie auf Alipay oder WeChat Pay. Somit wenden sich diese Gäste fast ausschließlich an jene Geschäfte, die diese Erwartungen erfüllen.“

Zukunftsmusik? Zahlen mit dem Skistock

Ein weiterer Trend ist das kontaktlose Bezahlen mit sogenannten „Wearables“, also Accessoires bis hin zur Kleidung. Smarte Uhren sind bereits im Einsatz. Nachdem technisch problemlos möglich, werden in Zukunft alle möglichen Gegenstände wie Schlüsselanhänger, Schmuck oder auch Skistöcke mit Wert aufgeladen und zum Bezahlen verwendet werden können. Damit wird es möglich sein, dass man einfach mit dem Verlassen eines Geschäftes oder Lokals automatisch bezahlt, ohne dabei überhaupt an eine Kasse zu gehen. 

Viele dieser Trends finden zuerst im Online-Handel statt, sind aber früher oder später auch für die Gastgeberbranchen relevant.  Der Country Manager von Six Payment Services, Christian Renk, beschäftigt sich derzeit sehr stark mit dem sogenannten „Conversational Commerce“ – das sind Zahlungen, die in sozialen Netzwerken, Chat-Bots oder Sprachtechnologien wie Google Assistant, Amazons Ale-
xa oder Apples Siri initiiert werden. Da Chat-Bots und Sprachassistenten Messaging-Anwendungen mit dem Handel verbinden, nutzen immer mehr Verbraucher diese Dienste bereits, um Produkte und Dienstleistungen zu finden, auszuwählen und dann zu kaufen. Für die Hotellerie ist ein Einsatz dieser Technologien jedenfalls auch sehr relevant.Man darf gespannt sein, was die Zukunft sonst noch bringt. 

 

ÖGZ- UMFRAGE: Welche Formen des bargeldlosen Bezahlens bieten Sie an?

 

Roland Krammer, Gastwirtschaft Neunläuf, Hobersdorf

»Wir bieten keine Zahlungsarten wie Ali Pay, WeChat Pay oder Apple Pay an. Die Bankomat- und Kreditkartenzahlung haben wir vor acht Jahren eingestellt. Die Gründe dafür waren: Falsche Abrechnung von der CC, zu aufwendiges Controlling für uns als kleinen Betrieb und die Vereinfachung der Buchhaltung. Mittlerweile hat jeder Gast eine Handy-App, um direkte Überweisungen vom Konto zu tätigen. Wir haben also kein Disagio. Manche nehmen sich einen Zahlschein mit. Andere fahren zum Bankomat und holen das Geld (es gibt zwei Bankomatkassen im Ort). Für Firmen haben wir ein Konto im Haus angelegt und sie bekommen am Monatsende eine Sammelrechnung.«

Roland Krammer, Gastwirtschaft Neunläuf, Hobersdorf, by d.nutz
Michael Kröger, Verkehrsbüro Gruppe

»Bargeldloses Bezahlen ist auch für uns ein großes und sehr spannendes Thema. Zurzeit läuft eine Evaluierung ob, und wenn ja in welchem Ausmaß, wo und wann genau die Einführung digitaler Methoden wie Apple Pay oder WeChat Pay sinnvoll ist. Hohe Nutzerfreundlichkeit und starke Sicherheit sehen wir als klare Vorteile solcher Zahlungsmethoden. Aktuell kann in allen Austria Trend Hotels bar, mit Debit- oder Kreditkarte (alle gängigen Anbieter) bezahlt werden. In unserem neuen Bassena Hotel (Eröffnung im März 2020 in Wien 2) werden wir den  Fokus auf bargeldlose Abläufe und hier etwa auch die Zimmer-Keycard für Käufe am Self-Service-Kühlschrank als Zahlungsmittel einsetzen.«

Michael Kröger, Verkehrsbüro Gruppe, by d.nutz

 

 

Christine Mueller-Zarl & Roland L. Mueller, Gasthaus Eckel, Wien

»Neben bar kann man bei uns mit Visa, Mastercard, Diners, EC, NFC und Apple Pay zahlen. Unser „Zahlungsmittel-Spiegel 2019“ ergab: 49,3 % Barzahlungen, 17,7 % Visa Card, 12,8 % Mastercard, 9,9 % Bankomat, 5,9 % Lieferschein und 4,3 % Diners Card. Aus langfristigen gesellschaftspolitischen Überlegungen wäre eine Barzahlung sicher am besten, denn durch eine Abhängigkeit von Dritten oder gar Vierten bei jedem digitalen Zahlungsprozess empfinden wir dies als massive Einmischung in die persönlichen Freiheitsrechte. Wir sind absolut keine Freunde einer bargeldlosen Gesellschaft und verwehren uns auch gegen z. B. jegliche „Better Than Cash Alliance“.« 

Christine Mueller-Zarl & Roland L. Mueller, Gasthaus Eckel, Wien, by d.nutz
Autor/in:
Daniel Nutz
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