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Es betrifft jedes Unternehmen

07.05.2007

Am Beginn informierte Dr. Michael Kowarik die über hundert Gäste über aktuelle steuerliche Entwicklungen, insbesondere die Verpflichtung, Dienstnehmer sofort bei Dienstantritt zu melden sowie Umsatzsteuerbetrug im großen Rahmen. Allein in Österreich werden ca. 60 bis 100 Mio. Euro pro Jahr aufgedeckt.

In diesem Lichte erläuterte im Anschluss Mag. Axel Kutschera im Hauptreferat die zwar nicht sehr spektakulären, teilweise aber sehr gravierenden Änderungen der Bundesabgabenordnung betreffend Grundaufzeichnungen, Grundlagensicherung und Barbewegungsverordnung, abgerundet durch praktische Hinweise zu den aktuellen Prüfungsmethoden der Finanz.

Die Eckpunkte des Vortrages:
l Durch die Übergangsregelung sind die meisten Unternehmen erst ab 2008 von den Änderungen betroffen.
l Die einzelnen Geschäftsvorfälle sollen sich in ihrer Entstehung und Abwicklung verfolgen lassen – umfassende Aufbewahrungspflichten! Außerdem sind sie einzeln zu erfassen.
l Die vereinfachte Losungsermittlung ist nur bis zu einem Jahresumsatz von 150.000 Euro bzw. bei Umsätzen von Haus zu Haus oder anderen öffentlichen Orten zulässig. Sie hat in Form einer Rückrechnung (nachvollziehbarer Kassabericht) zu erfolgen.
l Besondere Vorschriften gibt es für die EDV im Rechnungswesen („Radierverbot“).
l Verstöße gegen diese Vorschriften gelten künftig als Verletzung der Mitwirkungspflicht (nicht korrigierbar!) und geben Anlass, die sachliche Richtigkeit der Bücher in Zweifel zu ziehen (Schätzungsbefugnis). Es kommt also zu einer Umkehr der Beweislast!
Was ist neu beim Betrugs­bekämpfungsgesetz?
Bücher sind so zu führen, dass sie einem sachverständigen Dritten innerhalb angemessener Zeit einen Überblick über die Geschäftsvorfälle vermitteln können. Die einzelnen Geschäftsvorfälle sollen sich in ihrer Entstehung und Abwicklung verfolgen lassen (Angebote, Lieferscheine, Rechnungen, Pläne, Bautagebücher, Terminkalender, Kalkulationen, Briefverkehr, E-Mails usw.).
Die Eintragungen sollen der Zeitfolge nach geordnet, vollständig, richtig und zeitgerecht vorgenommen werden. Alle Bar­eingänge und Barausgänge sollen in den Büchern oder in den Büchern zugrunde liegenden Grundaufzeichnungen täglich einzeln festgehalten werden.
Durch welche Methoden kann festgehalten werden?
l chronologische, händische Aufzeichnungen der Einzellosungen
l Eingangs- und Ausgangsrechnungen
l Paragondurchschriften (Einnahmen) und Paragons (Ausgaben)
l Registrierkassenkontrollstreifen (+Datenträger)
l elektronische Datenverarbeitung (+Datenträger)
l Losungsblätter („Stricherlliste“) (+Stricherlliste)
l Kassabuch (Kassabericht) mit Bestandsverrechnung (bei weniger als 150.000 Euro Jahresumsatz)
Härtefälle ergeben sich dadurch bei Kantinen, im Gassenverkauf, bei Tabaktrafiken und bei Schaustellern.
Die Eintragungen sollen nicht mit leicht entfernbaren Schreibmitteln erfolgen. An Stellen, die in der Regel nicht zu beschreiben sind, sollen keine leeren Zwischenräume gelassen werden. Der ursprüngliche Inhalt einer Eintragung soll nicht mittels Durchstreichens oder auf andere Weise unleserlich gemacht werden. Es soll nicht radiert und es sollen auch solche Veränderungen unterlassen werden, deren Beschaffenheit ungewiss lässt, so sie bei der ursprünglichen Eintragung oder erst später vorgenomen worden sind.
Bei EDV-Rechnungswesen sollen Eintragungen oder Aufzeichnungen nicht in einer Weise verändert werden können, dass der ursprüngliche Inhalt nicht mehr ersichtlich ist.
Werden die Geschäftsvorfälle maschinell festgehalten, gelten singemäß die gleichen Bestimungen mit der Maßgabe, dass durch gegenseitige Verweisungen oder Buchungszeichen der Zusammenhang zwischen den einzelnen Buchungen sowie der Zusammenhang zwischen den Buchungen und den Belegen klar nachgewiesen werden sollen.
Durch entsprechende Einrichtungen soll der Nachweis der vollständigen und richtigen Erfassung aller Geschäftsvorfälle leicht und sicher geführt werden können und Summenbildungen nachvollziehbar sein.
Zum Abschluss stellte Mag. Manfred Wildgatsch die steuerlichen Besonderheiten bzw. Vor- und Nachteile der einzelnen Rechtsformen und Gewinnermittlungsarten (GmbH, Bilanzierung, Einnahmen-/Ausgaben-Rechnung) gegenüber. Zur optimalen Gestaltung ist jedenfalls eine Planungsrechnung erforderlich – vielleicht der Anstoß, sie endlich zu installieren. Ebenso ist es natürlich möglich, Rechtsform oder Gewinnermittlungsart zu ändern. Da dies aber nicht ohne steuerliche Folgen bleibt, gilt es dies entsprechend zu gestalten und den optimalen Zeitpunkt zu finden.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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