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Erträge unter Druck

11.01.2012

Wien. Die Analyse der Tourismbank zeigt ein durchwachsenes Bild für die Hotellerie. Die Unternehmen sind zwar größer und professioneller geworden und die Eigenkapitalquote wurde verbessert, aber das wirtschaftliche Ergebnis kommt immer mehr unter Druck. Finanzierungen werden damit immer schwieriger und kostspielige, was im  zweiten Halbjahr 2011 zu einem deutlichen Investitionsrückgang führte.

ÖHT-Geschäftsführer Franz Hartl

Das Resümee der Tourismusbank, die im vergangenen Jahr 1.774 Förderungen begleitet und ein Projektvolumen von 880 Mio. Euro betreut hat, zeigt, dass die heimischen Tourismusbetriebe stark unter Druck stehen. Die Unternehmen sind zwar größer und professioneller geworden, sind durchwegs besser ausgelastet und erzielen durchschnittlich gute Umsätze. Dennoch bleiben die Erträge zurück. Obwohl die Preise über die Inflationsrate angehoben wurden, bleibt unterm Strich weniger übrig. Grund ist der Kostendruck aufgrund weit über die Inflationsrate gestiegener Aufwände. Im Zehn-Jahres-Vergleich sind die Energiekosten um satte 13,5 Prozent gestiegen, die Werbungskosten aufgrund der wachsenden Konkurrenz sogar um 18,4 Prozent angewachsen und beim Personal kam es zu einer Steigerung von 6,8 Prozent. In der gleichen Zeit ging aber das operative Ergebnis (GOP) um 11,6 Prozent zurück. 


Eigenkapitalquote gestiegen

Bezüglich des Eigenkapitals hat sich laut ÖHT-Geschäftsführer Dr. Franz Hartl die Branche sehr bemüht das Bilanzbild zu verbessern. Erstmals weisen die Hotels in der Vier- und-Fünf-Sterne-Kategorie durchschnittliche mehr als die gesetzliche Mindesterfordernis von acht Prozent auf. Die 3-Stern-Betriebe verfügen aber, wie auch Teile der Gastronomie, noch immer über ein negatives Eigenkapital. Hartl: „Es wird hart daran gearbeitet, aber es wird noch einige Jahre dauern bis das Minus-Eigenkapital weg ist, vor allem braucht es gute Jahre“.  Immerhin verfügen die größeren Hotels, mit mehr als 200 Betten, über eine Eigenkapitalausstattung von über 16 Prozent. Das sind allerdings nur einige Hundert. Die Zwei-und Ein-Stern-Häuser brechen laut Hartl schön langsam aus dem Markt oder werden ausgebaut: „Die Betriebe wissen, dass das Eigenkapitalthema für sie letal sein kann“.


Investitionen gehen zurück

Die Tourismuswirtschaft hat in den letzten Jahren „tapfer und ungebrochen“ investiert und damit viel zur Stabilität beigetragen. Aber die turbulenten Rahmenbedingungen auf den Finanzmärkten machen dem Tourismus zu schaffen. Mittlerweile steht auch die Tourismuswirtschaft bei den Investitionen deutlich auf der Bremse. „Im ersten Quartal voriges Jahr nahmen die Kreditanträge gegenüber dem Vorjahr zu, im zweiten Quartal lagen sie bereits etwas darunter, im dritten und vierten Quartal waren sie deutlich unter dem Vorjahr“, berichtete Hartl. Basel III setzt der Tourismuswirtschaft sehr zu und wird diese noch länger beschäftigen. Die Zinsen sind zwar gesunken, die Banken haben aber die Liquiditätsaufschläge stark erhöht. Die Liquiditätskosten sind umso höher, je längerfristig die Kredite sind. Und die Tourismusunternehmen haben naturgemäß lange Kreditfinanzierungslaufzeiten. Der größte Teil der über die ÖHT abgewickelten Tourismusförderung floss im abgelaufenen Jahr in die Optimierung der Betriebsgröße und in die Verbesserung der Qualität. Zurück gegangen sind die Investitionen für Wellness, aber auch für Seminar-, Fitness- und Kinderspielräume. Deutlich gestiegen sind dafür die Aufwendungen für Personalzimmer, um den Mitarbeitern, die oft aus dem Ausland kommen, angemessene Unterkünfte bieten zu können. Zugenommen haben auch die Investitionen in Tiefgaragen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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