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„Eklig sind sie allemal!“

16.10.2007

Exakt 231 Wasserbecken österreichischer Wellnesshotels ließ Christian Werner, Herausgeber des RELAX-Guide, im Lauf des vergangenen Jahres chemisch-physialisch überprüfen. Nur 19,5 Prozent aller Wasserwerte entsprachen dabei den Standards des Bäderhygienegesetzes.

„Die vorgefundenen Fakten sind noch keine Beweise für eine Gefährung der Gesundheit, sondern vielmehr Indizien für Gefährdungspotenzial. Eklig sind sie aber allemal. Und mit Sicherheit ein eindringliches Signal für die Hotellerie, hier mehr zu tun“, meinte Werner bei der Präsentation des RELAX-Guides 08. Die miserable Pool-Hygiene hat übrigens nicht Eingang in die Hotel-Bewertung gefunden, weil nicht das Pool-Wasser aller 822 getesteten Hotels untersucht wurde. Dafür gibt es ein Ranking der 15 besten Wasserqualitäten.

Der Poolwassertest des RELAX-Guides hat es in sich: Untersucht wurde der Gehalt an freiem und gebundenem Chlor, für den ph-Wert sowie die Leitfähigkeit wurden Standards professioneller Wasseraufbereitung als Messlatten herangezogen. Bei mehr als 80 Prozent der Hotelpools entsprach das Wasser nicht den Hygienestandards. In manchen Fällen der Messungen wurden die vorgeschriebenen Grenzwerte um das Siebenfache überschritten, bei 3,8 Prozent der Messungen reichten die Skalen der Messgeräte gar nicht mehr für die Darstellung der Abweichungen aus. Damit schnitten die Pools der österreichischen Wellnesshotels im Schnitt deutlich schlechter als die ebenfalls untersuchten deutschen und die der Insel Mauritius ab.

„Getestet wurde zudem fast ausschließlich in guten und sehr guten Häusern“, sagt RELAX-Guide-Herausgeber Christian Werner, konkret in Hotels mit Nächtigungspreisen von € 100 bis € 160.
Der Hotel-Tester schließt aus seinen Untersuchungsergebnissen: „Das österreichische Bäder­hygienegesetz (siehe Kasten) ist zwar weltweit einzigartig, aber mangels konsequenter Kontrolle offenbar wirkungslos.“ Den Hoteliers, die gegen die Auflagen verstoßen, unterstellt er keinerlei Absicht, sonder vielmehr Unwissenheit über einen ekeligen Zustand, der zu einem gesundheitsgefährdenden werden könnte.
Auch einen Seitenhieb auf staatliche Zertifikate wie „Best Health Austria“ will sich Werner nicht verkneifen. „Hier werde viel staatliches Geld für Qualitätsgütesiegel investiert. Die tatsächliche Qualität lasse aber augenscheinlich zu wünschen übrig.“

Geoutet werden die Hygienesünder vom RELAX-Guide nicht. Von den anonym gehaltenen Untersuchungsergebnissen und ihrer medial inszenierten Bekanntgabe erhofft sich Werner eine rasche Reaktion der Hotels zur Verbesserung der Wasserqualität. Solche Reaktionen habe der RELAX-Guide schon einmal ausgelöst, als er die „Nonsense-Treatments“ in vielen Hotel-Spas angeprangert hatte. „In den meisten Fällen der Kritik wurden derartige Behandlungen aus den Spa-Angeboten entfernt oder zumindest nicht mehr mit therapeutischen Versprechungen beworben. Das freut uns nicht nur, das ist auch touristische Qualitätssicherung im besten Sinn“, ist der Hotel-Tester überzeugt.

Schwer zu glauben
Für Dr. Klaus Ennemoser, Fachverbandsobmann der Hotellerie in der Bundeswirtschaftskammer, sind die vorgelegten dramatischen Messergebnisse nicht wirklich nachvollziehbar. „Für jeden Hotelpool gelten Betriebsvorschriften nach dem Bäderhygienegesetz. Die verpflichten jeden Betreiber dreimal täglich zu Wassermessungen. Die Behörden kontrollieren die Aufzeichnungen bei unangemeldeten Besuchen, ziehen selber Wasserproben und überprüfen die Technik. Bei einem Verstoß gibt es eine scharfe Verwarnung, bei wiederholten Verstößen hohe Geldstrafen. Das ist gut so. Denn die Wasserqualität ist – ähnlich wie die Lebensmittelhygiene – ein ganz kritischer Aspekt für jedes Hotel. Wenn es hier Verstöße gibt, schadet das der ganzen Branche. Die Hoteliers sind sich daher der Gefahren und der Sensibilität im Bereich Pool und Spa sehr wohl bewusst.
Vor diesem Hintergrund kann ich die vom RELAX-Guide vorgelegten Zahlen schlichtweg nicht glauben“, sagt der oberste Interessenvertreter der heimischen Hotellerie.

Post scriptum
Der RELAX-Guide hat übrigens auch die Wellness-Hotels bewertet. 43 Prozent von 822 in Österreich unter die Lupe genommen Hotels wurden mit zumindest 1 Lilie für ihre Qualitäten ausgezeichnet. Zehn Hotels waren den Testern vier Lilien wert. Und „Well­ness-Papst“ bleibt Karl Reiter. Sein Posthotel Achenkirch und Reiters Supreme in Bad Tatzmannsdorf erzielten als einzige 20 Punkte. (Nur) letzteres findet sich übrigens auch auf der Liste der besten zehn in Sachen Poolwasser-Hygiene. kof

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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