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Erhalten, restaurieren und konservieren

22.12.2004

Das typische Jahrhundertwende Café Westend, keine 100 Meter vom Wiener Westbahnhof entfernt, ist besonders bei Touristen sehr beliebt. Eine alte Registrierkasse, eine Tortenvitrine und zwei Telefonzellen, in denen die Gäste noch heute angerufen werden, gehören zum Mobilar.

Das Café Westend hat sich beim ersten Rundumblick seit seiner Gründung im Jahr 1895 wohl kaum verändert. Das typische Jahrhundertwende Café mit den klassischen Kaffeehausbänken, den alten, schwarz-weiß gemaserten, kalten Marmortischen sowie Bleikristalllustern und die über die Jahrzehnte durch den Zigarettenrauch entstandene Pattina auf dem Jugendstilstuck, geben dem Westend seine ganz besondere Note. „Über die Geschichte des Hauses ist leider so viel wie gar nichts bekannt oder aufgezeichnet worden“, sagt Edmund Kroyer, der seit nunmehr fünf Jahren mit seiner Frau Melitta das Café Westend aus seinem Dornröschenschlaf erweckte. Die Übernahme von Familie Postl erfolgte mit dem alteingesessenen Personal, das sukzessive ausgetauscht wurde – bis auf einen Kellner, den Herrn Robert – er ist der gute Hausgeist.
„Auf einem der besten Wiener Standorte, Ecke Mariahilferstraße gegenüber dem Westbahnhof, fehlten dem Café die Gäste. Heute kommen auch wieder junge Leute und nicht nur die typischen Studenten“, freuen sich die Kroyers, die versuchen im Café Westend nichts von der Einrichtung zu verändern sondern den Altbestand so gut wie möglich zu erhalten, zu konservieren und zu restaurieren.

Wiener Küche und drei Mehlspeisen
Heute halten neun Kellner im Smoking, in zwei Schichten den täglichen Betrieb von 7 bis 24 Uhr aufrecht und dazu kommt noch das Küchenpersonal. Seit der Übernahme verwöhnen die Kroyers ihre Gäste auch wieder mit Wiener Hausmannskost. Dazu gehören die Leberknödel- oder Fritattensuppe ebenso wie das Wiener Schnitzel vom Kalb und das Rindsgulasch mit Nockerln. Zu den vielen Kaffeespezialitäten, wie dem Caffè Westend (großer Mocca mit Rum) oderdem Johann Strauß Caffé (großer Mocca mit Biedermeierlikör), die alle auch koffeinfrei serviert werden, haben sich drei Mehlspeisen – Topfen- und Apfelstrudel sowie die Sachertorte(alle hausgemacht) – bewährt. Alle Teeliebhaber können aus einer eigenen Teespezialitätenkarte wählen. Die losen Teespezialmischungen wie der Biedermeiertee mit Honig (Hagebutte, Hibiscus, Apfel- und Zitronenschale mit Marillenaroma), Wild Cherry, Earl Grey, Assam Broken oder China Gunpowder werden im großen Pot mit Kandis- oder braunem Zucker serviert.

Clubzimmer
Was wäre ein Wiener Kaffeehaus ohne die Kunst? Da können die Kroyers Künstler und Politiker zu ihren Stammgästen zählen und im Clubzimmer, der Nichtraucher-Raum wird die traditionelle Kaffeehaus-Kultur gepflegt.
Regelmäßig finden dort Lesungen statt, treffen sich die Gäste zum Fernsehen und worauf man besonders stolz ist: Seit 30 Jahren treffen sich sonntags die Münzensammler im Clubzimmer. Das Café ist auch Galerie. Edmund Kroyer unterstütz keine namhaften Künstler, sondern lässt Hobbykünstler ihre Bilder aufhängen. Zum Altinventar des Cafés gehören auch eine historische Registrierkasse, die bis 1994 noch zur Abrechnung diente und zwei Telefonzellen, wo die Gäste angerufen werden können.
In dem typisch wienerisch geführten Kaffeehaus gibt es auch jede Menge aktuelle Tageszeitungen und Zeitschriften. Doch so meint Melitta Kroyer: „Den typischen Kaffeehaus-Zeitungsleser, der bei einem Kleinen Braunen und fünf Glas Wasser sitzt, gibt es heute nicht mehr.“

Café Westend, Familie Kroyer, 1070 Wien, Mariahilferstraße 128, Tel.: 01/523 31 83

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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